• vom 12.01.2018, 12:16 Uhr

Bühne

Update: 12.01.2018, 13:50 Uhr

Bühne

"Künstlerische Heimat" am Theater an der Wien




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Stefan Herheim wird das Haus ab 2022 leiten und will zwei Inszenierungen pro Saison selbst gestalten.

- © APA/GEORG HOCHMUTH

© APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Regisseur Stefan Herheim verspricht dem Opernpublikum unter seiner Ägide "nicht nur kunstvoll Süßes, sondern auch Pikantes und Scharfes". Herheim, der ab 2022 Intendant am Theater an der Wien sein wird,  sagte: "Es wird eine übergeordnete Dramaturgie für dieses Haus geben, die auf meiner eigenen Ästhetik fußt".

Er zieht die Bühnenbretter dem Büroparkett vor

Er will pro Saison mindestens zwei Inszenierungen am Haus selbst gestalten: "Dafür werde ich meine freiberufliche Karriere als Regisseur weitgehend einstellen." Er erlebe in der internationalen Opernwelt aufseiten der Qualitäten immer wieder Dinge, die ihn befremden und teils beschämen würden - deshalb ziehe er nun die Konsequenzen. Bis dato habe er Angebote, eine Intendanz zu übernehmen, nie erhört: "Da ich die Bühnenbretter dem Büroparkett vorziehe, habe ich bisher immer abgelehnt. Mit den Jahren ist mein Bedürfnis nach einer künstlerischen Heimat aber gewachsen."

Wir statt Ich

Dabei begreift der neue Theaterchef seine Aufgabe nicht als Egoshow: "Darauf möchte ich meine Intendanz gründen: Nicht auf einem Ich, sondern einem großen Wir. Mich interessiert nicht der Titel des Intendanten, sondern die Möglichkeit, Menschen zu einen." Ob die Zahl der Premieren angesichts der vorhandenen Mittel zu steigern sei, könne er derzeit noch nicht sagen, betonte der Neo-Theaterchef: "Manchmal ist weniger auch mehr." Eine künstlerische Leitung müsse sich jedenfalls als Kern einer Musiktheaterwerkstatt begreifen: "In diesem Sinne gelobe ich, dem Theater an der Wien treu zu dienen."

Und dann schlug bei dem nach Eigendefinition in Deutschland sozialisierten Norweger ("ein Wikinger-Piefke") ein zum neuen Heimatstandort passender freudscher Versprecher zu, als er Karl Kraus' Aphorismus "In der Kunst kommt es nicht darauf an, dass man Eier und Fett nimmt, sondern dass man Feuer und Pfanne hat" unfreiwillig zu "Man braucht vor allem Eier" paraphrasierte. Eine Umdeutung, die ebenfalls durchaus stimmig sein dürfte.

"Wir alle wissen, dass Stefan Herheim ein Regisseur ist, der auf technischer Seite den Teams - Gott sei Dank - einiges abverlangt", konstatierte der nun bis 2022 verlängerte Intendant Roland Geyer. Herheim tritt erst 2022 im TaW an, um seinen projektierten "Ring" an der Deutschen Oper Berlin fertigzustellen. Er verstehe seine zwei zusätzlichen Saisonen dabei nicht als bloßen Appendix, unterstrich Geyer: "Ich möchte noch einmal einen Kulturpfeiler im Theater an der Wien einschlagen."

Und auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zeigte sich mit der von ihm getroffenen Personalentscheidung rundum glücklich: "Das Theater an der Wien ist damit für einen positiven Wettbewerb in den 20er-Jahren dieses Jahrhunderts gerüstet", verwies er auf die gleichzeitig erfolgende Neubesetzung der Staatsopern-Spitze mit Bogdan Roscic. Und für diesen künstlerischen Wettstreit sei Stefan Herheim der Richtige: "Er ist einer der hervorragenden, herausragenden Opernmenschen, die es derzeit global gibt."





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 12:22:57
Letzte nderung am 2018-01-12 13:50:32



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tausend Tränen tief
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. Neue Wege auf dunklen Straßen
  4. berühmt & berüchtigt
  5. Im Zeichen von #MeToo
Meistkommentiert
  1. Pandoras Übersetzungswerkstatt
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  4. Das Mittelmaß des Wahnsinns
  5. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung

Werbung



Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung