• vom 16.04.2012, 16:50 Uhr

Kultur

Update: 16.04.2012, 18:16 Uhr

Elina Garanca

Der Rosenkavalier: Silbriger Zauber trifft derbe Wuchtel




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Staatsoper

Publikumslieblinge im Dienste von Richard Strauss: Elina Garanča und Kurt Rydl im "Rosenkavalier" an der Staatsoper. - © Foto: Staatsoper/Pöhn

Publikumslieblinge im Dienste von Richard Strauss: Elina Garanča und Kurt Rydl im "Rosenkavalier" an der Staatsoper. © Foto: Staatsoper/Pöhn

Vielleicht ist eine Repertoire-Vorstellung ja der raffiniertere Abend für Neugierige. Während das Neue auf den Premierengast nur so einstürzt, ist es im Alltagsbetrieb von subtilerer Natur: Was macht der neue Sänger aus den gegebenen Umständen? Und natürlich: Was machen die Umstände aus ihm?

Information

Oper

Der Rosenkavalier
Wiener Staatsoper (01/5131513)
Wh.: 18. und 21. April


Im "Rosenkavalier" der Wiener Staatsoper ist dies freilich ein Match zwischen Neu und Uralt - fand die Premiere doch noch vor der Mondlandung statt (ja, der Mondlandung). Was Otto Schenk einst auf die Bühne gestellt, das ist Operngehern ins kollektive Unterbewusste gefahren. Säulen, Balustraden, Perücken: eine prunkvolle Selbstverständlichkeit, in der es auch unhinterfragt bleiben kann, wenn sich die Sänger selbst wie kostbare Statuen gerieren.

Gegen derlei Bewegungsunmut hat Schenk zwar im Jahr 2010 mit einer Neueinstudierung interveniert. Von nachhaltiger Wirkung auf den (Umbesetzungs-)Alltag war freilich nicht auszugehen. Und so sind auch in der aktuellen Spielserie der Strauss-Oper einige Sängerstehzeiten zu akzeptieren.

Wiewohl auf hohem Gesangsniveau. Immerhin kann die Staatsoper mit der - soeben zur Kammersängerin geadelten - Nina Stemme auftrumpfen, und Elina Garanča singt ja auch. Wobei: Womöglich lag es am schlechten Feng Shui der Prunkbühne, dass Garanča den feurigen Liebhaber anfangs wenig glaubhaft verkörperte. Und, nebstbei bemerkt: Dass dieser Octavian seinen Duellgegner am Rücken touchiert, der Verletzte aber am Arm blutet, grenzte an ein medizinisches Wunder.

Garančas Mezzo aber, zumal in hoher Region, setzt weiterhin explosive Energie frei. Und: Er verschmilzt im Terzett berückend mit Stemmes Stimme, die der Marschallin Prägnanz mit einem Schuss Dramatik verleiht. Die dritte im Bunde? Miah Persson, hier erstmals als Fräuleinwunder Sophie: so putzig präsent, dass es schon einleuchtet, warum sich Octavian sogleich amourös umorientiert. Vokal bleibt Persson leider eher unauffällig; ihre Spitzentöne weben sich jedoch fein in den Strauss’schen Silberklang.

Die Leistung von Kurt Rydl will mit anderer Elle gemessen sein. Mehr als 230 Mal hat er den Ochs auf Lerchenau gespielt; zum 1111. Mal insgesamt stand er am Sonntag auf der Staatsopernbühne: Dies ist imposant. Es liegt jedoch auch auf der Hand, dass selbst eine Gewaltstimme solchen Werten Tribut zollen muss. Rydl hat weiterhin Erfolg: Er würzt die Rolle des schmierigen Kavaliers mit derber Komik und einer betont wienerischen Lautgebung gewissermaßen noch nach.

Delikate Entfaltung
Das Wienerische: Richard Strauss hat es dem Orchesterpart subtil eingeschrieben. Zwar lässt Strauss-Spezialist Jeffrey Tate die Orchesterwogen bisweilen allzu hoch wogen, im lyrischen Moment aber bremst er scharf und erzielt delikate Klangentfaltung: in den besten Momenten eine Symbiose aus wienerischem Walzergefühl und hochauflösender Präzision. Da machten dann auch 20 Minuten Überlänge die applaudierenden Hände nicht müde.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-04-16 16:56:08
Letzte Änderung am 2012-04-16 18:16:59



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Heroischer Beethoven gleich viermal
  2. Ausgespielt?
  3. Interkontinental
  4. Volle Töne, gute Laune
  5. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
Meistkommentiert
  1. Ausgespielt?
  2. Ein Rabauke zeigt sich reuig
  3. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  4. Interkontinental

Werbung






Werbung



Werbung