Ob es sinnvoll ist, die Intelligenz von Menschen zu ermitteln und einen entsprechenden Quotienten festzustellen, darüber darf gestritten werden. Nicht erst seit Thilo Sarrazins einschlägigen Diagnosen zum Thema. Darüber, ob es sinnvoll ist, über den IQ eine Oper zu machen, jetzt auch.
Die Uraufführung der Schwetzinger SWR-Festspiele unternimmt genau diesen Versuch. Da, wo im vergangenen Jahr mit Georg Friedrich Haas "Bluthaus" ein repertoireverdächtiger Opernthriller über die Bühne ging, gab es heuer eine eher elaborierte Versuchsanordnung von mäßigem Erkenntnis- und Unterhaltungswert.
Was Enno Poppe komponiert und Marcel Beyer getextet haben, nennt sich "Testbatterie in acht Akten" und ist die Simulation eines Intelligenztestes. Dabei ermitteln Testleiterin Rosemary Hardy und ihre Kollegin Katja Kolm mit ihren beiden Assistenten die Intelligenz der Probanden. Und testen dabei gleich noch die Geduld des Publikums. Obwohl ziemlich ausgeklügelt durchkonstruiert, findet diese Klanginstallation, in der die Instrumentalisten des Klangforum Wien virtuos ihrer Instrumente bedienen (aber auch sprechen und singen müssen), nicht so recht zu einer überzeugenden Bühnenform. Und im Auswertungsakt nicht zu einem Ende.
Tests und ihre Auswertung
Anna Viebrock hat das Ganze als Raumerfinderin und Regisseurin immerhin angemessen auf die Rokokobühne gebracht. Im Grunde werden sieben Tests und eine Auswertungsrunde durchgespielt. Zum Beispiel Farbtöne erkennen. Dazu wird ein Schild hochgehalten, auf dem beispielsweise das Wort Rot in einer anderen Farbe zu sehen ist. Der Proband muss die Farbe benennen, ohne sich vom gelesenen Wort irritieren zu lassen. Und so weiter. Die Pointe besteht dann darin, dass die diversen Protokolle umgehend in den Reißwolf wandern. Der Berg mit den Papierresten landet irgendwann im Graben.
Von dort wiederum wechseln einzelne Musiker in ihrem Alltagszivil immer mal wieder auf die Bühne. Die ist ein für Viebrock-Verhältnisse ziemlich renoviertes Testlabor mit allerlei Achtzigerjahre-Technik für die Tester links, zwei Bankreihen für die Probanden rechts und einer verschiebbaren Rückwand mit zwei Bildschirmen dahinter. Garniert sind die Testrituale mit kleinen Typ-Skizzen der Probanden und der Tester. Inklusive eines amourösen Übergriffs von hier nach dort.
Die Musik ist meist lakonisch und über weite Strecken den Wortbeiträgen untergeordnet. Beim Tonfolgen-Nachspielen verdichtet sie sich auch mal zum bläsergrundierten intensiven Orchester-Tutti. Oder sie wechselt abrupt die Tonlage, wenn eine Probandin über ihre Erfahrungen mit dem "Bochumer Matrizentest" berichtet. Musikalisch effektvoll mit rauchbluesiger Stimme zu Bass und Saxophon. Da gibt sich der subtile Witz, den das Ganze womöglich hat, dann auch mal zu erkennen. Sonst bleibt er in der Deckung der Textbruchstücke gut versteckt.
Ansonsten kommt das Ganze doch eher so aufgeblasen daher wie sein Gegenstand. Am Ende, nach langen neunzig Minuten, sind alle Klippen, die diese Art der Vermessung der Welt bereithält, erfolgreich umschifft. Schade drum.
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