• vom 05.05.2011, 18:30 Uhr

Kultur

Update: 05.05.2011, 18:32 Uhr

Oper: Lolita

Lolita stirbt bei den Maifestspielen




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Von Jörn Florian Fuchs

  • Was hätte ein Calixto Bieito aus dieser Oper gemacht! Welch Lustmolchigkeiten hätte das Publikum der Maifestspiele Wiesbaden ertragen müssen? Vielleicht war es doch ganz gut, die eher betulich vorgehende Konstanze Lauterbach mit der Regie von "Lolita" zu betrauen: Sie verpflichtete sich vor allem zur präzisen Bebilderung, behutsam bereichert mit wenig (halb-)
  • unzüchtigen Posen.

Emma Pearson als singende Lolita. Foto: Martin Kaufhold

Emma Pearson als singende Lolita. Foto: Martin Kaufhold Emma Pearson als singende Lolita. Foto: Martin Kaufhold

Rodion Schtschedrins erstmals in Deutschland gezeigte Oper (1994) hält sich an Vladimir Nabokovs Buch, allein die kurze Beziehung der Heldin mit einem tumben Jüngling wurde gestrichen. In drei teils etwas schwerfälligen Stunden durchleidet man Lolitas unfreiwillig abgebrochene Adoleszenz wegen ihrer "Affäre" mit Humbert Humbert, der in Wiesbaden jedoch weniger altersgeil als selbst kindlich wirkt. Das Anti-Paar hetzt durch die US-Provinz, irgendwann gerät Lolita ins Porno-Business, Humbert in den Knast. Bevor er an einer Herzattacke stirbt, erschießt er Lolitas Film-Zuhälter. Die Kindfrau siecht an der Geburt ihres ersten Kindes dahin.

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Die Bühne ist eine schiefe Ebene, in deren Mitte eine Drehscheibe für Bewegung sorgt, im Hintergrund sieht man erst Kritzelzeichnungen, später Airbrush-Bilder des blonden Nymphchens. Wenn es zur Sache geht, erscheinen (sehr junge) Lolita-Doubles, meist ergänzt durch schwarz gewandete Chor-Juristen, die über Moral schwadronieren. Gerne verfangen sich die Protagonisten in gelben Luftschlangen, die wohl auch für Lolitas blondes Haar stehen.

Schtschedrins Musik hat einen Hang zu Drastik, Opulenz, Sinnlichkeit. Der Tonsatz verschmilzt gemäßigt moderne Couleurs mit kirchentonalen Chorpassagen und kontrastiert Blechattacken mit langen Strecken meditativer Entspanntheit; hier kommen diverse Glocken zum Einsatz.

Emma Pearson (Lolita) erfüllt Schtschedrins oft etwas verhetzte Staccati mit Leben und sieht überdies blendend aus, Sébastien Soulès (Humbert) neigt zum Überagieren, singt aber hinreißend. Im Graben sorgt Wolfgang Ott für ein exaktes, wohltemperiertes Klangbild.

Oper

Lolita

Von Rodion Schtschedrin

"Staatstheater Wiesbaden":www.maifestspiele.de

Wh.: 16. Mai



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-05-05 18:30:00
Letzte Änderung am 2011-05-05 18:32:00


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