
Er hängt wortwörtlich in den Seilen, schlägt damit der Schwerkraft ein Schnippchen. Nach mehr als zehn Jahren präsentiert der franko-kanadische Choreograf und Performer Benoît Lachambre ein - wie er es bezeichnet - "falsches" Solo: In "Snakeskins" im Rahmen des Impulstanz-Festivals im Museumsquartier zeigt er, wie man eindrucksvoll aus der Haut fahren kann.
Ein "falsches" Solo also, denn Komponist und Multi-Instrumentalist Hahn Rowe liefert ihm dazu live auf der Bühne die Klangkulisse, die zwischen zarten Tönen und E-Gitarre wechselt - je nach Häutungsstadium. Dünne Gummiseile, die wie ein dichtes Spinnennetz scheinen, dienen Lachambre als Folterinstrument: Mit einer Schlinge um den Nacken windet und dehnt er sich im Rausch der Klänge, kämpft mit der Kraft des eigenen Körpergewichts. Unsicherheiten sind dabei programmiert.
Schwerelose
Selbsthäutung
Später scheint Lachambre dann wie eine Puppe mit wackeligen Beinen Halt zu suchen, er entflieht somit immer wieder den üblichen körperlichen Bewegungsmöglichkeiten. Der Effekt ist schwerelose Selbsthäutung, die manchmal auch in erdigen Grusel umschlägt: Etwa, wenn Lachambre mit einer an S/M-Fetische erinnernden Maske fast bedrohlich auf das Publikum zugeht, es mit einnehmender Bühnenpräsenz fixiert. Der Performer wechselt auch mithilfe einer ausgeklügelten Lichtregie eine Stunde lang seine Bühnencharaktere wie manch einer seine Hemden - Pardon, wie andere ihre Häute.
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