Ach, es ist schon nicht leicht, wenns einem allzu gut geht: Vor lauter Langeweile muss man sich bereits zweite Identitäten zulegen, um dem Dasein noch ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Blöd nur, wenn man seine Angebetete just dann trifft, wenn man grad die falsche Rolle mimt - und das Objekt der Begierde obendrein unmissverständlich klarstellt, dass sie einen letztlich vor allem des außergewöhnlichen und (viel schlimmer) falschen Namens wegen liebt.

"Ernst" lautet dieser folgenreiche Name in Oscar Wildes Stück Bunbury; und er wird den beiden Adelsmännern John und Algernon spätestens dann zum Verhängnis, als Algernon im Haus von Johns hübschem Mündel Cecily als Johns vermeintlich verstorbener Bruder auftaucht.
Zum Abschluss der letzten Saison des 3raum Anatomietheaters, das im Oktober nach sieben Jahren seine Pforten schließt, bringt Hubsi Kramar eine Wiederaufnahme seiner Oscar-Wilde-Inszenierung von 2010: Diese bietet dem Betrachter zwar eine überwältigende Spielfreude seitens der Darsteller - allen voran Stefano Bernardin und Markus Kofler als ungleiches Brüderpaar.
Die Inszenierung selbst jedoch bleibt seichtes Boulevardtheater, dem es bis auf wenige Ausnahmen an Tempo, Witz, Fantasie und schließlich sogar handwerklicher Raffinesse mangelt. Das wäre an und für sich noch nicht schlimm, letztlich schaut man den zumindest in den Hauptrollen überzeugenden Darstellern gern zu, würde dadurch nicht die Schärfe des Wildeschen Witzes in häufig mäßig gesetzten Pointen untergehen.
Dies und die ewig langgedehnte Schlussszene verhindern dabei einen mitreißenden Abend, der über die klamaukige Oberfläche hinaus geht: Manchmal ists dann eben doch wichtig, ein klein bisschen ernst zu sein. Aber vielleicht war das ja auch gar nicht das Ziel: Das Publikum klatschte begeisterten Beifall.
"Glauben Sie, Ihre Familie ist normal?", fragt Robert Blöchl zu Beginn des neuen Programmes von BlöZinger, jenes grenzgenialen Kabarettduos...weiter