Wien. Die Letzten werden die Ersten sein und somit wird eigentlich der Gewinner zum Verlierer? Ausgehend von dieser These stellt sich der italienische Performer Giovanni Jussi dem Phänomen des Wettkampfes und dem Scheitern mit "Losers Symphony", das heute, Mittwoch, im Wiener Palais Kabelwerk Premiere feiert. "Es geht um den Antrieb, Tanz, Kampf und Aufprall genau in diesem Moment des Wettbewerbs", schildert Jussi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" inmitten von roten und blauen Plastikhänden, die wahllos über die Bühne verstreut sind. "Die sind noch von der gestrigen Probe", meint er mit fast entschuldigendem Unterton.
In seinem performativen Konzept wird es keine allabendlichen Wiederholungen geben: "Jede Vorstellung wird anders verlaufen, denn die Performer arbeiten in einer fixen Struktur, in der improvisiert wird." Denn eine Choreografie birgt das Risiko, an Echtheit zu verlieren. "Ich erarbeite im Moment den Moment", so der Mailänder Tanzschaffende.
Authentizität als hehres Ziel
Mit fünf Performern sowie der österreichischen Technoband Elektro Guzzi als Mitstreiter geht Jussi nun erstmalig an den Performance-Start in Wien und untersucht nicht nur die Aspekte des Gewinnens, sondern auch jene des Verlierens.
Und damit begibt er sich auch in den Wettstreit um Subventionen. Denn neben seiner aktuellen Produktion im Kabelwerk gründete Jussi auch sein Ensemble Alias Rosalie. Im Mittelpunkt des Kollektivs von Performern und Tänzern steht vor allem die Authentizität: "Wir wollen keine Rollen spielen oder performen, sondern viele Facetten unserer Charaktere weiterentwickeln. Es klingt etwas theatralisch, aber wir bezwecken das Gegenteil, in dem wir nahe an der Realität bleiben." Deshalb auch der Name: "Alias, weil ich die Idee des Alter Ego auf der Bühne spannend finde und natürlich bietet es eine Art persönlichen Schutz."
Aber weshalb gerade eine neue Kompanie in Zeiten der kulturellen Budgetknappheit und warum gerade in Wien? "Ich muss sagen, dass ich mit den Subventionen und dem daraus resultierenden Produktionsbudget sehr zufrieden bin. Wir haben einen Beruf gewählt, der uns nicht reich machen wird", so der Künstler. Und Probleme, wie auch jene finanzieller Natur, gäbe es immer zu lösen. "Wir können überleben. In Italien wäre es schon viel schwieriger, wenn nicht unmöglich."
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