• vom 20.01.2011, 09:03 Uhr

Film

Update: 24.01.2011, 13:13 Uhr

22. Trieste Film Festival eröffnet mit Oscar-Preisträger Danis Tanovic

Menschlicher Zirkus vor der Tragödie




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Die Dokumentarfilmsektion zählt 16 Streifen, davon ist wohl der kurioseste "Cinema Komunisto" von Mira Turajlic. Obwohl eine Doku, weist der Streifen eine prominente Besetzungsdichte auf. Er zeigt die Filmwelt-Ambitionen des einstigen jugoslawischen Staatschefs Tito, der sich gern in Gesellschaft von Hollywood-Stars begab, aber auch tatsächlich ein Filmliebhaber war. Sein persönlicher Filmvorführer, der in der Doku als Zeitzeuge zu Wort kommt, hatte Tito, seiner Frau und fallweise einem kleinen Kreis in einer Art "Heimkino" in drei Jahrzehnten mehr als 800 Filme vorgeführt; meist schon Tage vor der Premiere in Belgrad. Zu dieser Zeit produzierte Jugoslawien bis zu 50 Filme pro Jahr. Aus der Starwelt sind mit Josip Broz Tito bei Dreharbeiten zu sehen: Richard Burton (als Partisanenführer Tito im Zweiten Weltkrieg im Film "Die Schlacht an der Neretva", 1968), Liz Taylor, Yul Brinner, Orson Welles, Hardy Krüger oder Kirk Douglas, die in weiteren jugoslawischen Filmproduktionen mitwirkten.

Lokalkolorit in den Kinozonen

Lokalkolorit prägt die Festival-Reihe "Zone di Cinema" (Kinozonen). Hier sind Filme zu sehen, die in der Region Friaul-Julisch Venetien, deren Hauptstadt Triest ist, gedreht wurden beziehungsweise sich mit Themen der Region befassen. Unter anderem zu sehen: "Piran - Pirano" von Goran Vojnovic, über zwei Männer in dem heute slowenischen, zuvor jugoslawischen und einst italienischen Städtchen Piran/Pirano am Ende des Golfs von Triest, die seit jeher im Streit über ideologische und kulturelle Themen leben. Und der italienische Streifen von Andrea Prandstraller, "La risiera di San Sabba", befasst sich mit einem dunklen Abschnitt in der Geschichte von Triest: Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde am Rande der Stadt die Reismühle von San Sabba von den Nazis zu einem Vernichtungslager umfunktioniert; dem einzigen auf italienischem Gebiet.

Die Retrospektive des Festivals ist heuer dem Dokumentarfilmer Sergej Loznitsa (Jg. 1964) gewidmet, der in Weißrussland geboren wurde, in der Ukraine aufgewachsen ist und seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Ferner bringt die Triestiner Hommage Filme des slowakischen Regiealtmeisters und Autorenfilmers Dusan Hanak (Jahrgang 1938).

Masterclass mit Jiri Menzel

In das Festival integriert ist auch das Koproduktionstreffen "East meets West". Es findet unter der Schirmherrschaft von Euroimages zum zweiten Mal in Triest statt und will zu Koproduktionen zwischen Ländern Osteuropas, Italien und eines weiteren westlichen Landes ermutigen. Heuer ist Frankreich das zweite Koproduktionsland. 16 Projekte werden in Triest präsentiert.

Eine gute Ergänzung dazu ist das vom Festivalveranstalter Alpe Adria Cinema in Zusammenarbeit mit der Mitteleuropa-Initiative (CEI) organisierte Projekt "Eastweek", kuratiert von Elena Giuffrida.

Bereits zum dritten Mal werden hier Filmschulen und -akademien Ostmitteleuropas zum Trieste Film Festival eingeladen. Rund 30 junge Regisseure und Drehbuchautoren bekommen so neben der Möglichkeit, die Festivalfilme zu sehen unter anderem Gelegenheit zur Teilnahme an "Masterclass"-Veranstaltungen. Diese werden unter anderen vom tschechischen Oscar-Preisträger des Jahres 1968, dem Regisseur und Schauspieler Jiri Menzel, gehalten ("Warum ich Filme mache und die Notwendigkeit von Komödien") sowie von dem kroatischen Schauspieler, Schriftsteller und Liedermacher Rade Serbedzija, der in Kultfilmen wie "Vor dem Regen" von Milcho Manchevski oder Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" spielte, aber auch in einem Harry-Potter-Film (den Zauberstab-Hersteller Gregorowitsch).

Serbedzija wird in Triest auch sein jüngstes Buch vorstellen, "Fino all ultimo respiro" (Bis zum letzten Atemzug), und er wirkt als Darsteller in dem beim Festival präsentierten Film "72 Days" seines Sohnes Danilo Serbedzija mit.

+++ "Trieste Film Festival":www.triestefilmfestival.it

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-01-20 09:03:00
Letzte Änderung am 2011-01-24 13:13:00



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