Venedig.

David Cronenberg etwa, für gewöhnlich ein Meister des Abgründigen, erforscht in "A Dangerous Method" zwar die Tiefen der Psyche von Keira Knightley, die sich als Patientin von Carl Jung und Sigmund Freud die Seele aus dem Leib spielt (nicht immer ein schöner Anblick); aber das artig und säuberlich abgefilmte Kostümdrama, teilweise in Wien gedreht, erstickt in artifiziellem Dekor.
Inhaltsleere Arrangements
Langatmig hingegen die John-le- Carré-Verfilmung "Tinker, Taylor, Soldier, Spy", eine Agenten-G-schichte zur Zeit des Kalten Krieges, in der Gary Oldman den Maulwurf zu finden versucht, der im britischen Geheimdienst sitzt und Informationen an die Russen ausplaudert. Regisseur Tomas Alfredson scheint anzunehmen, einen spannenden Film gedreht zu haben, sonst hätte er ihn wohl anders geschnitten, arrangiert, adaptiert. Doch stattdessen: selbstverliebte Kamerafahrten und künstlich ausgefallene Perspektiven, artifiziell drapierte Ausstattung, geschwätzige Akteure, oberflächliche Figurenzeichnung - ein spannender Agentenfilm sieht anders aus.
Auch der Venedig-Stammgast Todd Solondz enttäuscht mit seiner neuen Arbeit "Dark Horse" um einen Mittdreißiger (Entdeckung: Jordan Gelber), der noch immer daheim bei den Eltern wohnt und aufgrund seines Übergewichts keine reelle Chance bei Frauen hat. Erst in Selma Blair findet er scheinbar eine Entsprechung, wenn auch eine recht absurde. Solondz zieht seine Geschichte um den schrulligen Protagonisten als Farce auf, kippt aber bald in Mitleidigkeit, weil er im weiteren Verlauf nur noch platte Gags parat hält, anstatt das volle Potenzial einer Auseinandersetzung mit dem 08/15-Dasein eines Durchschnittamerikaners zu nützen.
Ein leeres Leben führt auch der Anti-Held in Steve McQueens "Shame": Michael Fassbender spielt Brandon, einen wohlhabenden Junggesellen Mitte dreißig, dessen Leben von seiner Sexsucht bestimmt wird: Pornos, Nutten und permanente Triebbefriedigung hindern ihn an jeder ernsthaften Beziehung; wären einmal doch Gefühle im Spiel, versagt er im Bett. Als sich eines Tages auch noch seine selbstmordgefährdete Schwester (Carey Mulligan) bei ihm einquartiert, fühlt er sich nach ein paar Tagen so in der Falle, dass die Situation nur noch eskalieren kann. Die Befindlichkeit einer orientierungslosen Existenz einzufangen, gelingt McQueen dabei leider nur in Ansätzen. Zu viel wird hier ausgesprochen, in Dialogen und stilisierten Szenen auf dem Silbertablett serviert. Zu wenig wird dem Zuschauer zugemutet, dass er selbst etwas zwischen den Szenen herauslesen könnte.
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