• Artikel vom 09.01.2012, 16:49 Uhr

Film

Update: 09.01.2012, 18:22 Uhr
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Alexander Sokurov hat Goethes "Faust" verfilmt - in einer radikalen, aufwendigen Version

Typisch Mann, typisch Faust


Von Matthias Greuling und Alexandra Zawia
  • Der russische Regisseur im Gespräch über Goethe, Macht und Männlichkeit.

Faust (Johannes Zeiler, rechts) geht einen Pakt mit Mephisto (Anton Adasinsky) ein.

Faust (Johannes Zeiler, rechts) geht einen Pakt mit Mephisto (Anton Adasinsky) ein. Faust (Johannes Zeiler, rechts) geht einen Pakt mit Mephisto (Anton Adasinsky) ein.

Alexander Sokurov versteckt seine Augen hinter einer dunklen Brille. Das Augenlicht des russischen Regisseurs ist schwach, und dabei ist die Sehkraft die wichtigste Fähigkeit in seinem Beruf. Vielleicht liegt deshalb über vielen von Sokurovs Filmen dieser milchige Schleier, als wolle er seine trübe Weltsicht mit dem Publikum teilen. Sein neuer Film, eine lose Adaption von Goethes "Faust", ist der Abschluss seiner Tetralogie über gescheiterte Spieler, zu der auch Porträts von Lenin, Hitler und Hirohito gehören. Überall legt er, verankert in komplexer Mise-en-scène, einen Stil aus sich überlagernden Dialogen, Tönen, Bildern vor. Sokurov drehte "Faust" in deutscher Sprache, mit den Österreichern Johannes Zeiler (als Faust) und Georg Friedrich (als Wagner) in den Hauptrollen. Die "Wiener Zeitung" traf Sokurov zum Gespräch, kurz bevor ihm für "Faust" in Venedig der Goldene Löwe verliehen wurde. Die dunkle Brille behielt er auf.

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"Wiener Zeitung": Ist Goethes "Faust" für Sie eine zeitgemäße Geschichte?

Alexander Sokurow: Ich finde, wir dürfen nicht aufhören zu zweifeln. Man muss auch große Werke der Literatur in Frage stellen dürfen. Mir ging es darum, ob "Faust" noch zeitgemäß ist und ob uns die Geschichte noch etwas zu sagen hat. Welche Krisen muss man aushalten, um glücklich sein zu dürfen? Das wollte ich am Beispiel von "Faust" aufzeigen.

Ihre "Faust"-Adaption ist ziemlich radikal im Umgang mit der Vorlage - gerafft, neu interpretiert, sprachlich überarbeitet.

Ja, der Film ist radikal. Die Dreharbeiten dauerten zwei Jahre, viele Ideen musste ich verwerfen. Vielleicht wurde ich so immer radikaler, habe immer mehr Vorbehalte über Bord geworfen. Was übrig blieb, ist dieser "Faust". Der Film beschließt meine Reihe mit Filmen über Hitler, Lenin und Hirohito, die ich gerne alle zusammen gezeigt hätte. Aber das geht leider nicht.

Warum haben Sie als Russe den Film auf Deutsch gedreht?

Das geht gar nicht anders. Goethe muss auf Deutsch verfilmt werden.

Sie sprechen aber kein Deutsch. Wie merken Sie dann beim Dreh, ob Ihre Schauspieler gut sind?




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-09 16:14:08
Letzte Änderung am 2012-01-09 18:22:30


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