(az) Überschattet vom Rückzug des Hauptsponsors A1, startet das jährliche Festival in Graz am Dienstag mit dem Eröffnungsfilm "Spanien" und der Verleihung des Großen Diagonale Schauspielpreises an Johannes Silberschneider in die sechs Tage dauernde Werkschau heimischen Filmschaffens.
Mit einem Gesamtbudget von etwa 1,2 Millionen Euro fehlen dem Festival heuer rund 65.000 Euro an Geld- und Sachleistungen. Direktorin Barbara Pichler wisse nicht, in welcher Form sie die Filmschau 2013 noch realisieren können wird, "der Sparkurs wird sich nächstes Jahr voll auswirken", so Pichler. Bereits dieses Jahr habe man den Plan, einen Saal mehr zu bespielen, ad acta gelegt und auch neue geplante Programmpunkte gestrichen, obwohl "das Programm aus allen Nähten platzt".
Aus den 500 Einreichungen werden in den kommenden Tagen 131 Filme und Videos gezeigt, darunter 14 Dokumentarfilme, die den momentanen Trend im aktuellen österreichischen Kino weg vom rein fiktionalen Film affirmieren. Das heimische Spielfilmschaffen kreist aktuell stark um Charaktere scheinbar am Rand der Gesellschaft - ein Thema, das etwa Regisseur Umut Dag in seinem Langspielfilmdebüt "Kuma" gekonnt abwandelt, indem er die Lebenswelten der "Generation Migrationshintergrund" thematisiert. Ein schwieriges Anliegen verfolgt Sebastian Meise mit seinem Spielfilmdebüt "Stillleben", in dem er die Realitätsflucht einer Familie beobachtet, nachdem die pädophilen Neigungen des Vaters entdeckt wurden. Parallel zu den Dreharbeiten hat Meises Team den Dokumentarfilm "Outing" realisiert und darin einen jungen pädophilen Mann über Jahre hinweg begleitet. Seit seinem 15. Lebensjahr weiß der Protagonist von seiner Veranlagung, deren Ausleben er aber strikt verweigert. Ob jedoch die Grenzen, die er sich selbst steckt, ausreichen, gerät zur beklemmenden Grundfrage.
Wie jedes Jahr präsentiert das Festival ein dichtes Programm an Kurz- und Experimentalfilmen, darunter neue Arbeiten von Siegfried A. Fruhauf, Norbert Pfaffenbichler, Johannes Hammel, Josef Dabernig oder Ludwig Wüst.
Insgesamt fünf Kurzdokumentarfilmprogramme versammeln neue Arbeiten unter 60 Minuten Spielzeit, wie etwa "Das persische Krokodil" von Houchang Allahyari ("Bock for President"), das eine ungewöhnliche Auseinandersetzung zwischen ungleichen Rivalen zeigt: Zwei Wildfänger bemühen sich um die Rettung eines in einer Wasserzisterne gefangenen Krokodils, das die eigentlichen Helfer instinktiv als Bedrohung wahrnimmt. Um menschliche Retter geht es unter anderem auch in Nikolaus Geyrhalters neuem Dokumentarfilm "Donauspital", ein konzentrierter Blick auf das Wiener SMZ Ost und die Vorgänge im Inneren dieses Mikrokosmos.
Festival-Standards wie die Personale werden in gewohntem Umfang realisiert; heuer werden zwölf Arbeiten des österreichischen Autors, Kameramanns und Regisseurs Ferry Radax gezeigt. Als internationaler Gast ist dieses Jahr der israelische Filmemacher Avi Mograbi geladen, dessen filmische Beobachtungen und Kommentare zum israelisch-palästinensischen Konflikt in seiner Heimat kritisch diskutiert werden.
Das historische Spezialprogramm stellt den Regisseur, Kameramann und Schauspieler Charles Korvin in den Mittelpunkt; fortgesetzt wird auch die Reihe "Shooting Women - Weibliche Pioniere des österreichischen Films".
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