
Graz. Wie sich Leistungsdruck und Profitgier einer Gesellschaft auf den einzelnen Menschen auswirken können, thematisiert Hans Weingartner in seinem neuen Film "Die Summe meiner einzelnen Teile". Sein Protagonist Martin ist auf gewisse Weise zu sehr Mensch, um in einem unmenschlichen System bestehen zu können. Erst als Aussteiger findet er seinen Selbstwert wieder. Die Wiener Zeitung traf Weingartner zum Gespräch.
HHHHH
"Wiener Zeitung": Sie als sogenanntes funktionierendes Mitglied der Gesellschaft, in welche Einzelteile gliedern Sie sich?
Hans Weingartner: Das ist eine wirklich schwierige Frage. Darüber müsste ich einmal länger nachdenken. Auch wenn ich im Gespräch mit Ihnen versuche, so ehrlich wie möglich zu sein, bin ich zum einen der offizielle Hans Weingartner. Ich bin Hans, der Filmregisseur, der Drehbuchautor, dann bin ich der kleine Hans, der in mir steckt und der auch noch seine eigenen Vorstellungen hat vom Leben. Dann bin ich der animalische Hans, der raus will aus der Stadt und durch die Berge rennen will. Dann bin ich der ängstliche Hans, der nicht alleine sein will, dann der Hans, der Erfolg haben will, und ein andermal der Hans, der sich daraus überhaupt nichts macht und nur seine Ruhe haben will. Ich bin auch der Hans, der ganz toll sein will, ebenso wie der Hans, der einfach nur glücklich sein will. Die Summe all dessen gibt es noch gar nicht, muss ich sagen.

Ja, er scheitert daran, den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden. Etwa ein zuverlässiger Arbeitnehmer zu sein, der sich willig ausbeuten lässt und sein Leben und seine ganze Energie der Firma widmet. Er schafft es auch nicht, ein Martin zu sein, der dann auch noch den Ansprüchen seiner Freundin gerecht wird, immer gut drauf ist, seinen Körper pflegt und überhaupt toll funktioniert. Deswegen fällt er irgendwann aus dem System.
Er landet zwar auf der Straße, verweigert sich aber jeglichen "Hilfs"-Institiutionen...
Das ist ein bewusster Schritt von ihm. Er will keine Medikamente mehr nehmen, er will sich nicht mehr betreuen, verwandeln und verwalten lassen, sondern selbst herausfinden, wer er ist.
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