• vom 18.04.2012, 15:00 Uhr

Film

Update: 18.04.2012, 22:27 Uhr
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Michelle Williams über ihre Rolle als Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn"

"Meine Freundin Marilyn"


Von Matthias Greuling

  • Williams blickte für ihre Rolle hinter die Fassade des blonden Sexsymbols.

Schön sexy, aber auch fragil und unsicher - so interpretiert Michelle Williams Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn".

Schön sexy, aber auch fragil und unsicher - so interpretiert Michelle Williams Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn". Schön sexy, aber auch fragil und unsicher - so interpretiert Michelle Williams Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn".

Berlin. Ja, Michelle Williams kennt das Gefühl: dazustehen und nicht mehr weiter zu wissen. Keinen Anhaltspunkt zu finden, für eine Rolle, eine Figur, die man überzeugend darstellen soll, aber daran irgendwie scheitert. Und wie man dann doch, unter Preisgabe seiner intimsten inneren Spannungszustände, vor der Kamera besteht.

Vielleicht lag es an diesem Spannungsfeld, weshalb Williams’ Darstellung von Marilyn Monroe in "My Week with Marilyn" (ab Freitag im Kino) derart geglückt ist. Einen Golden Globe erhielt sie dafür, und eine Oscar-Nominierung.

"In unserem Beruf gibt es eine große Unsicherheit, die immer da ist. Man entkommt ihr nicht", sagt Williams beim Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Mit der Unsicherheit ist das wie mit der Luft zum Atmen: Die ist auch immer da. Niemals ist man sicher, ob man einer Rolle wirklich gewachsen ist. Das war bei Marilyn Monroe so, und das ist auch bei mir so. Aber Unsicherheit kann einem auch Kraft geben, Außergewöhnliches zu leisten."

Zerbrechlich wie die Monroe
Michelle Williams sagt das mit ganz leiser Stimme, man muss sich anstrengen, um alles zu verstehen. Der große Interview-Raum mit dem gedimmten gelben Licht verschluckt die zaghaften Töne der 30-Jährigen, die 20 Minuten zu spät zum Gespräch erscheint. "Entschuldigung", flüstert sie und wirkt dabei so zerbrechlich wie ihre Marilyn Monroe im Film.

Information

Das Schicksal der Monroe als blondes Sexsymbol, als Pin-up-Girl, das einst in jedem Matrosen-Spind hing, ist Williams bisher erspart geblieben. Dabei hat sie schon eine Weltkarriere hinter sich: Von 1998 bis 2003 spielte sie - neben Katie Holmes - in 128 Folgen die Hauptrolle in der Serie "Dawson’s Creek". Williams wurde weltbekannt, nicht aber als Sexsymbol. "Dawson’s Creek" war viel zu brav und züchtig; es ging um Liebe und Freundschaft.

Aus ihrer Popularität hat Williams später keine Blockbuster-Karriere gezimmert; keine Superheldenfilme, keine romantischen Komödien, dafür lieber Arthaus- und Independent-Filme. Mit ihrem 2008 verstorbenen Mann Heath Ledger spielte sie in "Brokeback Mountain", sie drehte einige spröde Dramen mit Kelly Reichardt, Charlie Kaufman oder Lukas Moodysson - allesamt Figuren aus der Kunst- und Festivalszene. Aus dem in Montana geborenen Mädchen ist kein Superstar geworden, sondern eine ernst zu nehmende Schauspielerin. Genau das, was Marilyn Monroe immer sein wollte.

"Ich habe Marilyn von frühester Jugend an verehrt, und über meinem Bett hing ein Poster von ihr. Ich sah sie nicht als Sexsymbol, sondern als junges Mädchen, das barfuß in der Sonne saß und fröhlich war", beschreibt Williams ihren Zugang zur Monroe. "Für mich gab es keine ikonografische Barriere zu überwinden, um Marilyn zu spielen. Sie wurde in der Vorbereitung eigentlich mehr eine Art Freundin für mich."

Sechs Monate hat sich Williams der Monroe angenähert, mit Drehbuchstudium und auch mit einer notwendigen Gewichtszunahme: "Leider nahm ich nur im Gesicht zu, nicht an den Hüften", sagt Williams. "Irgendwann war dann klar, dass ich Marilyn lieber im Gesicht und in ihren Bewegungen ähneln wollte, weniger aber in der Figur."

Die nackte Angst
Die Angst, Monroe zu spielen, wurde in der Vorbereitung aber nicht kleiner: "Ich hatte große Angst, solange ich dachte, den Erwartungen der anderen gerecht werden zu müssen. Jeder hat schließlich ein Bild von Marilyn im Kopf. Ich werde sicher nicht jedem gerecht. Ich muss es auch nicht. Die Angst war weg, sobald ich das kapiert hatte. Meine Marilyn musste nur dem Bild entsprechen, das ich selbst von ihr im Kopf hatte."

Und dieses Bild liegt offenbar näher an der Realität als all die oberflächliche Reduktion der Monroe auf das Sexsymbol. In "My Week with Marilyn" gibt es intime Einblicke hinter die Fassade des Stars, der seine Unsicherheit mit Allüren, Drogen und Alkohol betäubte. "Ich wünschte, ich könnte für immer Marilyn spielen", sagt Williams. "Wann kann man denn schon von sich sagen, dass man ein Geheimnis gelöst hat? Dass man diesen Menschen wirklich kennengelernt hat? Dieses Gefühl hatte ich bei Marilyn Monroe ganz stark."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-18 15:05:06
Letzte Änderung am 2012-04-18 22:27:12


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