
Wien.Die Österreicher und wie sie die Liebe sehen beeindruckte das Auswahlkomitee der 65. Filmfestspiele von Cannes derart, dass sie aus 1700 eingereichten Spielfilmen, erstmals gleich zwei österreichische Beiträge in den Hauptwettbewerb wählten: "Amour" von Michael Haneke und "Liebe" von Ulrich Seidl stehen von 16. bis 27. Mai mit 20 weiteren Filmen im Rennen um die Goldene Palme, darunter auch die neuen Arbeiten von Ken Loach, David Cronenberg, Jacques Audiard, Thomas Vinterberg, Christian Mungiu und Alain Resnais.
In "Amour" inszeniert Haneke, der bereits 2009 für "Das weiße Band" die Goldene Palme erhalten hatte, eine Bewährungsprobe für ein altes Musikprofessoren-Paar im Ruhestand. Als die Frau eines Tages einen Schlaganfall erleidet, wird die gesamte Familie in Mitleidenschaft gezogen. Für die österreichisch-französisch-deutsche Koproduktion standen Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert vor der Kamera.
Frauen auf Sextourismus
Mit "Liebe" schickt Ulrich Seidl den ersten Teil seiner "Paradies"-Trilogie ins Rennen, die er in Ausschnitten bereits bei der vergangenen Viennale vorgestellt hatte. Seidl, der 2001 für "Hundstage" beim Filmfestival in Venedig den Großen Preis der Jury erhielt, wirft hier einen Blick auf ältere europäische Frauen, die an den Stränden Kenias junge schwarze Männer für Liebesdienste aufgabeln. Die österreichisch-deutsch-französische Koproduktion mit Margarethe Tiesel in der Hauptrolle sowie Peter Kazungu und Dunja Sowinetz, erzählt, so Seidl selbst, "von Ausgebeuteten, die ihrerseits andere Ausgebeutete ausbeuten".
Alljährlich zeigt sich das Filmfestival in Cannes in einer perfekten Mischung aus Autoren-Kino und Staraufgebot. Zur insgesamt starken Konkurrenz im diesjährigen Hauptwettbewerb gehören unter anderem auch der Eröffnungsfilm, Wes Andersons "Moonrise Kingdom" mit Bruce Willis, Edward Norton und Bill Murray, "Killing Them Softly" von Andrew Dominik mit Brad Pitt oder die Jack-Kerouac-Adaption "On The Road" von Walter Salles mit Kirsten Dunst, Kristen Stewart, Sam Riley und Viggo Mortensen.
Zum Abschluss des Festivals wird in diesem Jahr der letzte Film des kürzlich verstorbenen Regisseurs Claude Miller, "Therese D." mit Audrey Tautou, gezeigt. Die Wettbewerbs-Jury steht heuer unter dem Vorsitz des italienischen Regisseurs und Schauspielers Nanni Moretti, der Jury der renommierten Nebenschiene Un Certain Regard sitzt der Schauspieler Tim Roth vor, der dort unter anderem das Spielfilmdebüt "Antiviral" von David Cronenbergs Sohn Brandon bewerten wird.
Traditionell fungiert Cannes auch als eine Promotionsplattform für neue Hollywoodproduktionen, dieses Jahr etwa "Madagascar 3: Europes Most Wanted", mit den Sprechern Ben Stiller, Jada Pinkett-Smith und Chris Rock.
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