
Es war ein schöner Frühlingstag, als die Diva in ihrer Pariser Wohnung starb. Seit Jahren hatte Marlene Dietrich völlig zurückgezogen in ihrem Appartement in der Avenue Montaigne unweit der Seine gelebt. Am 6. Mai 1992 ging die Meldung vom Tod der schon zu Lebzeiten zum Mythos gewordenen Schauspielerin um die Welt. Sie starb im Alter von 90 Jahren - umgeben von Fotos ihrer Freunde, wie ihr Enkel Pierre Riva damals erzählte. Wenn sich an diesem Sonntag "Marlenes" Todestag zum 20. Mal jährt, werden die Fans zu ihrem Grab auf dem Städtischen Friedhof in der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau pilgern.
Wie es ihr letzter Wunsch war, wurde "die Dietrich" in weißer Seidenbluse und schwarzer Hose und Jacke in den Sarg gelegt. Der schlichte Grabstein der Maria Magdalena Sieber, geborene Dietrich, trägt nur ihren Schriftzug "Marlene" mit den Lebensdaten und das von ihr ausgesuchte Zitat "Hier steh ich an den Marken meiner Tage" des Dichters Theodor Körner. Nur wenige Meter von Dietrichs Grabstätte entfernt ist auch das Grab ihrer 1945 gestorbenen Mutter.
Wer heute etwas vom Glanz und Glamour dieses vielleicht einzigen deutschen Weltstars sehen will, kann Teile des umfangreichen Dietrich-Nachlasses im Berliner Museum für Film und Fernsehen besichtigen. Zur Marlene-Dietrich-Collection gehören rund 3000 Filmkostüme und private Kleidungsstücke, 400 Hüte sowie 130 Überseekoffer, Hutschachteln und Kosmetikkoffer. Die Schauspielerin hinterließ allein 16.500 Fotos und 45.000 Blatt Korrespondenz.
Am 27. Dezember 1901 in Berlin-Schöneberg geboren, galt "die Dietrich" jahrzehntelang als Symbol lasziver Weiblichkeit und kühler Verführung. 1929 war sie mit dem Film "Der Blaue Engel" von Joseph von Sternberg auf einen Schlag weltberühmt geworden. Darin singt sie das Lied: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Zu ihren erfolgreichsten Filmen zählten "Herzen in Flammen" (1930), "Shanghai-Express" (1931) und "Der große Bluff" (1939).
1939 nahm Marlene Dietrich, die 1929 mit von Sternberg nach Hollywood gegangen war, die US-Staatsbürgerschaft an. Während des Krieges sang der Star in amerikanischer Uniform vor US-Soldaten an der Front. Als Gegnerin des Nationalsozialismus lehnte sie Filmangebote der Nazis konsequent ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte sie große Charakterrollen, etwa in "Eine auswärtige Affäre" (1947/48) und "Zeugin der Anklage" (1957).
Später startete sie eine zweite Karriere als Sängerin. Mit rauchiger Stimme sang sie Lieder wie "Sag mir wo die Blumen sind". In den 60er und 70er Jahren zog sich Marlene Dietrich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und ließ sich nie mehr fotografieren: "Man hat mich zu Tode fotografiert", sagte sie.
Auf die Frage, ob sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen könne, antwortete "die Dietrich" im berühmt gewordenen Filmgespräch mit Maximilian Schell auf ihre schnoddrig-berlinische Art: "So ein Quatsch, fürchterlich. Da kann man doch nicht dran glauben, dass die alle rumfliegen da oben, gibt's ja nicht." Doch "Der Blaue Engel" lebt weiter.
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