
Man nehme eine kleine Videokamera und richte sie auf das Brautpaar, das dem größten Tag seines Lebens entgegenfiebert. Man filmt die Vorbereitungen mit der Anprobe der Hochzeitsrobe, mit den aufgeregten Eltern und der noch aufgeregteren Braut. Den Polterabend, bei dem sich der Gatte in spe eine Stripperin kommen lässt und am nächsten Morgen nicht mehr weiß, warum diese in seinem Bett gelandet ist. Die kleinen Geheimnisse über den Ex-Freund der heiratswilligen Frau, der als Porno-Darsteller arbeitet und daher unbedingt vor ihrem zukünftigen Mann geheim gehalten werden muss. Die Verwandten und Bekannten, die sich rausgeputzt haben für die Trauung, bei der dann doch alles schiefgeht, woran die aufkommenden Zweifel der Braut schuld sind. Fertig ist "Das Hochzeitsvideo", die neue Komödie von Sönke Wortmann ("Die Päpstin", "Der bewegte Mann"), die diesen Freitag in den Kinos anläuft und dank ihrer Machart als "Homevideo" einen frischen Zugang auf das Thema Heiraten wirft.
"Die Idee war, einen Film in Stile von The Blair Witch Project zu drehen, aber eben in einem anderen Genre, nämlich als Komödie", erzählt Sönke Wortmann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", der die Inspiration zur Geschichte bei einem stundenlangen Spaziergang an der Nordsee fand. "Ich habe sehr gerne geheiratet und mochte all die Rituale rund um die Hochzeit. Ich bin ein großer Fan der Liebe", sagt Wortmann. "In den 70ern zum Beispiel war das Heiraten geradezu verpönt. Heute wird im Unterschied zu damals wieder sehr gerne geheiratet." Weshalb sich der Regisseur für "Das Hochzeitsvideo" auch eine entsprechend große Zielgruppe erhofft.

Im Film zeigt Wortmann mit Pia (Lisa Bitter) und Sebastian (Marian Kindermann) ein frisch verliebtes Paar, das schon nach sechs Monaten vor dem Traualter landet. "Eine sehr nahe Verwandte von mir hatte auch schon nach nur einem halben Jahr ihren Freund geheiratet und ist bis heute mit ihm zusammen. Im Film fällt der Satz: Wenn du heiratest, dann tue es schnell, sonst wird es nichts mehr. Ich glaube, da ist durchaus was dran", sagt Wortmann.
Handkamera am Traualtar
"Das Hochzeitsvideo" ist stilistisch stets aus der Perspektive zweier Freunde des Brautpaares erzählt, die mit ihrer Videokamera immer und überall dabei sind. "Wir wollten authentisch wirken, daher haben wir uns für den Wackelkameralook entschieden", so Wortmann. "Jedoch stammt keine einzige Szene tatsächlich von den Schauspielern. Unser Kameramann hat professionelle Hand angelegt."
Die temporeiche Komödie verfehlt die Stimmung eines Hochzeitsvideos aber auch deshalb nicht, weil Wortmann großen Wert darauf legte, unbekannte Schauspieler zu besetzen. "Ich wollte frische Gesichter. Das ist generell wichtig, denn ich finde, in Deutschland spielen zu oft dieselben Leute in Filmen mit. Die haben zwar Qualität, aber es braucht auch frisches Blut."
Dieses fand Wortmann am Theater, wo er seine Hauptdarsteller Lisa Bitter und Marian Kindermann fand. "Fast das gesamte Ensemble kommt vom Theater. Diese Schauspieler können längere Szenen in einem Satz durchspielen, weil sie das von der Bühne gewohnt sind. Vor allem Lisa Bitter hat echtes Starpotenzial, das man nicht erlernen kann", sagt Wortmann. Als einziger "Promi" taucht im Film Popsänger Sasha auf, der in etlichen Szenen mit Michael "Bully" Herbig verwechselt wird. Ein netter Running Gag, der sich durch den Film zieht.
"Das Hochzeitsvideo" ist für Sönke Wortmann eine Art der Sehnsuchtsaufarbeitung eigener Erfahrungen. "Auch bei meiner Hochzeit hat jemand mitgefilmt, aber das Material habe ich bis heute nicht gesehen." Doch er hat Hoffnung: "Vielleicht bekomme ich es ja zu meinem bevorstehenden zehnten Hochzeitstag geschenkt."
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