• vom 22.05.2012, 19:29 Uhr

Film

Update: 22.05.2012, 19:31 Uhr
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"Haus der Sünde"

Hip-Hop im Nobelbordell


Von Matthias Greuling

  • Bertrand Bonello über sein erotisches Belle-Epoque-Drama.
  • Regisseur inspiriert seine Darsteller mit Musik anstatt mit Worten.

Plüschige Ménage à trois: Samira (Hafsia Herzi) bedient die Kundschaft.

Plüschige Ménage à trois: Samira (Hafsia Herzi) bedient die Kundschaft.© Les Films du Lendemain Plüschige Ménage à trois: Samira (Hafsia Herzi) bedient die Kundschaft.© Les Films du Lendemain

Paris.Die Hure als Obsession, als Lustbringer, als Liebesobjekt, als ausgebeutete Frau: Regisseur Bertrand Bonello geht in seinem neuen Film "Haus der Sünde" (ab Freitag im Kino) all diesen Attributen auf den Grund, indem er die Zustände in und um ein Pariser Nobelbordell schildert, das Anfang des 20. Jahrhunderts die (männlich dominierte) Gesellschaft widerspiegelt. Doch hinter den Kulissen des Sex- und Liebesgeschäfts leben auch die Prostituierten ihren Alltag zwischen Lust, Frust und Schmerz. Die "Wiener Zeitung" traf den Regisseur des erotischen und opulenten Belle-Epoque-Dramas in Paris zum Gespräch.

*********

"Wiener Zeitung":Sie zeigen den Alltag von Prostituierten vor 100 Jahren. Wie haben Sie diesen Alltag rekonstruiert?

Bertrand Bonello: Der Film besteht aus zwei Teilen: einem dokumentarischen und einem eher romanesken, doch diese Teile verfließen ineinander und bereichern sich gegenseitig. Im dokumentarischen Teil wollte ich die Details sehr genau beschreiben: Wann stehen die Mädchen auf, wie schlafen sie, wie waschen sie sich, wie essen sie und so weiter. Man hat ja bei Kostümfilmen immer die Angst, ins Museum oder ins Theater versetzt zu werden, und dem trete ich entgegen, indem ich mich für scheinbar lächerliche Kleinigkeiten interessiere. Erst durch diese Details wird eine Geschichte lebendig.

Ein wiederkehrendes Thema in Ihren Arbeiten ist die Verbindung von Sex und Gewalt. Die gibt es auch in "Haus der Sünde", wenn einer der Prostituierten ein ewiges Lachen ins Gesicht geschnitzt wird. Warum ist Ihnen das wichtig?

Gewalt muss manchmal gezeigt werden, um als Zuschauer nachempfinden zu können, was das Opfer empfindet. Ich habe den Eindruck, dass bei vielen Filmen Gewalt sogar ausgeklammert oder vernachlässigt wird. Doch das ist eigentlich scheinheilig.

In Kombination mit Sex ist Gewalt ein heikles Thema, weil da auch immer Misshandlung mitschwingt.

Die Welt ist heute eine andere. Prostituierte sind es auch. Ich will nicht sagen, es ist besser oder schlechter geworden, aber es hat sich grundlegend verändert. Zur Gewalt: Es gibt Szenen präziser Gewalt, etwa von Misshandlungen, aber es gibt hier auch die Ebene der unterschwelligen Gewalt, die sich durch den ganzen Film zieht. Sie liegt unter dem Luxus der Schönheit verborgen, doch das muss man zeigen, wenn man nicht am Thema vorbeigehen will. Teils koexistieren Gewalt und Sinnlichkeit, es ist ein Film der Gegensätze. Tag und Nacht, Rohheit und Weichheit, Reichtum und Armut. Nur aufgrund dieser Kontraste wird der Film dem Thema gerecht.




Schlagwörter

Bertrand Bonello, Film

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-22 16:29:06
Letzte Änderung am 2012-05-22 19:31:38


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