Der österreichische Filmemacher Michael Haneke hat am Sonntagabend seine zweite Goldene Palme gewonnen. Bei den 65. Filmfestspielen in Cannes entschied sich die Jury unter dem Italiener Nanni Moretti für "Amour", einen berührenden und zärtlichen Film über das Sterben im Alter.
Vor drei Jahren war Haneke bereits für seinen vorherigen Film "Das weiße Band" mit dem Hauptpreis der bedeutendsten Filmfestspiele der Welt ausgezeichnet worden. Insgesamt waren seit 16. Mai 22 Filme im Wettbewerb vorgestellt worden.
Der zweite österreichische Film, "Paradies: Liebe" von Ulrich Seidl, war zu Beginn des Festivals kontrovers aufgenommen worden und ging bei der Preisverleihung leer aus.
Den großen Preis der Jury erhielt der italienische Filmemacher Matteo Garrone für seinen Film "Reality", den Regiepreis sicherte sich Carlos Reygadas für "Post tenebras lux".
Michael Haneke kam zur Entgegennahme seiner zweiten Goldenen Palme gemeinsam mit seinen beiden Hauptdarstellern Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant auf die Bühne, denen er besonders dankte. Sein Dank gehe auch an die Jury, an sein wunderbares Team, seine Produzenten und Geldgeber und vor allem an seine Frau, die ihn seit über 30 Jahren unterstütze. Sein Film sei auch die Illustration eines Versprechens, das sie einander gegeben hätten.
Riva sagte, dass das gemeinsame Drehen eines Films auch das miteinander Teilen von einem Stück Leben sei. Trintignant teilte den Preis gleich in sechs Viertel: Je eines gehe seiner Meinung nach an die Produzentin, an den Regisseur Haneke, den er als den besten lebenden Regisseur der Welt bezeichnete, seine beiden Kolleginnen Riva und Huppert, das ganze Team sowie an seine Ehefrau.
Produzent Veit Heiduschka sprach von einer Sensation und berichtete von einem "enormen Beifall" bei der Preisverleihung. Ob "Amour" nun einen ähnlichen Erfolgslauf starten werde wie vor drei Jahren "Das weiße Band", wagte Heiduschka nicht zu prophezeien. "Den Europäischen Filmpreis könnte ich mir vorstellen", meinte er vorsichtig. Haneke selbst habe angesichts der positiven Resonanz auf eine Auszeichnung gehofft, aber rechnen könne man mit so etwas nicht.
Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gratulierte zu einer "verdienten Auszeichnung" und konstatierte, dass man Nominierungen und Preise "keinesfalls irgendwann als alltäglich ansehen" dürfe.
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