
Cannes. In Michael Hanekes "Amour", der soeben mit der Goldenen Palme in Cannes prämiert wurde, feiert ein Großer des französischen Kinos seine - wie er betont - letztmalige Rückkehr auf die Leinwand: Jean-Louis Trintignant, geboren 1930, war seit 14 Jahren in keinem Kinofilm mehr zu sehen, doch für Hanekes präzise Schilderung der Mühsal des Alters macht Trintignant eine Ausnahme. Haneke, der den Part speziell für Trintignant geschrieben hatte, erzählt von einem alten Ehepaar (Trintignant und Emmanuelle Riva), das sich auf den Abschied vom Leben vorbereitet. Die "Wiener Zeitung" traf Trintignant in Cannes zum Gespräch.
Jean-Louis Trintignant: Michael Haneke erzählte mir von dieser Rolle, noch bevor er sie geschrieben hatte. Ich schätze Hanekes Filme sehr, deshalb war ich interessiert. Es gab aber einen Moment, in dem ich überlegte, den Film doch nicht zu drehen. Es ist so ein trauriges Thema, vielleicht sollte ich es lieber lassen. Außerdem ging es mir zu dem Zeitpunkt nicht besonders gut. Ich dachte sogar an Selbstmord. Dann sagte die Produzentin des Films: "Wenn du dich schon umbringen willst, dann mach es wenigstens erst nach dem Film. Nachher kannst du dich immer noch umbringen. Wenn du den Film nicht machst, wirst du es bereuen. Das hat mich überzeugt, und für zwei Monate habe ich mich völlig diesem Projekt überlassen. Jedoch habe ich mir auch wegen des Themas des Films Sorgen gemacht. Ich habe gefürchtet, dass es die Leute eher abschrecken wird, weil die meisten Menschen gehen ins Kino, um unterhalten zu werden und nicht, um nachzudenken.
Warum hatten Sie das Kino eigentlich aufgegeben?
Weil ich das Theater vermisste. Ich denke, dass ich besser auf der Bühne bin als im Film. Um einen Film zu machen, braucht man sehr viel Energie und dafür bin ich jetzt zu alt. Das Kino ist die komplexeste Kunstform, weil sie alle Künste vereint, vom Bild über die Musik bis zum Schauspiel. Ich glaube, wenn Shakespeare heute leben würde, wäre er wahrscheinlich Filmregisseur.
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