
Sergeant "Fatso" Judson, der Fleischhauer "Marty" und der dicke "Mermaid Man" aus SpongeBob sind mit dem Tod von Ernest Borgnine am vergangenen Sonntag (er starb an Nierenversagen) zu wertvollen Erinnerungsstücken geworden. An einen der größten Charakterdarsteller Hollywoods, einen wandelnden Widerspruch von äußerlicher Grobheit und innerer Feinfühligkeit, physischer Präsenz und emotionaler Zugänglichkeit, mit seinen Froschaugen, buschigen Augenbrauen, seiner klobigen Nase und dem Zahnlückenlachen, kurz: an einen "Riesen von einem Mann, mit einem Gesicht, das nur eine Mutter lieben kann", wie ihn eine seiner vier Ex-Frauen, Ethel Merman, beschrieb, die gloriose 32 Tage mit ihm verheiratet gewesen war.
Als Sohn italienischer Einwanderer hatte Ermes Effron Borgnino nach zehn Jahren Dienst bei der Marine mit 28 Jahren zu schauspielen begonnen, weil ihm "nichts Besseres eingefallen war", wie er später sagte. Er spielte gemeine, toughe Typen ebenso überzeugend wie ernsthafte und liebenswerte. Die Rolle, die ihm 1953 den internationalen Durchbruch verschaffte, war die des fiesen Sergeanten Fatso in Fred Zinnemanns vielfach ausgezeichnetem "Verdammt in alle Ewigkeit". Egal ob Raubein, Draufgänger, Soldat oder Revolverheld - Borgnine konnte alles glaubhaft spielen, und doch erhielt er seinen (einzigen) Oscar ausgerechnet für seine Rolle in "Marty" (1955), als scheuer Fleischer, der mit Mitte 30 noch bei seiner Mutter wohnt. Damals gewann er übrigens gegen ebenfalls Nominierte wie James Dean und Frank Sinatra. Es folgten Schurken-, Western- und Überlebensrollen in "Johnny Guitar" (1954), "Das dreckige Dutzend" (1967), "The Wild Bunch" (1969) und im Katastrophenspektakel "Die Höllenfahrt der Poseidon" (1972).
"Ich masturbiere viel"
Nebenbei arbeitete Borgnine auch im Fernsehen. In der zweifelhaften 80er-Jahre-Serie "Airwolfe" flog er etwa als Kriegsveteran und Stuntflieger Dominic Santini gegen alle Gesetze der Physik einen Überschallhubschrauber. Auch in einzelnen Episoden von Serien wie "J.A.G", "Emergency Room" oder als Stimme in "Pinky und der Brain" hatte Borgnine Auftritte; zuletzt in der Trickserie "SpongeBob".
Seine 1973 geschlossene und bis zum Tod anhaltende Ehe mit Tova Traesnaes machte Borgnine übrigens zusätzlich populär und reich: Sie vertrieb Schönheitsprodukte und setzte ihn in einem Werbespot als Erfolgsbeispiel ein: "Jeder denkt, dass ich ein Face Lift hatte", sagte er darin. "Dabei benutze ich nur die Produkte meiner Frau." In einer Talkshow vor vier Jahren verriet er einem entsetzten Publikum allerdings ein ganz anderes Geheimnis ewiger Jugend: "Ich masturbiere viel!"
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