• vom 17.07.2012, 16:28 Uhr

Film

  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Filmregisseur Igor Mirkovic zeigt mit seinem Film, wie Punkrock in Jugoslawien ankam

Nur Schund war etwas wert


Von Nada Andjelic

  • Vor 35 Jahren veränderte eine "neue Welle" Jugoslawien - bis heute.

"Ohne jegliche Absicht wurden wir zu Punks", sagt Davorin Bogovic von "Prljavo Kazaliste". - letscee

"Ohne jegliche Absicht wurden wir zu Punks", sagt Davorin Bogovic von "Prljavo Kazaliste". letscee

Wien. Zagreb 1977: Die "neue Welle" schwappte über das kommunistische Jugoslawien. Die Musikszene definierte sich und die Gesellschaft neu. Der Geist von Individualismus und Revolution beherrschte Zagreber Viertel und breitete sich bis nach Belgrad aus. "Das ist der Ort, an dem mein Kosmos entstand", meint Regisseur Igor Mirkovic über die spontanen Straßenpartys in seinem Dokumentarfilm "Lucky Kid" (Originaltitel: "Sretno dijete"). Die Punkrock-Welle rauscht immer noch in den Ohren ex-jugoslawischer Musikliebhaber, seit mehr als 35 Jahren.

Mirkovic’ Film wandert seit 2005 durch internationale Festivals, heuer war er beim "Let’s CEE"-Festival in Wien. "Sein ganz privates Universum" sei damals bei spontanen Zusammenkünften in den Cafés einer Zagreber Straße entstanden, erzählt der Regisseur. "Die Szene dehnte sich mit der Schnelligkeit des Universums selbst aus. Es ist eine Geschichte von großen Helden, als ich selbst noch klein war." Sein erstes Konzert besuchte er 1977. Es spielte eine Band aus Sarajevo - "Bijelo dugme" (Weißer Knopf). Bei ihren Hits singt heute noch jeder mit, ob alt oder jung. Die Band ist eine der wichtigsten der "neuen Welle". Viele bis heute berühmte Musiker waren Bandmitglieder. "Bis heute bin ich nicht geheilt", sagt Mirkovic über seine Sucht nach Rockkonzerten, die an diesem Abend entstand.

"Lucky Kid" zeigt die Entstehung der "neuen Welle" von Punkrock und ihre Auswirkungen auf Mirkovics Leben und eine ganze Gesellschaft. Es geht um eine Ära, von der sich einige vielleicht insgeheim wünschen, in ihr gelebt zu haben. In von ex-jugoslawischen Migranten besuchten Lokalen ist die Musik mehr als 30 Jahre später immer noch zu hören. Bosnische, kroatische, serbische Musiker spielen Punkrock in allen Pubs der Diaspora.

"Prljavo kazaliste" (Schmutziges Theater) war eine der ersten Bands. "Mehr schlecht als recht und ohne jegliche Absicht wurden wir zu Punks", erzählt Bandsänger Davorin Bogovic im Film. Im Grunde hätten sie bestehende, zu sanft klingende Lieder einfach schneller gespielt und kreischender gesungen. Die jungen Burschen lebten ihre Verrücktheiten aus, sagten ihre Meinung, waren laut und schufen so eine Bewegung. In der Tito-Ära, als Zucht und Ordnung gleich hinter kommunistischer Brüderlichkeit standen, war dies ein drastischer Umschwung. Die neue Jugend folgte nicht mehr Tito, sondern wilden Gitarrenklängen - bis heute.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-17 16:35:07


Beliebte Inhalte



Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

 Ray Manzarek im Juli 2012. -  EPA/Jan Dzban
  • Organist der legendären US-Rockband verstarb im Alter von 74 Jahren in Bayern.
  • weiter
  • Update vor 11 Min.

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Die Konkurrentinnen Adalgisa und Norma. - Salzburger Festspiele Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione...weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. - APAweb / EPA/JUSTIN LANE Jede Woche neu: ein aktuelles Bild aus der Welt der Kunst und Kultur. Falls Sie diesbezüglich Vorschläge haben, schicken Sie uns doch eine Mail.weiter




Werbung



Bis zum letzten Blutstüpfelchen

Mia (Jane Levy) wirft die Kettensäge an. - sony (fan) In den 1970er und frühen 1980er Jahren zog das Indie-Kino auch im Horror-Genre kräftig gegen die Tabus der US- Filmindustrie zu Felde... weiter




"Der große Gatsby": buntes Literaturkonfetti in einer opulenten 3D-Party

Hoffnung ist Schampus

Früher war eindeutig mehr Lametta: Nick (T. Maguire) und Jordan Baker (Elizabeth Debicki) tanzen bei Gatsby. - Warner Es ist ein verführerischer Text. Es gibt eine Theaterfassung des "Großen Gatsby", in der ein Schauspieler in einem Büro-Setting das ganze Buch... weiter




Neu im Kino

Von Ja- und Nein-Sagern

Werbe-Guru Rene Saavedra (Gael Garcia Bernal) weiß nicht, woran er glaubt - bis er beginnt, es anderen Leuten zu verkaufen. - Filmladen "No" ist der vierte Film des 36-jährigen chilenischen Regisseurs Pablo Larraín und der dritte in seiner Reihe von Filmen über die Ära des Diktators... weiter





Wilde Irrfahrt durch eine mittelalterlich-fantastische Welt voller Intrigen, Verrat, geschickt gesponnen und spannend erzählt

Game Of Thrones, Staffel 2

20130510DVD1 - - Es gibt Serien, denen geht schon in der ersten Staffel die Luft aus. Manchen auch erst in der zweiten. Und dann gibt es solche... weiter




Trittbrettfahrer von "Twilight", "Being Human" und Co

Wolfblood, Staffel 1

20130510DVD2 - - Diesmal stehen nicht die Vampire im Mittelpunkt, sondern ihre Gegner, die Werwölfe. Hier heißen sie allerdings Wolfsblüter... weiter




Öl ist dicker als Blut, das Motto der Ewings

Dallas, Staffel 1

20130510DVD4 - - Öl ist dicker als Blut, das war das Motto der Ewings, die uns in "Dallas" jahrelang das Intrigenspinnen lehrten.Nun kommt die nächste Generation... weiter



Quiz



Werbung