
Mehr Demokratie ist der Weg der Zukunft. Aber "kann" ein Volk Demokratie leben? Oder sucht jeder Bürger doch nur nach einem politischen Messias? Und was tun, wenn dieser Messias wieder nur ein Mensch ist? Machtgeil, verlogen, bestechlich - und verletzlich?
Es sind diese Fragen, die Christopher Nolans neuen "Batman"-Film "The Dark Knight Rises" auch gesellschaftspolitisch interessant machen. Unterstützt wird dies ganz aktuell durch die Reaktionen auf die erste negative Kritik zum Film, die auf der Website rottentomatoes.com diese Woche zu einem Eklat bedenklichen Ausmaßes geführt hat.
Aber von vorn: Es ist ein gelungenes, erschreckendes Bild, das Nolan in Weiterdrehung der "Batman"-Comics entwirft: Gotham City (aka New York und jede Stadt der Welt) - ist von Korruption durchsetzt, die Rechte sowie die Linke zeichnen sich durch falsche Frömmigkeit aus und Nolans Perspektive auf eine von "Law and Order" besessene Gesellschaft ist zynisch: Ein derartiges System ist zur Verrottung verdammt, wenn - und weil - es auf Lügen basiert.
Wütendes Volk
Die Wut, die ein solches System generiert, in einer Gesellschaft, die ausgerechnet von jenen angelogen wird, die in einer Demokratie in Machtpositionen gewählt werden, findet momentan nicht nur in der Griechenland-Situation oder den Occupy-Bewegungen Ausdruck. Fast überall ist "das Volk" wütend, so auch in Gotham.
"Einer von ihnen", der Gefängnisleiter Bane (Tom Hardy), mit einer seltsamen Kreuzung aus SM- und Gasmaske im Gesicht, insgesamt ein Verschnitt aus Sido, Hannibal Lecter und Darth Vader, ernennt sich da zum allmächtigen Führer. Mit Gewalt mobilisiert er die Massen und erringt seine Machtposition durch Terrormechanismen der Angst: Ein vollbesetztes, von ihm vermintes Stadion dient Nolan als eine pervertierte, provokante Twin-Towers-Allegorie; der Terrorist wird im Kampf gegen den guten, aber gefährlich desillusionierten Superhelden beinahe zum paradoxen Erlöser aus einer Dystopie, die er freilich durch eine andere Dystopie ersetzt: Bane etabliert eine fragwürdige Elite, eine "demokratische Diktatur", jeder Kritik enthoben, weil vom wütenden Volk, das in seiner Anarchie Erlösung vermutet, selbst getragen.
Dieser letzte Teil von Nolans "Batman"-Trilogie war - wie immer bei Adaptionen erfolgreicher Literatur- und Comic-Vorlagen der Fall - lange mit Spannung erwartet worden. Als Regisseur nimmt man es dann immer mit einer massiven Fan-Gemeinde auf, die wenig Gnade kennt, was ihre Erwartungsstandards betrifft. Und auch als Kritiker ist man mit ebendieser Fangemeinde konfrontiert. Nachdem der Film diese Woche in den ersten Vorführungen der internationalen Presse gezeigt worden war, trudelten zuerst auf der Internetseite rottentomatoes.com die Besprechungen ein. Die ersten Kritiker überschlugen sich mit Lob für Nolans Film, die Fans waren glücklich. Doch mit der Veröffentlichung der (bis dahin) einzigen negativen Rezension (von US-Kritiker Marshall Fine) am vergangenen Dienstag brach ein Sturm der Gewalt- und Morddrohungen gegen Fine los. "Woher nimmt ein Kritiker das Recht, Batman zu hinterfragen?", schrieb einer im Forum der Seite. "Jeder Kritiker, der diesen überragenden Film verreißt und es wagt, Batman zu kritisieren, soll für ewig brennen", äußerte sich ein anderer. Wurde man hier Zeuge einer Diktatur der Rezeption? Schwang sich da eine Fan-Gemeinde wie Bane unter Gewaltandrohung zur totalitären Elite auf?
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