Für die 65. Ausgabe und in seiner dritten Saison als künstlerischer Leiter des Locarno Film Festivals, setzt Oliver Père erneut auf eine möglichst ausgewogene Mischung aus Qualitätskino und einem Hauch von Glamour - ein Prinzip, mit dem er in den letzten Jahren sowohl Arthouse-Fans wie auch ein Mainstream-Publikum begeistern konnte. Eröffnet wird das Festival heute Abend mit "The Sweeney", ein Film von Nick Love, der auf einer britischen TV-Polizeiserie aus den 1970ern basiert.
"Das Festival ist ein Laboratorium der Ideen, ein Ort der Entdeckungen, aber auch eine Hommage an das Kino, an seine Geschichte und alle, die dazu beigetragen haben", umreißt Père seine Auffassung und installierte dieses Jahr die neue Programmschiene "Histoire(s) du cinéma", in dessen Rahmen etwa 50 restaurierte internationale Klassiker und Dokumentarfilme über das Filmschaffen gezeigt werden, darunter auch der österreichische Film "Kern" von Veronika Franz und Severin Fiala über den Schauspieler und Regisseur Peter Kern.
Vor allem in der Sektion "Piazza Grande" kommt unter Père das US-amerikanische Kino zu Ehren: Steven Soderbergh etwa wird auf dem 8000 Menschen fassenden Platz seinen neuen Film "Magic Mike" vorstellen; aber auch im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden sind junge unabhängige US-Filmemacher gut vertreten. Unter den 19 Filmen im Wettbewerb, darunter 13 Weltpremieren, finden sich dieses Jahr ebenfalls zwei österreichische Beiträge: "Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel sowie "Museum Hours" des Amerikaners Jem Cohen, der mit der Viennale produziert wurde.
Anlässlich ihres 50. Jubiläums ist der Viennale dieses Jahr in Locarno zudem eine Hommage gewidmet. Unter dem Titel "20 Little Films" werden die seit 1995 von Regisseuren wie David Lynch oder Jean-Luc Godard erstellten Viennale-Festival-Trailer gezeigt, darunter auch der letzte "kleine Film" des am vergangenen Sonntag verstorbenen Regisseurs Chris Marker.
Stars und Österreicher
In der Nebenschiene "Semaine de la Critique" ist Fritz Ofner mit seiner neuen Doku "Libya Hurra" zu Gast, und die große Klassiker-Retrospektive ist dieses Jahr Otto Preminger (1905-1986) gewidmet, der seinen ersten Film "Die große Liebe" noch in Österreich produzierte.
Um sich ihre Ehren-Leoparden und Excellence-Awards abzuholen, reisen unter anderem der Schauspieler Alain Delon und die britische Anti-Diva Charlotte Rampling sowie Ornella Muti nach Locarno, was vor allem auch die Sponsoren und die Glamour-Presse freut, auch wenn Muti schon im Vorfeld alle Interviews abgesagt hat. Mehr Mitteilungsbedürfnis bringt wohl Kylie Minouge mit, die mit dem französischen Regisseur Leos Carax (auf den ebenfalls ein Ehrenleopard wartet) seinen neuen Film "Holy Motors" vorstellen wird.
Aber auch der 85-jährige Sänger Harry Belafonte und der Schauspieler Gael García Bernal werden das Festival beehren und Belafonte sowie die Regisseure Johnnie To und Krysztof Zanussi erhalten Karrieren-Leoparden.
Dass Pères Glamour-Geschick sich auch heuer nicht mit seiner cinephilen Ader schlägt, scheint die Filmauswahl zu versprechen; dieses Jahr präsidiert der Goldene Palme-Gewinner Apichatpong Weerasethakul der Wettbewerbsjury. Er vergibt am 11. August den Goldenen Leoparden.
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