• vom 17.08.2012, 20:25 Uhr

Film

Update: 20.08.2012, 17:37 Uhr
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Die Filmstudios Universal und Paramount feiern 2012 ihr 100-jähriges Bestehen und suchen neue Wege

Was vom Glamour übrig blieb


Von Matthias Greuling

  • Studios feiern große Erfolge, sind aber wenig fit für die Zukunft.

"Sunset Boulevard": Gloria Swanson spielte Diva Norma Desmond zurück ins Rampenlicht.

"Sunset Boulevard": Gloria Swanson spielte Diva Norma Desmond zurück ins Rampenlicht.© © Bettmann/CORBIS "Sunset Boulevard": Gloria Swanson spielte Diva Norma Desmond zurück ins Rampenlicht.© © Bettmann/CORBIS

Für jemanden wie Norma Desmond gehen die Schranken bei der Einfahrt im Tor von Paramount Pictures schon automatisch hoch. Auch, weil die einstige Stummfilmdiva in Billy Wilders "Sunset Boulevard" (1950), gespielt vom tatsächlichen Stummfilmstar Gloria Swanson, eine gewisse Arroganz an den Tag legt: "Sagen Sie Ihren Kollegen, ohne mich hätten sie alle keinen Job. Denn ohne mich gäbe es Paramount Pictures nicht." Sie rauscht davon, am Steuer ihres Oldtimers sitzt ihr Butler Max von Mayerling, gespielt von Erich von Stroheim. Es geht zur legendären Halle 18, in der gerade DeMille dreht, von dem sich Norma Desmond die vage Hoffnung auf ein Comeback verspricht. "Comeback? I hate that word! It’s my return!", donnert sie.

Es gibt kaum einen anderen Film über Hollywood und seine Studios, der das Gefühl zwischen Schein und Sein, zwischen Höhenflug und Absturz besser einfing als "Sunset Boulevard". Vieles, was Wilder in seinem Noir-Sarkasmus damals über die Traumfabrik sagte, war schmerzlich - aber durch und durch wahr. Jede Szene geradezu überfrachtet mit Ikonen der (damals erst 50-jährigen) Filmgeschichte, und wer nicht tatsächlich darin vorkam, wie etwa Buster Keaton als Kartenspieler, der wurde in Wilders Dialogen bedacht. "Jemand wie Greta Garbo", heißt es da, "der braucht keine Dialoge."

Ort der Träume
und Despoten

Das Filmstudio als Ort der Träume, als Geburtsort von Geschichten, in denen ihre Akteure aufgingen, sich fallen ließen, später auf dem harten Boden der Realität landeten - "Sunset Boulevard" illustrierte das mit viel zynischem Humor, aber auch mit einer gewissen Verve gegenüber dem etablierten System: So hat Wilder die Drehbuchseiten nur häppchenweise den Zensurbehörden vorgelegt, um den damals geltenden Hays Code zu umschiffen, der Obszönität, Vulgarität und die Darstellung von Kriminalität eindämmen sollte.

Paramount Pictures schätzte sich letztlich glücklich, einen Film quasi über sich selbst im Repertoire zu haben. Schon immer wollte die Traumfabrik auch sich selbst reflektieren, und bis heute ist es eine Mythentreiberei, welche die Studios rund um den gloriosen Teil ihrer Vergangenheit zimmern und erfolgreich vermarkten.

2012 werden zwei dieser Studios 100 Jahre alt: 1912 wurden im Abstand von nur wenigen Tagen Universal Pictures und Paramount Pictures gegründet. Der Schwabe Carl Laemmle (Universal) und der Ungar Adolph Zukor (Paramount) hatten sich beide von der Magie der Nickelodeons, kleiner Groschenkinos, einfangen lassen und in diese neue Form der Unterhaltung investiert. Bald war ihnen klar, dass die kurzen Filmchen, die man gegen eine 5-Cent-Münze (Nickel) betrachten durfte, durchaus ausbaufähig waren: Wie schon Léon Gaumont im Jahr 1895 (der das älteste Filmstudio der Welt gründete), waren Laemmle und Zukor davon überzeugt, dass auch längere Filme beim Publikum Chancen hatten - solange es darin etwas sah, das es erstaunte. Der "Star" war geboren, ein Mechanismus, von dem die Filmwelt bis heute lebt und der die Menschen zu jenen Übermenschen formte, deretwegen man ins Kino strömte. Mit dem "Star System" kreierte man Leinwandgötter, bei denen es mehr um Image als um Schauspielkunst ging; notfalls schmierte man auch Zeugen, wenn sich einer der Stars bei Drogen, Alkohol oder Mädchen vergaß. Wichtig war das Glamour-Image. Denn es war die finanzielle Grundlage des Studiobetriebs.

Was blieb vom Mythos der Studios übrig? Universal und Paramount haben über die Jahrzehnte tonnenweise Filmgeschichte geschrieben, auch in der jüngeren Vergangenheit. Bei Universal liegen die Rechte an vielen Spielberg-Klassikern ("Der weiße Hai", "Jurassic Park"), hier entstanden "Dracula" und "Frankenstein". Bis heute gilt das Studio als Garant für effektgeladene Blockbuster-Unterhaltung. Bei Paramount spannt sich der Bogen von Cecil B. DeMilles "The Ten Commandments" (1923) über viele Filme von Jerry Lewis und Alfred Hitchcock bis hin zu "Indiana Jones" und "Star Trek". Unter Ex-Schauspieler und Studio-Boss Robert Evans entstanden Klassiker wie "Love Story", "Der Pate" oder "Chinatown" - ehe man in den 2000er Jahren ebenfalls komplett auf den Mainstream einschwenkte und etwa mit dem Kauf von Dreamworks seither auch beim Animationsfilm mitmischt.

Die einstigen Studios, die von ihren charismatischen, wagemutigen und zum Teil auch despotischen Studio-Bossen geleitet wurden, sind längst multinationalen Konzernen der Unterhaltungsindustrie gewichen. In ihnen spiegelt sich keine Handschrift mehr wie früher, als wenige über das Programm entschieden; heute sind es keine Bosse mehr, sondern "Studio Heads", kalkulierende Manager, die die Geschicke leiten; sie entscheiden nach Markt-Kriterien und Meinungsumfragen, nach harten Zahlen und scheinbar sicheren Optionen. Das hat die Profile der beiden Studios verwässert, hat ihre Filmware austauschbar gemacht - hat sie aber auch weniger risikoreich für ihre Hersteller positioniert. Die legendären Intros, die Weltkugel mit dem Universal-Schriftzug oder die kreisförmig drapierten Sterne beim Paramount-Berg, sie sind mittlerweile die einzigen Merkmale, die das Profil der Studios unterscheidet.




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Paramount

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-17 20:32:12
Letzte Änderung am 2012-08-20 17:37:34


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