Fernando Meirelles drehte seine lose an Arthur Schnitzlers "Reigen" angelehnte Geschichte (Drehbuch: Peter Morgan) in großen Teilen in Wien und versammelt vor seiner Kamera Stars wie Anthony Hopkins, Rachel Weisz, Jude Law, Ben Foster, Moritz Bleibtreu oder Johannes Krisch. Kunstvoll verwebt Meirelles neun amouröse Geschichten von Menschen rund um den Erdball, die jedoch alle zusammenhängen und in einer 360-Grad-Drehung wieder zu ihrem Ausgangspunkt nach Wien zurückkehren. Die "Wiener Zeitung" traf Meirelles zum Gespräch in Wien.
Fernando Meirelles: Der Film erzählt neun miteinander verbundene Geschichten, die uns aufzeigen, wie sehr die Welt miteinander zusammenhängt. Ich wollte zeigen, wie jede unserer Handlungen Konsequenzen für andere hat. Peter Morgan hat für sein Drehbuch ein paar Anleihen bei Schnitzler genommen, die filmische Struktur haben wir an Max Ophüls "La Ronde" angelehnt. "360" ist wie bei Schnitzler ein Kreis, der sich am Ende schließt. Der Film startet in Wien mit der Geschichte einer Prostituierten. Aber sonst gibt es kaum Parallelen. Vor ein paar Jahren noch hätte man eine Geschichte, die sich im Kreis dreht, ohne weiteres verfilmen können, doch heute ist das Publikum so schnell, dass es nach der dritten Episode sofort begreifen würde, wohin die Reise geht. Deshalb war es mir wichtig, den Kreislauf immer wieder zu durchbrechen und manchmal eine andere Richtung einzuschlagen.

In vielen ihrer Filme wenden Sie dieses Rezept an, dieses nonlineare, verschachtelte Erzählen. Wieso?
Ich mag Filme, die eine Textur haben, anstatt bloß eine lineare Geschichte zu erzählen. Ich liebe zum Beispiel die Filme von Robert Altman, die sich nicht allein um die Figuren, sondern um große Themen gedreht haben. Er war schon impressionistisch, wie er arbeitete. Anstatt nur einer Figur zu folgen, hat er oft mehrere Geschichten parallel entwickelt. Ich liebe das.
Macht Ihnen das Spaß, weil sie gerne Generelles sagen, wie in diesem Fall über die Liebe?
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