• vom 17.01.2013, 17:23 Uhr

Film

Update: 18.01.2013, 18:16 Uhr

Sundance

"Tue nicht, was du nicht willst"




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Zawia

  • Mit "Soldate Jeannette" läuft ein österreichischer Film in den Wettbewerben von Sundance und Rotterdam
  • "Soldate Jeannette" von Daniel Hoesl ist ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt.

"Brenna tuats guat": In "Soldate Jeannette" lodern die Flammen der Freiheit. - © European Film Conspiracy

"Brenna tuats guat": In "Soldate Jeannette" lodern die Flammen der Freiheit. © European Film Conspiracy

"Könnten wir unsere Kinder bitte mehr behandeln als wären wir Tiere?", fragt Daniel Hoesl, und er meint es ernst: "Tiere lassen ihre Kinder nicht einfach auf den Straßen verrecken." Klingt das naiv? Zu idealistisch? Und: Ist es falsch? "Viele haben es verlernt, einander wirklich die Hand zu reichen", meint Hoesl. "Das Geld hat Jesus als scheinbare Erlöserfigur abgelöst, Geld ist heute unsere Superreligion. Und vielleicht bin ich ein Utopist, aber ich glaube trotzdem an die Menschen."


Mit 30 Jahren bringt Daniel Hoesl seine Lebensphilosophie, "die mich automatisch zum gesellschaftlichen Eremiten macht" (Hoesl) auch in seiner kreativen Arbeit zum Ausdruck: In seinem ersten Langspielfilm "Soldate Jeannette" erzählt er vom Überlebenskampf zweier Frauen, die zwar nicht unmittelbar vom physischen Tod bedroht sind, aber dennoch Gefahr laufen, in einem Käfig zu verenden: Zum einen entledigt sich hier die wohlhabende Fanni (Johanna Orsini-Rosenberg), langsam aber entschlossen allen Reichtums (und der damit verbundenen angenehmen wie unangenehmen Gesellschaftsmechanismen) und heuert irgendwann für Kost und Logis auf einem Bauernhof im nördlichen Waldviertel an. Dort trifft sie auf die junge Anna (Christina Reichsthaler), der dieser Hof kein Idyll ist, sondern eine Dystopie, und die durch Fanni die Kraft findet, sich für ein neues Leben zu entscheiden.

Daniel Hoesl, Regisseur und ein wenig Punk.

Daniel Hoesl, Regisseur und ein wenig Punk.© Europ. Film Conspiracy Daniel Hoesl, Regisseur und ein wenig Punk.© Europ. Film Conspiracy

Mit einem "Mikrobudget" von 65.000 Euro haben Hoesl und sein Team aus Freunden und Bekannten, darunter Kameramann Gerald Kerkletz, diesen Film innerhalb von 14 Monaten fertiggestellt - nun darf er seine Weltpremiere im internationalen Wettbewerb des Filmfestivals in Sundance feiern (17. bis 27. Jänner) und anschließend auch beim Internationalen Filmfestival in Rotterdam im Haupt-Wettbewerb um den Tiger Award konkurrieren. Die Teilnahme an diesen beiden international bedeutendsten Filmfestivals für unabhängige Produktionen bedeutet für Hoesl natürlich einiges, hat er sich doch mit seinem Kollektiv "A European Fim Conspiracy" dem "kleinen Film" verschrieben und begreift seine Arbeitsweise als progressives Konzept, als eine Art Autopoiesis: "Was normalerweise durch die Gestaltung eines Drehbuchs versucht wird auszuschalten, zum Beispiel das Unberechenbare, wird bei unserer Arbeitsweise zum Potenzial", umreißt es Hoesl.

"Wir haben diesen Film ohne Drehbuch begonnen. Wir hatten keine Idee, keine Geschichte und demnach natürlich keine Moral, die wir erzählen wollten, geschweige denn eine Ahnung davon, wie der Film enden sollte." Am Anfang stand nämlich lediglich ein Saunabesuch mit Gerald Kerkletz, bei dem "wir uns überlegt haben, dass wir uns zwei Lieder suchen, die uns führen", erzählt Hoesl. "Soldier Jane" von Beck, zum Beispiel, in dem es heißt: "Don’t be afraid to take your heart out of the shell", aber auch die "Täuschung" von Schuberts Winterreise in der Interpretation von Christine Schäfer.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Sundance, Daniel Hoesl

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-01-17 17:26:06
Letzte Änderung am 2013-01-18 18:16:28



Filmkritik

Sex mit dem Wassermann

Die Unterwasser-Blase, in der sich die stumme Putzfrau Elisa (Sally Hawkins) befindet, besteht aus Liebemachen im randvoll gelaufenen Badezimmer... weiter




Wind River

Leid in Eis und Schnee

Ganz schön kalt ist vor allem der jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen) aus Florida, Jeremy Renner ist da härter im Nehmen. - © Thimfilm Was ist der 18-jährigen Frau, die zu Beginn von "Wind River" barfuß und im Vollmondschein durch eine nächtliche Schneelandschaft läuft... weiter




Filmkritik

Wie am Schnürchen

20180131Daniel - © APAweb / afp, Lars Niki Als wolle er die Oscar-Gerüchte noch weiter anheizen, verkündete Daniel Day-Lewis, dass es sich bei Reynolds Woodcock in "Der seidene Faden" um seine... weiter





Werbung



Kommentar

Nur auf Gefühle ist noch Verlass

Fakten haben sich zur Beschreibung und zum Verständnis der Welt zuletzt nicht also besonders zuverlässig erwiesen - vor allem seit es in der digitalen... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Es wird nie mehr wie es war"
  2. Das singt man nicht!
  3. Spiel dich – verkühl dich nicht!
  4. Hunde, Romy und Kurt Waldheim
  5. Knöcheltief im Klingonenblut
Meistkommentiert
  1. Armin Wolf klagt FPÖ wegen Facebook-Posting
  2. Die Drohkulissen
  3. "Frauen verstehe ich besser als Männer"
  4. Wortgefahr
  5. New York verklagt Weinstein

Am Donnerstag, 15. Februar 2018, ging die Eröffnung der 68. Berlinale über den roten Teppich. Zahlreiche Stars aus nah und fern waren mit dabei.

Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung