• vom 05.06.2013, 16:18 Uhr

Film

Update: 05.06.2013, 17:05 Uhr

Filmkritik

In einem schönen Land




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Zawia

  • 18 Jahre und ein bisschen leiser: Julie Delpy und Ethan Hawke in "Before Midnight"

Zwei Liebende im Dauerreden: Im Angesicht von Ruinen bauen sich Celine (Julie Delpy) und Jesse (Ethan Hawke) neu auf. - © Filmladen

Zwei Liebende im Dauerreden: Im Angesicht von Ruinen bauen sich Celine (Julie Delpy) und Jesse (Ethan Hawke) neu auf. © Filmladen

Richard Linklaters drei "Before"-Filme machen erst durch die persönliche Nachbetrachtung wirklich Sinn. Denn was bedeuten die Veränderungen schon, die Celine (Julie Delpy) und Jesse (Ethan Hawke) durchlebt haben, wenn man nicht selbst "dabei" war, als sie sich in "Before Sunrise" vor 18 Jahren zum ersten Mal trafen und diese spontane Nacht in Wien verbrachten? Wenn man sich darin nicht selbst erkannte, wie man sich plötzlich verliebte und aus einem einzigen Moment ein ganzes gemeinsames Leben floss - und man sich trotzdem lieber ans entlegene Ufer "rettete"? Erst neun Jahre später traf man einander zufällig in Paris wieder ("Before Sunset"), und die Kamera ließ Celine und Jesse genau dann allein, als unser aller Leben weiter ging.


Was würde es jemand anderem denn also schon bedeuten, dass diese beiden, die sich mittlerweile wie Freunde anfühlen (so sehr stehen sie auch für eine Generation) nun, in "Before Midnight", gerade mit dem Auto durch den Peloponnes fahren und die Zwillingstöchter am Rücksitz fragen: "Wann kommen endlich die Ruinen?" In diesem schönen Land zerstörter Träume werden Celine und Jesse bald ihre Beziehung neu aufzubauen versuchen, die über Alltagsfragen strauchelt. Soeben hat Jesse seinen Sohn verabschiedet, der bei der Mutter in Chicago wohnt. Mit Celine ist er im Griechenland-Urlaub bei Freunden. Als Jesse ihnen von seinem neuen Buch erzählt, sagt einer: "Ich hoffe, es wird nicht zu lang."

Keine Sorge, nichts wird gut
Es ist auch Regisseur Richard Linklater, der hier spricht und - ganz in seinem Bewusstsein als ästhetischer Populist, der er sein kann - damit jene beruhigt, die eventuell so sprunghaft und launisch seien wie Celine: "Keine Sorge, es wird unterhaltsam."

Die Unterhaltung ist immer schon das definierende Element in der Beziehung zwischen Celine und Jesse; dabei aber nicht etwa das Interesse, sich einander auf authentische oder gar individuelle Weise mitzuteilen, sondern vielmehr die Lust am verbalen Austausch allein, gleichsam als veräußerte Beziehungs-Weise. Linklater, Delpy und Hawke, die hier zum zweiten Mal gemeinsam das Drehbuch schrieben, machen daraus keinen Hehl. Alles an Celine und Jesse ist sichtbar und wird sofort ausgesprochen und auch Linklaters Regie ist weder subtil noch introspektiv. Für Jesse und Celine wirkt das längst wie ein Befreiungsschlag. Vor allem auch, weil sie ihr Dauerreden mittlerweile öfter auseinander driften lässt, besonders, wenn sie sich in geschlossenen Räumen befinden. Wie in dem Hotelzimmer etwa, das ihre Freunde für eine Nacht "ohne Kinder" für sie reservierten. Dort entspinnt sich ein Streit so voll mit all den Plattitüden, wie wir sie selbst oft genug verschossen haben und uns "im Kampf" an ihnen festhielten. Umso erstaunlicher, wie uns (und Celine und Jesse) die vorhersehbare Erkenntnis dann neu erwischt: Diesen Moment einer magischen Zufallsbegegnung kann man nicht festhalten. Man kann ihn auch nie wieder herstellen. Aber soll man es nicht trotzdem versuchen? Unbedingt, denn was wissen wir denn schon? Im Prinzip nichts, und das genügt doch.

Drama

Before Midnight, USA 2013

Regie: Richard Linklater. Mit: Ethan Hawke, Julie Delpy




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-06-05 16:23:06
Letzte Änderung am 2013-06-05 17:05:03



Filmkritik

Schneemann mit rosa Schal

Detective Hole (Michael Fassbender) tappt angesichts eines Mordes an einer jungen Frau zunächst im Dunklen. - © Universal Pictures Serienmörder haben sich zu einer Art Mythos entwickelt, in der Literatur wie im Kino oder Fernsehen. Bereits der erste deutsche Tonfilm von 1931 schuf... weiter




Filmkritik

Am Ende zählt die Freundschaft

Akkurate Darstellung: John McEnroe (Shia LaBeouf) und Björn Borg (Sverrir Gudnason) spielen das Match ihres Lebens. - © Filmladen Tennis als Therapie für die inneren Dämonen, das kann - wie bei vielen anderen Sportarten auch - als Ventil gut funktionieren... weiter




Happy End

Die bourgeoise Ego-Show

Was für eine Überraschung zum Lunch: Familie Laurent erblickt einige ungebetene Gäste. - © Filmladen Zum Auftakt ein hochformatiges Handyvideo von einem Hamster, der mit Tabletten vergiftet wird. Dann die Kranperspektive auf eine Baustelle in voller... weiter





Werbung



Kommentar

Trost bei Google und McDonald’s

Auf Google ist auch als Lebensstilorakel Verlass. Gibt man zum Beispiel den Begriff "Minirock" ein, wird man unter den ersten fünf Suchvorschlägen... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Minenfelder ohne Landkarte"
  2. Eine Familie schreibt Filmgeschichte
  3. "Fühle mich wie ein Partisan"
  4. Dem Menschsein verfallen
  5. "Das ist es, wofür ich stehe"
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Die Ära des geilen Mannes
  4. Schönheitskönigin
  5. "Das ist es, wofür ich stehe"

Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung