• vom 07.02.2014, 18:02 Uhr

Film

Update: 19.02.2015, 16:27 Uhr

Interview

"Ich bekomme keine Gratis-Donuts"




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Von Matthias Greuling aus Berlin

  • Bei der Berlinale macht Bradley Cooper Werbung für "American Hustle".

Doch keine Perücke: Bradley Cooper mit dunkler Lockenpracht in "American Hustle".

Doch keine Perücke: Bradley Cooper mit dunkler Lockenpracht in "American Hustle".© ap Doch keine Perücke: Bradley Cooper mit dunkler Lockenpracht in "American Hustle".© ap

Berlin. Mit den drei "Hangover"-Kinofilmen wurde er zum Star, und für seine Rolle als lockiger FBI-Agent Richie DiMaso in der Gangster-Komödie "American Hustle" (ab Freitag im Kino), in der ein Betrüger-Paar (Christian Bale, Amy Adams) mit dem FBI kooperiert, um seine eigene Haut zu retten, ist er für einen Oscar in der Kategorie Bester Nebendarsteller nominiert. Bradley Cooper, 39, hat es in Hollywood geschafft, und das, obwohl er bei seinem Karrierestart mit 25 einer der Spätzünder im Business war. Mit der "Wiener Zeitung" sprach Cooper am Rande der Berlinale.


"Wiener Zeitung": "American Hustle" eilt von Preis zu Preis. Als Krönung winken zehn mögliche Oscars am 2. März. Ist so ein Erfolg planbar?

Bradley Cooper: Wir wussten bis zur ersten erschienenen Filmkritik nicht, wie der Film ankommen würde. Filme, die heute populär sind, können morgen schon vergessen sein.

Nicht vergessen wird man Ihre Lockenpracht im Film.

Meine Mutter ist Italienerin, ich bin in einer typisch italienischen Familie groß geworden. Alle hatten dunkle Haare, und als ich nun die Rolle in "American Hustle" übernahm, in der ich dunkle Locken hatte, war das wirklich großartig! Wir hatten zunächst eine Menge Perücken probiert, aber das sah lächerlich aus. Ich habe davon ein Foto auf meinem Handy. Ich glaube, man sieht in dem Film, dass wir Spaß hatten.

Auch bei den drei "Hangover"-Filmen hatte man den Eindruck, das machte Spaß.

Ich nahm die "Hangover"-Filme immer sehr ernst, auch wenn es Komödien sind. Das muss man, um einer Figur Glaubhaftigkeit zu geben. Ich hatte als Schauspieler auch niemals einen Plan B. Ich wäre total aufgeschmissen gewesen, wenn es mit dem Schauspielen nicht geklappt hätte.

Sind die Oscars für Sie mehr eine künstlerische Auszeichnung oder eine Marketing-Maßnahme?

Die Oscars sind für Künstler eine große Ehre. Als ich von meiner Nominierung erfuhr, war ich richtig erleichtert, aber weniger aus Ehrgeiz, sondern weil ich unbedingt dabei sein wollte, wenn die ganze Truppe bei den Oscars auftaucht. Aber es gibt natürlich wirtschaftliche Aspekte: Für einen Film wie "American Hustle" sind zehn Nominierungen toll, weil er dann länger in den Kinos gehalten wird. Das ist bei einem Film wie diesem nicht selbstverständlich. Als ich ein Kind war, wohnten wir neben einem Kino - und damals blieben manche Filme sechs Monate im Programm! Diese Tage sind definitiv vorbei.

In "American Hustle" sieht alles elegant und spontan gespielt aus - wie kreiert man diese Leichtigkeit?

Ich würde sagen: Es ist vorbereitete Spontaneität. Als Schauspieler bin ich nicht ständig in meiner Figur, sondern lasse mich reinfallen, sobald "Action" gerufen wird. Für mich gilt, was James Cagney sagte: "Sag, was du meinst, und meine, was du sagst." Ich sehe in den Rollen immer echte Menschen, keine Fantasieprodukte.

Eine Franchise wie "Hangover" hat den Vorteil, sich eine Figur nur einmal aneignen zu müssen, und dann kann man immer wieder auf sie zurückgreifen, oder?

Der Vorteil ist: Wenn man Sequels macht, dann hat man auch als Filmteam schon etliches zusammen erlebt. Wenn im Script eines Films steht: "Kannst du dich noch erinnern, als wir damals . . .", dann muss man sich diese Erinnerung nicht erst ausdenken. Wenn es bei "Hangover" hieß: "Wisst ihr noch, als wir in Vegas waren?", dann wussten wir Schauspieler das wirklich, denn wir waren ja in Vegas! (lacht)

Sie haben zugenommen.

Bis zum Oscar muss ich noch weitere zehn Kilo zunehmen, weil ich in einem neuen Film spiele, in dem die Hauptfigur etwas mehr auf den Rippen hat.

In einem Monat zehn Kilo zunehmen? Wie geht das denn?

Ich esse derzeit unglaublich viel. Ich muss pro Tag rund 5000 Kalorien zu mir nehmen, um dieses Gewicht zu erreichen. Außerdem trainiere ich auch, denn der Typ, den ich spiele, war nicht fett, sondern einfach eine stattliche Erscheinung.

Denken Sie, Ihr Beruf ist es wert, Ihren Körper dafür so zu schinden?

Im Fall dieses anstehenden Films gab es für mich keine Alternative. Denn um diesen starken, gut genährten Mann zu verkörpern, der tatsächlich existiert, hätte ich mir nicht vorstellen können, dieses Gewicht zu faken. Es gibt einem einen anderes Körpergefühl. Im Übrigen fühle ich mich mit mehr Gewicht richtig wohl.

Sie brauchen dann aber auch jede Menge neue Kleidung.

Das stimmt.

Bezahlt das die Filmfirma?

Nein, leider nicht. Aber das werde ich mit denen besprechen, danke für die gute Idee!

Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Das wusste ich schon als Kind. Ich habe nur nichts dafür getan, bis ich aus dem College war. Für mich war das sehr gut, zunächst eine Schule abzuschließen, aber jeder ist da anders. Für Leonardo DiCaprio war es sicher toll, dass er sehr früh angefangen hat.

Sie sollen ja einmal Leonardo DiCaprios Kofferträger gewesen sein.

Ja, das ist richtig. Ich arbeitete als Door Man bei einem New Yorker Hotel und musste einmal Leonardos Gepäck auf sein Zimmer bringen. Aber als ich ihn später wiedertraf, konnte er sich nicht mehr an mich erinnern. (lacht)

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-07 16:26:05
Letzte ─nderung am 2015-02-19 16:27:12



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