• vom 08.02.2014, 19:11 Uhr

Film

Update: 08.02.2014, 19:30 Uhr

Berlinale

Schmerz und Schande




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Von Alexandra Zawia, Berlin

  • George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman und Jean Dujardin stellten in Berlin ihren Film "The Monuments Men" vor. In einer Pressekonferenz voller Peinlichkeiten.

Wie immer ist es ein Gewimmel und ein Gewühl und ein Geschrei und ein Gekreische, wenn er zugegen ist: George Clooney - who else - bringt doch jedes Mal wieder zumindest einen Journalisten während einer Festival Pressekonferenz an das Äußerste des für andere Ertragbaren.

In Venedig strippte mal einer bis zur Unterhose und schrie: "Heirate mich!" – Ein anderes Mal, lief eine Kollegin während ihrer Frage nach vorne, um ihn mit ihrem Parfum zu besprühen, und nein, das ist alles nicht erfunden. Nicht viel anders also auch bei dieser Berlinale, nur waren es diesmal gleich mehrere Kollegen, die Fragen direkt aus der Hölle stellten, aber dazu gleich: Clooney war gekommen, um seinen neuen Film "The Monuments Men" vorzustellen, in dem er sich als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor selbst natürlich mit der Hauptrolle bedacht hat, und das dürfte wohl noch die beste Entscheidung gewesen sein, die er im Rahmen dieses Projekts getroffen hat.


Ein leidlich daneben geratener Film
Der Film selbst ist nämlich leidlich daneben geraten, daran ändern auch Clooney Co-Darsteller Matt Damon, Bill Murray, John Goodman und Jean Dujardin – alle ebenfalls in die deutsche Hauptstadt mitgekommen – nichts.

Dabei könnte man aus der Vorlage von Robert M. Edsel, der die wahre Geschichte der Monuments Men erzählt, also jener seltsamen Sturmtruppe aus Kunsthistorikern, Museumsleuten, Restauratoren und Architekten, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs tausende Kunstwerke vor den Bomben und den Raubzügen der Nazis retteten, durchaus einen guten Kriegsfilm machen, ein Roadmovie quer durch Europa, eine Schatzsucher-Saga, eine Kumpel-Komödie, einen Kunstkrimi und warum nicht alles zusammen?

Clooney aber entscheidet sich für pädagogisch-wertvolle Didaktik: Fein säuberlich in Geschichtsbuchkapitel gegliedert geht es für die siebenköpfige Truppe (in Wahrheit hatten sie Hunderte Helfer) in Richtung Südwesten, um diverse Kunst zu retten: Von Paris (Jeu de Paume) über Belgien (Genter Altar, Michelangelos Madonna in Brügge) und Deutschland (die Bergwerke von Siegen, Merkers, Heilbronn mit Kunstschätzen, Goldbarren und einer Tonne voller KZ-Opfer-Goldzähne) bis nach Altaussee in Österreich.

Das Ergebnis und die Überzeugung
"Ich fand die Story einfach toll. Wir wollten etwas Unzynisches machen, wie etwas, das wir in unserer Jugend geliebt haben", sagt Clooney in Berlin, und das auf gar keine dumme Frage. Aber ganz ehrlich hat man das Gefühl, auch er selbst ist nicht so wirklich überzeugt von dem Ergebnis und es fehlt ihm so ein bisschen der Erklärungsgrund für das Warum und Wieso. Eine deutsche Kollegin formuliert dies viel profunder, zu profund wie sich herausstellt, denn Clooney antwortet noch einmal: "Nazi-Geschichten ziehen in Hollywood eben immer noch gut."

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Dokument erstellt am 2014-02-08 19:14:45
Letzte ─nderung am 2014-02-08 19:30:02



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