• vom 11.02.2014, 17:26 Uhr

Film

Update: 11.02.2014, 17:38 Uhr

Halbzeitbilanz

Recht ist wenig, schlecht ist viel




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Von Alexandra Zawia, Berlin

  • Zur Halbzeit überzeugt der Berlinale-Wettbewerb eher nicht.

Die Hälfte der Berlinale ist bereits geschafft – und leicht gerädert fühlt man sich tatsächlich. Denn nach einem passabel glanzvollen Auftakt mit Wes Andersons GRAND BUDAPEST HOTEL, ging es im Wettbewerbsprogramm ernüchternd unaufregend weiter: George Clooneys MONUMENTS MEN (lief außer Konkurrenz) war ein heilloses, zielloses und wenig amüsantes Durcheinander, das allzu offensichtlich der bequemen Prämisse "Nazi-Film zieht immer" folgte.

Alain Resnais AIMER, BOIRE ET CHANTER wiederum ist nicht mehr als uninspiriert abgefilmtes Theater, aber trauriger noch: Eigentlich als Komödie konzipiert, hat bei den bisherigen Vorführungen des Films kein einziges Mal jemand je gelacht. Vielleicht liegt es an der Alt-Herren-Phantasie, die er hier vor Pappkulisse aufführen lässt: Drei Frauen mittleren Alters buhlen um die letzte Gunst ihres sterbenden, gemeinsamen Freundes. Der entscheidet sich schließlich für eine 16-Jährige.


Augenscheinlich ernst, aber irgendwann unfreiwillig komisch dagegen ist die Situation für den britischen Soldaten, der sich in Yann Demanges Beitrag 71 in den Nord-Irland-Unruhen in "feindlichem" Gebiet verirrt. Ein Film voller stereotyper Figuren, schematischer Handlungsverläufe und vorhersehbarem Ende, kann er nie etwas profund Universelles zum Thema Absurdität des Krieges sagen – dafür provozierte dieser Film spätestens beim finalen Shootout Gelächter.

Nicht wirklich provokant, aber im Kern etwas kritisch angelegt war JACK von Edward Berger. In "Jack" muss sich der kleine Titelheld – gespielt von Ivo Pietzcker und definitiv ein Anwärter auf den Silbernen Bären als bester Darsteller – allein um seinen jüngeren Bruder kümmern, weil die junge Mutter heillos überfordert und hoffnungslos uninteressiert an ihren Kindern scheint. Ist sie mal da, ist sie zwar herzlich, aber die meiste Zeit ist sie einfach weg, und den ganzen Film lang suchen die beiden Brüder sie. Doch auch dieser Film vermag inszenatorisch nicht zu überzeugen. Zwar bleibt er immer auf Augenhöhe der Kinder (ganz wörtlich), aber leistet wenig gedankliche Arbeit außerhalb dieser Perspektive.

Ebenfalls nur wegen seines Hauptdarstellers sehenswert ist Boucharebs TWO MEN IN TOWN, in dem Forest Whitaker einen Kriminellen spielt, der soeben aus der Haft entlassen wurde und einen Neuanfang sucht. Im Grenzgebiet von Mexiko zu den USA will er seine Vergangenheit hinter sich lassen und Bouchareb illustriert dies auch mit im Staub verscharrten Leichen. Whitaker findet seinen Gegenspieler im Sherrif Bill Agati (Harvey Keitel), aber der Film verliert sich in weiten Einstellungen, Sonnenauf- und Sonnenuntergängen und vielen bedeutungsschweren Aussagen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-02-11 17:27:57
Letzte Änderung am 2014-02-11 17:38:04



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