• vom 10.12.2014, 19:00 Uhr

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Update: 10.12.2014, 19:03 Uhr

Der Hobbit 3

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Von Matthias Greuling

  • Peter Jackson hat viel getan für Hollywood. Jetzt findet seine "Hobbit"-Trilogie ihren Abschluss.

Ein ernster Film: Bard (Luke Evans, l.) und Legolas (Orlando Bloom) denken angestrengt nach.

Ein ernster Film: Bard (Luke Evans, l.) und Legolas (Orlando Bloom) denken angestrengt nach.© Warner Ein ernster Film: Bard (Luke Evans, l.) und Legolas (Orlando Bloom) denken angestrengt nach.© Warner

Lange Schlangen vor den Kinos: Ein letztes Mal ist nun die Maschinerie angelaufen, die 2001 begann, als der erste Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie erschien. Am Ende, nach "Der Hobbit 3 - Die Schlacht der fünf Heere", dem sechsten und letzten Film, den Peter Jackson nach einer Vorlage von J.R.R. Tolkien gedreht hat, wird das Unterfangen mehr als sechs Milliarden Dollar eingebracht haben.

Der Milliardengewinn, den "Herr der Ringe" und "Hobbit" brachten, ist nur ein Aspekt ihres Erfolgs, aber der wichtigste: Ende der 1990er Jahre begannen Kabelsender wie HBO plötzlich, erzählerisch interessante Geschichten ins Programm zu hieven, die den oberflächlichen Blockbustern des Kinos weit überlegen waren. Die "Herr der Ringe"-Trilogie stieß da mit Wucht in die Gegenrichtung: Peter Jackson bot nun noch mehr Opulenz und fantastische Bilder, die all jene befriedigen sollten, die sich an sinnfreien Blockbustern sattgesehen hatten. Das Kino als Ort des Spektakels wurde neu erfunden. Jackson brachte ihm ganz neue Massen zurück.


Ausgepresst wie eine Zitrone
Hinzu kam eine zweite Klientel: Für die, die Tolkiens Bücher kannten, waren die Verfilmungen die grandiose Umsetzung der Visionen eines stilprägenden Fantasy-Autors. Beim "Hobbit" und seinen drei Teilen sind Tolkien-Fans schon nicht mehr geschlossen dieser Ansicht: Dort wurde eine Mini-Geschichte zu einem Dreiteiler ausgewalzt. Nach 266 Drehtagen (!) war "Der Hobbit" im Kasten, der zum Gutteil aus Schlachtszenen besteht. Für viele Fans ist es wie das Auspressen einer Zitrone bis zum letzten Tropfen, ins Kino sind sie aber trotzdem immer brav gegangen.

Wie dem auch sei: Peter Jackson bringt nun die Geschichte von Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und der Gemeinschaft der Zwerge zu einem epischen Abschluss (siehe Kritik unten). Mit schöner Regelmäßigkeit füllt der Regisseur sogar die Seiten der Feuilletons, und das mit Filmen, die nichts Intellektuelles an sich haben, sondern eher die Grobschlächtigkeit überlebensgroßer Digital-Schlachten in optisch opulente, epische Bilder gießen, als wäre die Welt ein einziger Kriegsschauplatz. Und damit haben sie nicht einmal unrecht.

Die Anatomie dieser Filme folgt dem simplen, aber effektiven Rezept, möglichst kontrastreiche Schwarzweiß-Malerei üppigen Grautönen vorzuziehen. Gut und Böse sind klar definiert, die Marschrichtung steht fest, die Schwerter sind gezogen. Ein Gefühl von Klarheit stellt sich ein, und wer genug Sitzfleisch hat, der darf das Spektakel sogar genießen. Die Tolkien-Verfilmungen sind reißbrettartige Stilübungen in bewaffneter Auseinandersetzung und - je nach Betrachtung - ein Weißbuch oder ein Schwarzbuch kriegerischer Verhaltensweisen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-12-10 15:59:05
Letzte ─nderung am 2014-12-10 19:03:47



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