• vom 17.05.2015, 17:58 Uhr

Film

Update: 03.05.2016, 12:09 Uhr

Cannes

Identitätsfragen und Überlebensinstinkt




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Von Alexandra Zawia, Cannes

  • Cate Blanchett stellte "Carol" vor, in dem zwei Frauen in den frühen 1950er Jahren eine lesbische Beziehung leben wollen.

Sie müsse kurz richtigstellen, so Cate Blanchett amüsiert bei der Pressekonferenz in Cannes: "Ja, ich hatte schon sehr oft Beziehungen mit Frauen, sexuelle waren aber nicht darunter." Damit korrigierte sie das Branchenmagazin Variety, das in seinem Interview mit der 45-jährigen Australierin nur den ersten Teil dieses Satzes abgedruckt hatte.
So groß die mediale Sehnsucht nach coming-outs von Superstars auch sein möge, Blanchett und Rooney Mara spielen in Todd Haynes Adaption eines Patricia Highsmith-Romans ihre Anziehung und Liebe zueinander nur, das allerdings mit Bravour. Blanchett, die besonders im Vergleich zur ihrer Oscar-Rolle in "Blue Jasmin" beinahe am entgegengesetzten Spektrum ihrer Darstellerfähigkeiten perfekt unterspielt, gibt auch dadurch Mara eine gleichwertige Bühne, welche diese ebenfalls hervorragend zu nutzen weiß.

Haynes hat besonders mit dem mit dem Melodram "Far From Heaven" sein wegweisendes Faible für die Erforschung von queer identities und seine Vorliebe für klassisches Melodrama gezeigt, aber unter anderem auch mit seinem Bob Dylan Porträt "I’m not there" oder "Mildred Pierce" schon bewiesen, wie sehr er sich auf die Ausgestaltung von Milieus versteht.


Ein New York City der 1950er Jahre, das man kürzlich durch die "Mad Men" wiederentdeckte, ist mit seinen rigiden Moralvorstellungen und limitierenden Konventionen ein Käfig für die Verkäuferin Therese (Mara) und die um einige Jahre ältere, verheiratete Carol (Blanchett). Als die beiden einander in einem Einkaufszentrum zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich bereits zueinander hingezogen. Aber ob für ihre Liebe Platz sein wird, ist ungewiss.

Identitätsfragen, Prioritäten und gesellschaftlicher Überlebensinstinkt rücken immer mehr in den Fokus als vor allem Carols eifersüchtiger Ehemann (Kyle Chander) ihr das Leben zur Hölle macht.
Vor allem aber ist es das viele Ungesagte, das zwischen Carol und Theres wie in der Luft hängt, die beide atmen, auch wenn sie nicht im selben Raum sind, das schon den Kern des Romans von Patricia Highsmith bestimmte. Haynes findet hierfür eine makellose visuelle Übersetzung in eine mise en scène, die – mit der Kamera von Ed Lachman – die Figuren in ihrer Umgebung immer wieder wie erst entstehen lässt und sie gleichzeitig so verankert hält, wie sie sich fühlen. Die geschmackvoll ausgestatteten Interieurs und die Kostüme tragen dazu bei: So unverrückbar und bewegungseinschränkend die stilvollen Teile wirken, bleibt auch der Schmerz der Figuren immer unterdrückt, summiert sich aber natürlich unaufhaltsam zu einem Ganzen.




Schlagwörter

Cannes, Cate Blanchett

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-05-17 17:50:43
Letzte nderung am 2016-05-03 12:09:02



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