• vom 12.08.2015, 16:29 Uhr

Film

Update: 12.08.2015, 19:16 Uhr

Film-Kritik

Täuschende Ovariationen




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Von Alexandra Zawia

  • "Dating Queen" mit und von Amy Schumer und Judd Apatow ist reaktionär und konservativ.

Auf Dauerparty-Überholspur: Amy (Amy Schumer) glaubt ihr Leben zu genießen. - © Universal

Auf Dauerparty-Überholspur: Amy (Amy Schumer) glaubt ihr Leben zu genießen. © Universal

Ich habe Eierstöcke und meistens nützt mir das nicht viel. Allein das biologische Geschlecht ist es ja nicht, woraus sich aktuell gut Kapital schlagen lässt, es ist das soziologische: Gender, Frauen, Feminismus, so haben auch große Filmproduktionsstudios erkannt, sind die Schlagworte der Stunde, und was Frauen gut finden, ist für die Kinokassen nie schlecht.

Auch die 34-jährige Amy Schumer hat verstanden, wie sich die implizit gesellschaftspolitische Kraft ihrer Ovarien gewinnbringend kanalisieren lässt: Mit ihrer politisch notwendig inkorrekten Comedy-Show "Inside Amy Schumer" machte sie sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen als "revolutionär Rollen verkehrend"; und tatsächlich bildet sie mit Talenten wie unter anderem Kristen Wiig, Amy Poehler oder Lena Dunham eine weitere, im Gender- und Emanzipations-Diskurs über das Durchbrechen männlich dominierter Strukturen durchaus auch wichtige Stimme. Zu oft allerdings wird das Bedürfnis nach gesellschaftspolitischer Veränderung (und müden Konsensgründen) zu schnell als Segen abgefeiert. Bei näherer Betrachtung muss es dann doch als Fluch enttarnt werden. Ein Beispiel dafür ist Schumers erste Drehbucharbeit für Judd Apatows Film "Trainwreck" ("deutscher" Titel: "Dating Queen") und die Weise, wie der Film international rezipiert wird.

Information

Dating Queen (Trainwreck), USA 2015
Regie: Judd Apatow. Mit Amy Schumer, Tilda Swinton


Von Bett zu Bett
Als romantische Komödie, die vorgibt, die konventionellen Rollen des Genres zu verkehren, beginnt "Trainwreck" mit der eingehenden Vorstellung des promiskuitiven Lebens von Amy (gespielt von Schumer): Als Schreiberin bei einem Glossy-Gossip-Männer-Magazin namens "S’Nuff" hantelt sie sich von Bett zu Bett, von Mann zu Mann, von Sex-Abenteuer über Alkoholexzesse zu Joint-Sessions, nur um - so erschließt es sich küchenpsychologisiert - ihre Angst vor emotionaler Nähe zu vertuschen und Stoff für Geschichten wie "Du bist nicht schwul - es liegt an ihr" zu sammeln. Ihr lebenslang untreuer, zudem rassistischer, homophober und misogyner Vater nämlich erhellte seine Kinder früh mit seinem Mantra: "Monogamie ist unrealistisch!"

Mittlerweile ist er an Multipler Sklerose erkrankt - was ihm suggestiv als "Karma" zugeschrieben wird - und in einem Heim untergebracht, wo Amy ihn öfter besucht, als ihre Schwester Kim (Brie Larson) das tut. Die kürzlich schwangere Kim mit ihrem langweiligen Ehemann und Streber-Stiefsohn hat sich den "Regeln" des Vaters widersetzt und bildet in ihrem häuslichem Klischee-Idyll einer harmonischen Familie anfangs einen Subversion versprechenden Gegensatz zu Amys Lebensentwurf. Doch als Amy von ihrer Chefin (genial und kaum erkennbar: Tilda Swinton) den Auftrag bekommt, eine Reportage über den aktuellen Lieblings-Sportarzt (Bill Hader) der High-Society zu schreiben, führt auch ihr Weg über die Katharsis hin zum konservativen Rollenbild.

Von der ersten Szene an ist Schumers Ton ihrer eigenen Figur gegenüber defensiv und nicht etwa zelebratorisch, sondern bestärkt aufs Neue, was Apatows Filme im Kern ohnehin immer sind: keusch, puritanisch, versöhnlich, prüder Normcore. Oft auf Partys gehen und/oder viel Sex mit unterschiedlichen Menschen zu haben bedeutet hier: Du hast ein Riesenproblem. Verheiratet und schwanger zu sein heißt: Du hast es so gut wie gelöst. Wer jetzt noch "Feminismus-Ikone" schreit, verdient daran.




Schlagwörter

Film-Kritik, Dating Queen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-08-12 16:32:05
Letzte nderung am 2015-08-12 19:16:29



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