• vom 16.09.2015, 10:40 Uhr

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"Scream"-Regisseur Wes Craven mit 76 gestorben

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Von cg


    Wes Craven, Regisseur von Horrorklassikern wie "Scream" oder "Nightmare - Mörderische Träume" (A Nightmare on Elm Street), ist tot. Craven starb am Sonntag in seinem Haus in Los Angeles, wie sein Management bestätigte. Craven wurde 76 Jahre alt. Er litt an Krebs. Über Jahrzehnte hatte er Horrorfilme geschrieben und gedreht und dabei einige der bekanntesten Filme des Genres gemacht.

    Wes Craven wusste, was die Leute wollen: "Blut! Es ist immer Blut. Da schreien die Leute. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert." Mit diesem Rezept wurde er zum erfolgreichsten und einflussreichsten Horrorregisseur unserer Zeit, der das Genre revolutioniert hat und gleich mehrere Klassiker schuf.


    Dass aus ihm einer der wichtigsten Regisseure der letzten Jahrzehnte wurde, war wirklich nicht vorhersehbar. Craven wuchs in Cleveland, Ohio - Großstadt, aber doch Provinz - in einer Familie strenggläubiger Baptisten auf: Alkohol, Tabak, Kartenspiel waren verboten - und Kino auch. Der junge Wesley studierte Literatur und Psychologie an der renommierten Johns Hopkins-Universität. Nach Hollywood kam er eher aus Versehen. Aber er blieb und erfand ein ganzes Filmgenre neu.

    "Last House on the Left" hieß sein erstes Werk, frei nach einem Film von Ingmar Bergman. Er schrieb das Buch und führte Regie: Ein paar junge Männer vergewaltigen und ermorden zwei Mädchen und die Eltern nehmen blutige Rache. Das war und blieb das Rezept des Wes Craven und wurde dutzendfach kopiert: Rache! Die Rache von Opfern oder deren Angehörigen an Tätern. Und die Täter, die zu Opfern werden, sind meistens Teenager - genau wie die Konsumenten dieser Filme.

    Das gilt auch für die "Nightmare"-Filme: Junge Leute träumen davon, von einem Massenmörder gejagt zu werden - und einige werden tatsächlich im Traum ermordet. Der Film kostete 1984 gerade einmal 1,8 Millionen Dollar und spielte das 15-fache ein. Neun Filme wurden insgesamt gedreht, eine Fernsehserie und diverse Comics und Ähnliches. Und Hauptfigur Freddy Krüger, der Mann mit den Klingenhänden, der vom Täter zum Opfer zum Täter wurde, wurde zur Kultfigur.

    Höhepunkt und Ende der Horrorwelle - dachten nur Leute, die nicht Wes Craven waren. 1996 kam "Scream", und schon war die Angst wieder da. 15 Millionen kostete der Film, das 17-fache spielte er ein. Kein Wunder, dass "Scream 2" nicht einmal ein Jahr später kam. Und dann noch "Scream 3" und "Scream 4" und in diesem Jahr sogar "Scream" als Fernsehserie. Drew Barrymore, Courteney Cox, Neve Campbell, David Arquette, Rose McGowan, Liev Schreiber, Patrick Dempsey, Jenny McCarthy - keiner war sich zu schade für die Metzelfilme. Und die Maske des Mörders ist heute auf jeder Halloween-Party zu sehen.

    "Als Horrorfilm-Macher sage ich: Ich werde euch die absolute Wahrheit zeigen, und sie ist blutig und scheußlich und gefährlich", sagte Craven einmal. Und so wurde bei ihm zerstückelt, zerschlitzt und erhängt, aufgegessen und gefoltert, alles schön blutig. Er konnte auch anders. 1999 drehte er mit Meryl Streep das Melodram "Music of the Heart". Der Film erzählt die wahre Geschichte einer Lehrerin, die nach einer gescheiterten Ehe Kinder in Harlem für Geigenunterricht begeistert und dabei auch wieder zu sich selbst findet. Aber nein, so richtig wollte das keiner sehen. Die Leute wollten Blut von Craven.

    Und selbst? Selbst mochte der Altmeister des Horrors keinen Horror. Die Filme der Kollegen schaute er nicht und selbst "Alien" oder Mel Gibsons Bibelverfilmung "Die Passion Christi" guckte er nicht. Der Grund, gab er selbst zu: Er bekomme Angst.




    Schlagwörter

    Kino, Tod, USA

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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2015-08-31 05:53:18
    Letzte ńnderung am 2015-08-31 16:27:05



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