• vom 04.12.2015, 16:45 Uhr

Film

Update: 06.12.2015, 17:30 Uhr

Krampus

Brav gewesen?




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christina Böck

  • Eine Hollywood-Horrorkomödie ist der Höhepunkt einer Krampus-Infiltration der Popkultur.

Dann holt dich der Krampus: Grausiger Alpendämon lehrt dysfunktionale US-Familie das Fürchten.

Dann holt dich der Krampus: Grausiger Alpendämon lehrt dysfunktionale US-Familie das Fürchten.© UPI Dann holt dich der Krampus: Grausiger Alpendämon lehrt dysfunktionale US-Familie das Fürchten.© UPI

Man wäre versucht zu glauben, Christoph Waltz ist schuld. Der übte sich im Vorjahr als Kulturbotschafter für Österreich in besonderer Mission. In der Late-Night-Show mit Jimmy Fallon ließ er sich erst vom Moderator mit einem dümmlich grinsenden Weihnachtselfen in rotem Pyjama mit Pelzbesatz bekannt machen. Dieser amerikanische Weihnachtskitsch (angeblich rapportiert er die Bravheits-Akten der Kinder an den Weihnachtsmann) wurde von Waltz sogleich als "Waschlappen" abqualifiziert, denn als Österreicher ist man bekanntlich ganz andere vorweihnachtliche Nebenfiguren gewöhnt. Und so erzählte Waltz dem entgeisterten, in seiner notorischen Überregulierung schwerst erschütterten US-Publikum vom Begleiter des Heiligen Nikolaus, der schlimme Kinder in einen Sack packt und mit der Rute verdrischt. "Es ist ein katholisches Land, es funktioniert über Traumatisierung", erklärte Waltz trocken.

Kettenrasseln über Bing Crosby
Nun ist diese Woche der Film "Krampus" in die österreichischen Kinos gekommen. Und es ist nicht etwa eine kleine Independent-Produktion aus dem Zottelteufel-affinen Tirol. Nein, es handelt sich um einen waschechten Hollywood-Streifen. Da hätte man sich auf ein subversives Duell der Traditionen freuen können. Eine unterhaltsame Dialektik zwischen der lichterketten-umkränzten Zuckerstangen-Romantik der USA und dem archaischen
Adventbrauchtum Mitteleuropas. Vielleicht sogar ein kleiner Notwehrakt gegen den ausufernden Kulturimperialismus der USA: Wenn der Weihnachtsmann sich schon breitarschig und nachhaltig auf das Christkind gesetzt hat und es immer mehr verkümmern lässt, dann kann man ja einmal den Gruselkumpan des Nikolo schicken, um der ganzen Coca-Cola-Weihnachtstruck-Szenerie den Garaus zu machen und Bing Crosby ein für alle mal mit der Kette zu überrasseln. Zur Strafe - wie es ja die ureigenste Aufgabe des Krampus ist.

Strip-Pokern mit dem Krampus, Rute liegt bereit.

Strip-Pokern mit dem Krampus, Rute liegt bereit.© Archiv Strip-Pokern mit dem Krampus, Rute liegt bereit.© Archiv

Der Krampus wäre wohl auch die letzte Möglichkeit für eine solche kulturelle Racheaktion: Er und seine Umtriebe sind so unvergleichlich mächtig im Traditionsbewusstsein verankert - anders als viele aussterbende Bräuche der Vorweihnachtszeit wollen sich die Menschen das auch nach wie vor nicht wegnehmen lassen. Das zeigte sich heuer etwa in Virgen in Osttirol. Dort stand man angesichts der im Ort neu angesiedelten Asylwerber vor der Frage, ob man so wie in Kärnten die Krampusläufe absagen würde, damit die Flüchtlinge nicht in Panik vor dem unbekannten Horror geraten - oder ob man auf vermittelnde Transparenz setzen würde.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-04 16:50:07
Letzte ─nderung am 2015-12-06 17:30:30



Star Wars

Möge die Schlacht mit uns sein

Rey (Daisy Ridley) trainiert sich unter Anleitung von Luke Skywalker auf einer einsamen Insel in Richtung Jedi-Rittertum. - © Disney Die junge Rey (Daisy Ridley) wurde in "Star Wars Episode VII" als die neue Hoffnung der gealterten Jedi präsentiert, weil man ihr zutraut... weiter




Meine schöne innere Sonne

Plattitüde mit Pendel

Juliette Binoche sehnt sich nach der großen Liebe. - © polyfilm Isabelle (Juliette Binoche) sehnt sich nach der Liebe. Die geschiedene Pariser Künstlerin ist umgeben von Menschen... weiter




Filmkritik

Vorfahre auf Rachefeldzug

Jürgen Vogel ist Ötzi, dessen Körper 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden wurde. - © Port au Prince Pictures Der Mensch hat im Allgemeinen ein enormes Einfühlungsvermögen. Dieses machen sich die Filmemacher von "Der Mann aus dem Eis" zunutze... weiter





Werbung



Kommentar

Der Prophet hat gesprochen

Kaum naht das Jahresende (ja, gut, Weihnachten kommt noch ein paar Tage zuvor), geht ein Name durch die mehr oder minder seriösen Teile der Medien... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Nicht mit uns"
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. "Das ist Wahnsinn"
  4. Problemzone Stammtisch
  5. 152 rasante Minuten mit Laserschwert
Meistkommentiert
  1. "Ohne Polen kollabiert London"
  2. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  3. Die Kamera als Schutz
  4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  5. Zu kurzsichtig

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung