• vom 12.12.2015, 08:22 Uhr

Film


Star Wars

Korngold leuchten die Sterne




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Von Christoph Irrgeher

  • Was wäre die "Star Wars"-Saga ohne John Williams’ Musik? Ein Soundtrack zwischen Genie und Kopie.

Die Macht erwacht, auch musikalisch: Mit den imperialen Jägern kehren vertraute Töne zurück. - © Lucasfilm

Die Macht erwacht, auch musikalisch: Mit den imperialen Jägern kehren vertraute Töne zurück. © Lucasfilm

Was haben Richard Wagner und Piotr Iljitsch Tschaikowski gemeinsam? Herzlich wenig, will man meinen: Hier der Revolutionär des Musiktheaters, dort der lyrische Melodienschmied, hier der intrigante Machtmensch, dort der sensible Außenseiter. Und doch gibt es einen seltsamen Schnittpunkt im Notenmaterial. Man höre sich nur einmal das zentrale Motiv aus Wagners "Lohengrin" an (der Schwanenritter singt da: "Nie sollst du mich befragen"), und dann die Hauptmelodie aus Tschaikowskis "Schwanensee". Kurios, wie gleich diese beiden Ohrwürmer beginnen. (Wobei Wagner deutlich früher dran war.)

Solche Klangverwandtschaften gibt es zuhauf in der Musikgeschichte - und natürlich nicht nur zwischen zwei Genies. Heute erleben die großen Melodien der Klassik, halbherzig umgemodelt, nicht selten eine Wiedergeburt im Dienste des Hollywood-Kinos. Nur so zum Beispiel: Bevor Hans Zimmer, der Klangdekorateur mit dem besonders dicken Rummsbumms, seinen Soundtrack zu "Gladiator" (2000) abgefasst hat, dürfte er Gustav Holsts "Planeten"-Suite von 1916 tief inhaliert haben.


Ein "Ring" mit Lichtschwert
Nicht ganz so einfach liegen die Dinge im Fall John Williams. Der US-Filmmusiker hat sich, vor allem als Soundtracklieferant der "Star Wars"-Reihe, ins kollektive Gedächtnis gefräst. Wer die Originaltrilogie der Saga (also die Episoden IV bis VI) noch als Kind in den 80er Jahren gesehen hat, dem ist diese Musik heilig wie ein Weihnachtslied. Und das nicht ohne Grund. Williams, nun auch mit der Musik zu Episode VII betraut (Kinostart: 17. Dezember), hat damals für die ersten "Star Wars"-Filme eine Reihe eingängiger, charismatischer Melodien erschaffen. Großorchestral vorgetragen, besitzen sie nicht zuletzt die nötige Prachtgewalt für ein Weltraum-Epos der üblen Sturmtruppen und heldischen Rebellen. Emblematisch sind diese Melodien aber vor allem dank der Anwendung der Leitmotiv-Technik: 1876 in Wagners vierteiligem "Ring des Nibelungen" perfektioniert, ordnet sie Protagonisten, aber auch wiederkehrenden Themen kurze Klangmotive zu. Exzessiv angewandt (wenn auch nicht immer ganz konsequent), hat Williams so eine Art "Ring" mit Lichtschwert geschaffen. Sein Soundtrack - ein Kuriosum in der Filmgeschichte - hatte aber auch Rückwirkungen auf die Leinwand. Rein dramaturgisch betrachtet, wäre etwa in Episode IV die Szene mit den zwei untergehenden Sonnen von Tatooine überflüssig: Luke Skywalker, noch Bauer, glotzt da ganz einfach in die Dämmerung. Das London Symphony Orchestra spielt dazu aber eine steinerweichend schwelgerische Variante des "Force Themes". Ebenso unnötig wäre an sich jene lange Einstellung in Episode V, die eine Art Weltraumballett der Sternzerstörer und kreischenden Jäger hinter Darth Vaders Helm zeigt - käme da nicht erstmals Williams’ Trumpfass, der "Imperial March", zum Einsatz.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-11 17:20:07
Letzte Änderung am 2015-12-11 17:53:03



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