• vom 16.12.2015, 09:01 Uhr

Film

Update: 16.12.2015, 21:42 Uhr

Star Wars

Chewie hat die Haare schön




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Von Matthias Greuling

  • Eine wuchtige Fortsetzung der Saga, von der man allerdings an vielen Stellen glaubt, sie schon gesehen zu haben.

Es sterben durch das Lichtschwert die folgenden Personen: … Keine Angst, wir verraten Ihnen das nicht, sondern halten uns ganz brav an die von Disney erbetene Diskretion, um dem Kinobesucher den Spaß nicht zu verderben. Auch halten wir uns an die auferlegte Sperrfrist, weshalb Sie erst am 16. Dezember ab 9.01 Uhr diesen Beitrag zu lesen bekommen.
Bei Disney nimmt man es nämlich ganz genau, nicht nur mit der Uhrzeit. Die Journalisten bei der einzigen österreichischen Pressevorführung von "Star Wars Episode VII" müssen ihre Handys für die Dauer der Projektion beim Security-Personal abgeben, auch sonstige Geräte mit Kamerafunktion gehören dazu. Im Saal überwacht eine Sicherheitsfirma die Journalisten während des Screenings per Nachtsichtgerät. Man will schließlich sehen, ob da nicht doch einer mitfilmt – oder vielleicht sogar eingeschlafen ist.

Derlei Praktiken haben sich bei so genannten filmischen Großereignissen längst eingebürgert. Man will die totale Kontrolle über das Marketing behalten, zumindest, solange es geht. Blöd nur, dass man vor lauter Rücksicht darauf, nur ja nicht zuviel zu verraten, eigentlich gar nichts mehr schreiben kann.



Versuchen wir es trotzdem, denn die Vorfreude bei den Fans will ja geschürt werden: Dabei helfen Gefühlszustände ganz gut, die man bei "Episode VII" als Zuschauer durchlebt. Zumindest als Zuschauer, der die erste Trilogie von 1977 bis 1983 gut genug kennt, vielleicht sogar mit ihr aufgewachsen ist.

Bedingter Respekt vor der Vorlage

Genau diese Zuschauer fühlen sich in dem neuen Sternen-Abenteuer sofort wie zuhause. Der Film – der erste ohne Mitwirkung von Erfinder George Lucas, der die Rechte für vier Milliarden Dollar an Disney abtrat – wurde von J.J. Abrams inszeniert. Dieser Mann weiß dank "Lost", "Mission: Impossible III" oder "Super 8", wie Blockbuster funktionieren, und seit seinem Reboot von "Star Trek" kann er auch mit Kult-Stoffen umgehen, als wären sie eine Fingerübung. Der Trick ist: Respekt vor der Vorlage, aber nur soviel, wie unbedingt nötig. Sonst wird das Ergebnis heuchlerisch oder lächerlich.



Für "Das Erwachen der Macht" hat J.J. Abrams beide Pole gut umschifft, weil er Retrokino beherrscht, das wie ein gebrauchter Artikel wirkt, aber dennoch nicht langweilt. Und weil man bei "Star Wars" in besonders viele Fallen tappen kann, kaschiert Abrams so manche verunglückte Reminiszenz an die Ur-Trilogie mit rasanten Schnitten und hochschaubahnartiger 3D-Flugmanöver über diverse Planeten- und Raumschiffoberflächen. All das sieht so gut aus, dass einem fast schlecht werden könnte vor Sogwirkung.

Spiel mit der Vorstellung

Nach dem obligaten "Star Wars"-Intro in Original-Schrift von 1977, die langsam in den Sternenhimmel davonzieht, begleitet vom Original-Score von John Williams, finden sich die nunmehr schon wohlig und heimelig gestimmten Zuschauer in einem brutalen Angriffsszenario wieder: Die "First Order" genannte Nachfolge-Diktatur des Imperiums, die im neuesten Star Wars-Film ihr Unwesen treibt, schickt ihre Strom Trooper, die ein Lager der Rebellen angreifen, wo sie Hinweise auf den Verbleib von Luke Skywalker erhoffen. Doch kurz vor dem Angriff gelingt es, einen kleinen Droiden namens BB-8 mit dem gesuchten Hinweis hinfort zu schicken, ehe der dunkle Kylo Ren (Adam Driver) einmarschiert, eine Art Schmalspur-Darth Vader für Arme, mit kleinerem Helmchen und noch kleinerem Ego.

Das Interessante an Episode VII sind nicht etwa die vielen turbulenten und atemberaubenden Actionsequenzen, sondern das Spiel mit der Vorstellung, man könne nicht bloß von der guten Seite der Macht auf die dunkle Seite gelangen, sondern auch wieder retour (was nicht einmal in einigen Glaubensrichtungen funktioniert). Hier stehen gleich zwei Böse auf wackeligen Beinen, doch während Kylo Ren lange braucht, um sich unter den Helm blicken zu lassen, ist es der einfache Storm Trooper Finn (John Boyega), der schon beim Eröffnungsangriff vor lauter Muffensausen das Weite suchen möchte und sicherheitshalber zu den Rebellen überläuft. Es geht also. Die Heilung vom Bösen scheint möglich.

Kampfsau meets Jedi-Kriegerin

Auf der guten Seite verdingt sich die junge, athletische Rey (Daisy Ridley) mit der Suche nach ihren Eltern. Sie ist der vielleicht beste Neuzugang im "Star Wars"-Universum. Als Figur deshalb, weil sie vom Typus Kampfsau meets Jedi-Kriegerin ist und eine beeindruckende Präsenz zeigt; als Besetzung, weil die 23-jährige Britin, die optisch irgendwo zwischen Natalie Portman und Keira Knightley pendelt, sich ihren Londoner Akzent behalten darf. In einer weit entfernten Galaxie voller intergalaktischem Kauderwelsch eine wahre Wohltat für das Ohr.

Rey formt mit dem desertierten Storm Trooper Finn und dem plötzlich wieder aufgetauchten Han Solo (Harrison Ford) ein Team, das sich auf die Suche nach Luke Skywalker begibt und wird dabei vom "First Order" auf Schritt und Tritt verfolgt. Dabei gibt es gegen Ende hin ein für alle schockierendes Ereignis. Mehr Handlung ist eigentlich nicht.

Um sich nach gut 38 Jahren wieder an das "Star Wars"-Feeling zu gewöhnen, zeigt J.J. Abrams die gleichen Raumschiffe, Waffen und Sternenkreuzer in bewährtem, dreckigem "Used Look" wie damals. Auch die Schauplätze, die Kreaturen und die Szenerien ähneln frappant jenen aus der ersten Trilogie, sodass man (allzu) oft wie vor einem Deja-vu-Erlebnis steht, obwohl es gar nicht existiert. Trotzdem hat man das alles schon einmal gesehen, vielleicht nicht ganz so spektakulär. Abrams erweist sich also als geschickter Verwalter eines Mythos, keinesfalls aber als sein Erweiterer. Das war ganz offenkundig auch nicht Sinn der Sache: "Star Wars" will weiterhin zuallererst unterhalten, und dafür gibt es keinen sichereren Hafen als jenen von Walt Disney. Dort wird die Saga bis 2018 noch um mindestens zwei weitere Episoden erweitert, die vermutlich lautstärker, aber nicht besser werden dürften. Das Phänomen kennt man ja von Franchises wie "Fluch der Karibik".



Krieger im Rentneralter

Was das Wiedersehen mit alten Bekannten betrifft, so kommen die "Star Wars"-Fans der ersten Stunde jedenfalls voll auf ihre Kosten. Han Solo, Leia und Luke sind wieder da, in Originalbesetzung. Der eine mehr, der andere weniger. Unfreiwillig komisch wirkt da vielleicht so manche Szene, weil "Star Wars" plötzlich mit Kriegern im Rentneralter gespickt ist, die in allen ihren Action-Bewegungen nicht mehr ganz so gelenk aussehen wie früher. Die Kamera kaschiert dies artig und schaut lieber in Gesichter denn auf die unsicher gewordenen Läufer der gealterten Kultfiguren. Vor allem bei Harrison Ford macht sich bemerkbar, dass er sich während der Dreharbeiten den Fuß gebrochen hat.

Doch was ist Standfestigkeit schon wert in einer Saga, in der man als einfacher Storm Trooper mal eben so zur guten Seite wechseln kann? Wichtig ist vielmehr, dass zwischen R2D2, C-3PO und Chewbacca, der diesmal so schön frisiert ist wie noch nie, alles beim Alten bleibt: Die Macht (des Marktes) hat dafür gesorgt, dass Revolutionen jeglicher Art gar nicht erst stattfinden.





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Star Wars, Film

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-15 16:48:48
Letzte ─nderung am 2015-12-16 21:42:28



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