• vom 19.12.2016, 16:00 Uhr

Film

Update: 19.12.2016, 16:25 Uhr

Zsa Zsa Gabor

Die erste Paris Hilton




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Von Matthias Greuling

  • Zsa Zsa Gabor, einst Hollywoods glamourösester Star, ist 99-jährig gestorben.

Zsa Zsa Gabor (1917-2016) , hier 1949: Glamour war ihr wichtiger als die Filmkarriere. - © Globe Photos/Zuma

Zsa Zsa Gabor (1917-2016) , hier 1949: Glamour war ihr wichtiger als die Filmkarriere. © Globe Photos/Zuma

Los Angeles. "Ich spielte in 50 Filmen, trat am Broadway auf, erhielt Standing Ovations, und alles, worüber die Leute mit mir sprechen wollen, sind meine Männer." Zsa Zsa Gabor, die Hollywood-Diva, ist tot. Mit 99 Jahren starb sie am Sonntag an den Folgen eines Herzinfarktes, wie ihr Ehemann Frederic Prinz von Anhalt bestätigte.

Gabor war Filmstar und bekam auch einen Stern am "Walk of Fame", doch in Wahrheit war sie mehr Celebrity als Schauspielerin. Sie war sozusagen der Prototyp der Paris Hiltons unserer Tage - ein Star, der ohne besondere Leistung berühmt wurde, weil die Öffentlichkeit schon in den 50er Jahren nach Glamour und Glitzer gierte. Das It-Girl Paris Hilton hat sich viel bei Gabor abgeschaut, zumal die beiden sogar verwandt waren: 1942 bis 1947 war Gabor mit Conrad Nicholson Hilton verheiratet, dem Gründer der Hilton-Hotelkette und dem Urgroßvater von Paris. Mit Hilton bekam Gabor auch ihre einzige Tochter, Francesca Hilton, die ebenfalls Schauspielerin wurde und 2015 starb.


Vieles in Zsa Zsa Gabors Biografie blieb bis heute uneindeutig: Ihr Geburtsjahr soll 1917 gewesen sein, sicher ist das aber nicht. Auch die Zahl ihrer Ehen ist nicht sicher: Je nach Interpretation waren es acht oder neun.

Die in Budapest geborene Gabor war eine frühe Miss Ungarn, ehe sie nach einer Ausbildung an der Wiener Musikakademie und ihrer ersten Rolle 1941 in der Operette "Der singende Traum" ihrer Schwester Eva nach Hollywood folgte. Dort stieg sie zum Sexsymbol auf und drehte jede Menge zweitklassiger Filme. Zwar waren darunter auch Arbeiten mit großen Regisseuren wie John Huston ("Moulin Rouge", 1952) oder Orson Welles ("Im Zeichen des Bösen", 1958), doch Gabors Filmkarriere blieb immer zweitrangig. Sie verdingte sich zeitweilig auch in TV-Serien, von "Bonanza" (1967) über "Batman" (1968) bis hin zu "Love Boat" (1980). 2004 nahm man sie in die "B-Movie Hall of Fame" auf. Der Golden Globe, den Gabor 1958 erhielt, zeigt, dass sie nie als große Schauspielerin gesehen wurde: Den Globe erhielt sie in der Kategorie "glamouröseste Schauspielerin". Danach wurde diese Auszeichnung nie wieder vergeben.

Femme fatale mit Feuer
Viel wichtiger war ihr ohnehin der Glamourfaktor, den sie perfekt zu Nutzen verstand: Sie inszenierte sich als lebenslustige, erotische Femme fatale mit ungarischem Feuer im Blut ("Wenn ich mein Dracula-Gulasch koche, dann will mich sofort jeder Mann heiraten") und beschränkte sich in der Wahl ihrer Ehemänner auf Reiche oder Adelige. Mit ihrem ersten Mann, dem Diplomaten Burhan Belge, will sie die Ehe niemals vollzogen haben; während dieser Ehe sei sie von Kemal Atatürk, dem Gründer der modernen Türkei, entjungfert worden. Nach Conrad Hilton folgten 1949 der Schauspieler George Sanders, 1964 der Industrielle Herbert Hunter, 1966 der Ölmagnat Joshua Cosden, 1975 der Miterfinder der Barbie-Puppe, Jack Ryan, 1977 der Anwalt Michael O’Hara und 1982 der Schauspieler Felipe de Alba. Bis zuletzt war Gabor mit dem deutschen Adoptiv-Prinzen Frédéric von Anhalt verheiratet.

Zsa Zsa Gabor liebte es, mit ihrem Image einer selbstbewussten Frau zwischen Affären, Ehen und Scheidungen zu spielen. "Ich bin immer glücklich, wenn ich geschieden bin", erzählte sie bei Dame Edna im Jahr 1987. "Wie kann man mit einem einzigen Mann nur so viele Jahre aushalten? Mit demselben Mann länger als zwei Jahre unter einem Dach zu leben, das ist gegen meine Religion."

Das Image der ungestümen, aber sympathischen, heißblütigen Frau aufrechtzuerhalten, war Gabors großes Ziel. In zahlreichen Autowerbespots gab sie ab den 50er Jahren den modernen, unabhängigen Frauentypus, der zwischen Frivolität und unschuldigem Hausfrauendasein pendelte. Die Männer, die sie umgaben, nannte sie mit Vorliebe "Darling". "Aber nur, weil ich mir ihre Namen nicht merke."

Bis ins Alter vermarktete Gabor sich auf diese Weise. Ende der 80er Jahre drehte sie ein Fitnessvideo, in dem sie von jungen, muskulösen Männern trainiert wurde. 1989 musste sie sogar für drei Tage ins Gefängnis, weil sie einen Polizisten geohrfeigt hatte.

Zsa Zsa Gabors bewegtes Dasein im Blitzlichtgewitter Hollywoods wurde bis in den letzten Winkel durchleuchtet - sie lebte ein öffentliches Leben voller Partys, Glamour und Skandale. Vor ein paar Jahren gab es Pläne, Gabors Leben zu verfilmen - mit Paris Hilton in der Hauptrolle.

Was bleibt von diesem Leben? 1953 drehte Zsa Zsa Gabor den Film "War es die große Liebe?". Ein Titel, der auch auf die wechselvolle Ehegeschichte der Gabor passt. Und letztlich symptomatisch für die Karriere einer Diva ist, die für die Filmgeschichte unbedeutend bleibt: Sie spielt darin bloß eine Namenlose. Ihr Rollentitel lautete: "Flirt an der Barbh".




Schlagwörter

Zsa Zsa Gabor, Nachruf, Hollywood

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-19 16:05:05
Letzte nderung am 2016-12-19 16:25:41



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