• vom 03.04.2017, 16:11 Uhr

Film

Update: 03.04.2017, 16:21 Uhr

Diagonale

Märchen sind selten harmlos




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Von Matthias Greuling

  • "Die beste aller Welten" gewann bei der Diagonale drei Preise und war Publikumsfavorit.

Kindheit und Drogenmissbrauch: Adrian (Jeremy Miliker) und Mama (Verena Altenberger). - © Diagonale

Kindheit und Drogenmissbrauch: Adrian (Jeremy Miliker) und Mama (Verena Altenberger). © Diagonale

Beste Schauspielerin: Verena Altenberger.

Beste Schauspielerin: Verena Altenberger.© Katharina Sartena Beste Schauspielerin: Verena Altenberger.© Katharina Sartena

Graz. Von all den Filmen, die in Graz beim Filmfestival Diagonale bis vergangenen Sonntag zu sehen waren, hat keiner so sehr bewegt wie "Die beste aller Welten" des erst 26-jährigen Salzburgers Adrian Goiginger. Dass der Film viele der insgesamt 31.200 Diagonale-Besucher begeisterte, weiß man, weil "Die beste aller Welten" hier den Publikumspreis gewonnen hat, zugleich aber auch seine Hauptdarstellerin Verena Altenberger mit dem Preis für die beste darstellerische Leistung prämiert wurde. Und auch das Szenenbild gefiel der Jury: Dafür wurde Veronika Merlin ausgezeichnet.

Auch wenn die Hauptpreise in Graz an "Die Liebhaberin" von Lukas Valenta Rinner (in der Kategorie Spielfilm) und "Was uns bindet" von Ivette Löcker (Kategorie Dokumentarfilm) gingen, so hatte die Diagonale mit Goigingers Langfilmdebüt doch so etwas wie einen Gewinner der Herzen, wie das heute so schön heißt.


Leben mit Heroin
"Die beste aller Welten" ist vielleicht deshalb so faszinierend, weil der Regisseur hier überaus mutig und freigiebig seine eigene Kindheit nachgezeichnet hat - eine Kindheit bei einer heroinsüchtigen Mutter in einer Salzburger Stadtrandsiedlung, angesiedelt Ende der 1990er Jahre, zwischen Dauerrausch und Überdosis, kaltem Entzug und permanentem Rückfall. Der siebenjährige Adrian, beeindruckend gespielt von Jeremy Miliker, wird dabei von seiner Mutter aber im Glauben gelassen, die Welt sei voller Abenteu(r)er; ihre Sucht ist Adrian nie wirklich bewusst, denn er flüchtet sich auch dank ihrer liebevollen Zuneigung und ihrer gekonnten Ablenkungsmanöver in eine spielerische Fantasiewelt.

"Meine Mutter hatte es geschafft, am Ende doch clean zu werden", sagt Goiginger im Gespräch. Doch als sie 2012 an Krebs verstarb, sei dies der Anlass für ihn gewesen, seine Kindheit aufzuarbeiten. "Dann wusste ich, ich kann diesen Film machen".

Den unglaublichen Sog, den dieses Jugenddrama beim Zuseher auslöst, bringt Goiginger nicht nur durch die richtige Anleitung zu glänzenden Darsteller-Leistungen zustande, sondern auch durch seine visuell stimmige Umsetzung. "Ich wollte diese Geschichte aus der Perspektive des Kindes erzählen, denn das ist schließlich genau so, wie ich sie erlebt habe. Dazu passt auch, dass ich meinen Darsteller Jeremy auch im Dunklen darüber gelassen habe, worum es im Film eigentlich geht. Das wusste ich ja damals auch nicht. Die Kamera ist stets auf Adrians Höhe, sie mäandert auch wie ein neugieriges Kind umher, das die Welt erforscht. Es gibt viele Filme über Drogen, aber wenige, die eine solche Perspektive bieten."

Und auch das gezeigte Bild von Salzburg ist ein angenehmer Bruch mit Sehgewohnheiten. In "Die beste aller Welten" regnet es auch, die Salzburger Altstadt wird nur vom anderen Flussufer gezeigt, da, wo die weniger prestigeträchtigen Bauten stehen, aus dem Blick der Vorstadt. "Es ist ein ganz bewusster Blick auf diese Stadt, die von touristischen Bildern lebt. Ich selbst habe mich übrigens nie wohlgefühlt in der Getreidegasse."

Und so bricht "Die beste aller Welten" wie selbstverständlich auf, worüber die Diagonale noch zwei Tage zuvor eifrig diskutierte: Der österreichische Film kann nicht nur Sozialtristesse zeigen, sondern auch ein Märchen erzählen, das alle lieben. Und wie man weiß, sind Märchen selten harmlose Geschichten, sondern oft grausame Erzählungen. Aber sie packen und reißen mit, wenn sie persönliche Geschichten vortragen. "Die beste aller Welten" ist ein vortreffliches Beispiel, dass Drama und Publikums-Liebling einander nicht ausschließen müssen.

Großer Diagonale-Preis Spielfilm: "Die Liebhaberin", Lukas
Valenta Rinner

Großer-Diagonale-Preis Doku: "Was uns bindet", Ivette Löcker

Beste Schauspielerin: Verena
Altenberger ("Die beste aller Welten") Bester Schauspieler:
Philipp Hochmair ("Kater")

Bester Nachwuchsfilm: "Revolución Solar" von Santiago R. Durán

Die Preisträger




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-03 16:15:08
Letzte nderung am 2017-04-03 16:21:06



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