• vom 06.04.2017, 16:34 Uhr

Film

Update: 06.04.2017, 16:47 Uhr

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Von Matthias Greuling

  • In der Kinodoku "Ein deutsches Leben" kommt Goebbels’ Sekretärin zu Wort. Ein Gespräch mit Regisseur Christian Krönes.

Brunhilde Pomsel und das Abbild eines bewegten Lebens im Gesicht: Sie war Goebbels’ Sekretärin. - © polyfilm

Brunhilde Pomsel und das Abbild eines bewegten Lebens im Gesicht: Sie war Goebbels’ Sekretärin. © polyfilm

Christian Krönes ist einer der vier Regisseure von "Ein deutsches Leben".

Christian Krönes ist einer der vier Regisseure von "Ein deutsches Leben".© Katharina Sartena Christian Krönes ist einer der vier Regisseure von "Ein deutsches Leben".© Katharina Sartena

Ab 1942 war Brunhilde Pomsel als Sekretärin im Propagandaministerium von Joseph Goebbels in Berlin angestellt. Bis Kriegsende diente sie ihrem Chef gewissenhaft und vorschriftsmäßig, in den Wirren der letzten Kriegstage geriet sie in russische Gefangenschaft. Fünf Jahre später kehrte sie zurück nach Deutschland. In der Doku "Ein deutsches Leben" (ab Freitag im Kino) zieht Pomsel Bilanz ihrer Zeit während des NS-Regimes und entpuppt sich als Mitläuferin, die wie Millionen andere durch ihren Gehorsam das System erst möglich machte. Die vier Regisseure Christian Krönes, Olaf S. Müller, Roland Schrotthofer und Florian Weigensamer haben aus 30 Interviewstunden mit Pomsel das Destillat ihres Lebens gefiltert: Die damals 103-jährige Interviewpartnerin, die Ende Jänner 106-jährig verstarb, zieht in "Ein deutsches Leben" Bilanz: Einer Schuld ist sie sich jedenfalls nicht bewusst, wie Co-Regisseur Krönes im Gespräch festhält.

"Wiener Zeitung": Herr Krönes, wie haben Sie es geschafft, einer Frau, die ihre Vergangenheit für viele Jahrzehnte in sich begraben hatte, erneut zum Sprechen zu bringen?


Christian Krönes: Wir wollten die Erinnerungen von Brunhilde Pomsel unbedingt aufzeichnen, in welcher Form auch immer. Sie hatte viele Jahre zuvor einer deutschen Boulevardzeitung ein Interview gegeben, das entsprechend verkürzt dargestellt wurde. Danach schwor sie sich, nie wieder mit Medien zu sprechen, insofern hat es einige Zeit gedauert, bis sie uns zusagte. Nachdem sie von unserem Ansatz überzeugt war, hat sie die Produktion mit einer unglaublichen preußischen Disziplin durchgezogen. Die Finanzierung dauerte zwei Jahre, als wir Pomsel kennenlernten, war sie schon 101 Jahre alt. Wir wussten, dass wir mitunter nicht mehr lang Zeit haben, und dennoch ging es nicht schneller. Wir drehten in zwei intensiven Drehblöcken, da war Frau Pomsel schon 103 Jahre alt.

Mit welchem Ziel gingen Sie in die Arbeit?

Wir wollten einmal ganz bewusst die Geschichte einer Mitläuferin bearbeiten, die im Zentrum des nationalsozialistischen Machtapparates gearbeitet hat. Sie war eine Mitläuferin, wie Millionen andere auch, die damit das System ermöglicht und mitgetragen haben.

Pomsel war sich bis zuletzt keiner Schuld bewusst. Sie wertschätzte ihre Arbeit, sie hat die Umstände hingenommen. Tun wir uns heute mit der Einschätzung des Regimes nur deshalb leichter, weil wir es rückblickend betrachten können?

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-06 16:39:07
Letzte nderung am 2017-04-06 16:47:53



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