• vom 18.08.2017, 16:59 Uhr

Film


Alicia Vikander

Alle Schichten freilegen




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Schauspielerin Alicia Vikander über Charaktertiefe und die unendlichen Längen von roten Teppichen.

Alicia Vikander lässt sich in "Tulpenfieber" vom Duft dieser wertvollen Blume verführen.

Alicia Vikander lässt sich in "Tulpenfieber" vom Duft dieser wertvollen Blume verführen.© Thimfilm Alicia Vikander lässt sich in "Tulpenfieber" vom Duft dieser wertvollen Blume verführen.© Thimfilm

Wer Alicia Vikander gegenübersitzt, der kann sie förmlich spüren, die ehrgeizige Arbeitswut, mit der die 29-jährige Schwedin derzeit einen großen Film nach dem nächsten dreht. Seit ihrem Oscar für "The Danish Girl" zählt die gebürtige Schwedin zu den Aufsteigerinnen in Hollywood. Vikander bringt eine Aura völliger Reinheit vor die Kamera, das ist offenbar gerade gefragt im US-Kino. Sie entspricht nicht dem blonden Sexbomben-Image, das sich durch Üppigkeit kennzeichnet und vielen Hollywood-Filmen als Aufputz dient. Vikander ist mit ihrer zierlichen Gestalt und ihren ebenmäßigen Gesichtszügen viel eher der Typ Audrey Hepburn, der mit Eleganz und burschikosem Charme verführt; Vikander ist der Typ, der mehr zu bieten hat als Aussehen. "Ich bin Schauspielerin geworden, um mich mit meinen Rollen zu identifizieren", sagt sie. "Und die können mir nicht vielfältig genug sein."

Den Beweis hat sie auch schon angetreten: Neben "The Danish Girl" war sie auch in "Die Königin und der Leibarzt", "Anna Karenina" oder "Codename U.N.C.L.E." zu sehen. In "Light Between Oceans" spielte sie mit Michael Fassbender, der nun ihr Lebenspartner ist. Jetzt kommt sie mit "Tulpenfieber" (ab kommendem Freitag im Kino) an der Seite von Christoph Waltz ins Kino und als Nächstes tritt sie in die Fußstapfen von Angelina Jolie im Reboot der "Tomb Raider"-Reihe. Als Abenteurerin Lara Croft macht sie eine gute Figur, zumindest auf den ersten Filmfotos.


"Tulpenfieber" spielt im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, zu einer Zeit, in der Tulpen mehr wert waren als Gold. Der Kaufmann Cornelis Sandvoort (Waltz) will seine wunderschöne Frau Sophia (Vikander) von dem Maler Jan Van Loos (Dane DeHaan) porträtieren lassen. Dieser beginnt eine verbotene Affäre mit Sophia, das junge Paar will einfach abhauen und braucht dafür viel Geld - und genau das wollen die beiden mit einer Spekulation auf dem Tulpen-Markt verdienen. Ein Kostümfilm mit viel großer Emotion und Leidenschaft, inszeniert von Justin Chadwick.

"Ich habe bereits etliche solcher Kostümfilme gedreht, und das Tolle an ihnen ist, dass man über die historischen Kostüme in die Rollen hineinfindet", erklärt Vikander. "Das merkte ich bei den Proben: Sobald die Kostüme mit dabei waren, war es eine ganz neue Dimension, die ich da aufgestoßen hatte: Plötzlich meint man, die Figuren zu kennen, die man spielt. Das Wichtigste sind dabei die Schuhe, da beginnt man zu fühlen, auf welche Weise jemand im Leben steht." Der Moment, in dem man in die Rolle findet, soll dabei möglichst spontan bleiben. "Für mich gehört da viel Intuition dazu", sagt Vikander. "Man will ja schließlich auch die anderen am Set überraschen mit der Performance. Es ist ein bisschen so, wie wenn du ein Buch vor allen anderen vorliest. Da weiß du auch nicht, welcher Text als Nächstes kommt, und dennoch versuchst du spontan, dem Gelesenen eine Interpretation zu geben."

Historische Stoffe sind zeitlos
"Tulpenfieber" spielt zwar vor fast 400 Jahren, aber die menschliche Natur hat sich in dieser Zeit kaum gewandelt. "Vielleicht sind historische Stoffe so zeitlos, weil die menschlichen Emotionen darin immer noch die gleichen geblieben sind. Es mag vor 400 Jahren andere gesellschaftliche Umgangstöne und Moralvorstellungen gegeben haben, aber die Emotionen zwischen Menschen, die haben sich nicht verändert", findet Vikander. Weshalb sie bei ihren Rollen auch nach Wahrhaftigkeit sucht und Oberflächlichkeiten ablehnt.

Und der rote Teppich? Der Inbegriff der Eitelkeit? "Das gehört zu unserem Job einfach dazu", gesteht Vikander. "Zu Beginn tat ich mir schwer, denn ich wusste ja nicht, wie lange diese Teppiche sein können! Früher habe ich mich gefreut, wenn ich mich mal für eine Hochzeit herausputzen konnte, aber jetzt muss ich mir schon Wochen vor dem roten Teppich überlegen, was ich anziehe. Das kann ganz schön stressig sein."

Und das hat auch sicher nichts mit dem zu tun, wonach die junge Schauspielerin strebt: Nach Tiefe. Und nach einer beinahe archäologischen Herangehensweise an die Arbeit: "Ich mag Figuren, bei denen man noch einige Schichten freilegen kann, um zu ihrer wahren Authentizität zu finden", sagt Vikander. Immerhin: Ihr nächster Job, Lara Croft, ist von Beruf Archäologin. Aber ob es bei dieser Videospiele-Verfilmung wirklich noch Tiefe freizulegen gibt, wird sich erst zeigen.




Schlagwörter

Alicia Vikander, Tulpenfieber

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-18 17:04:15



Filmkritik

Sex mit dem Wassermann

Die Unterwasser-Blase, in der sich die stumme Putzfrau Elisa (Sally Hawkins) befindet, besteht aus Liebemachen im randvoll gelaufenen Badezimmer... weiter




Wind River

Leid in Eis und Schnee

Ganz schön kalt ist vor allem der jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen) aus Florida, Jeremy Renner ist da härter im Nehmen. - © Thimfilm Was ist der 18-jährigen Frau, die zu Beginn von "Wind River" barfuß und im Vollmondschein durch eine nächtliche Schneelandschaft läuft... weiter




Filmkritik

Wie am Schnürchen

20180131Daniel - © APAweb / afp, Lars Niki Als wolle er die Oscar-Gerüchte noch weiter anheizen, verkündete Daniel Day-Lewis, dass es sich bei Reynolds Woodcock in "Der seidene Faden" um seine... weiter





Werbung



Meinung

Was bedeutet unabhängig?

Gesetzlich vorgesehene Vorgänge gelten in der Regel als eher unspektakulär, wenn sie vonstattengehen. Interessanter wäre eher... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Irrsinn der Macht
  2. ÖVP/FPÖ sorgen für Zweidrittelmehrheit im ORF
  3. Preisträger von 2013 verarmt verstorben
  4. Drei Säulen auf unsicherem Fundament
  5. Spiellaune und Schwung
Meistkommentiert
  1. Armin Wolf klagt FPÖ wegen Facebook-Posting
  2. ÖVP/FPÖ sorgen für Zweidrittelmehrheit im ORF
  3. Die Drohkulissen
  4. "Kultur in harten Kämpfen verschonen"
  5. "Frauen verstehe ich besser als Männer"

Bille August.

Am Donnerstag, 15. Februar 2018, ging die Eröffnung der 68. Berlinale über den roten Teppich. Zahlreiche Stars aus nah und fern waren mit dabei.

Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer. Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung