• vom 28.08.2017, 16:25 Uhr

Film

Update: 28.08.2017, 16:43 Uhr

Katastrophenfilme

Die Erde ist sauer!




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Ob Katastrophenfilm oder Umweltschutzverein: Beide erzählen gern die Geschichte von einer vermessenen Menschheit und einer Rache der Natur - eine Darstellung, die weniger mit der Wissenschaft als mit dem Erbe des Christentums zu tun hat.

Zerstört wie Sodom: Die Natur vernichtet Los Angeles in Roland Emmerichs Blockbuster "The Day After Tomorrow". - © Imago/EntertainmentPictures

Zerstört wie Sodom: Die Natur vernichtet Los Angeles in Roland Emmerichs Blockbuster "The Day After Tomorrow". © Imago/EntertainmentPictures



Lauft, ihr Menschen, lauft! Der Riesenbärenklau greift uns an, und gegen diese Monsterpflanze ist kein Kraut gewachsen. Ihr schwerer Duft infiltriert unsere Städte, ihre Ranken wuchern an den Flüssen - und ihr Gift rächt sich für unseren Frevel. Ach, könnten wir ihn doch ungeschehen machen! Lang ist es her, da hat ein viktorianischer Forscher den Riesenbärenklau in Russland entdeckt und nach London mitgeschleppt. Bald schon schmückten die modischen Gentlemen vom Land ihre Wildgärten mit dem Exoten. Doch die botanische Kreatur rührte sich, sie sann auf Rache . . .

Natürlich - diese Geschichte ist erfunden. Zwar gibt es den Riesenbärenklau wirklich: Er ist tatsächlich ein giftiger Import aus der Kaukasusregion und heute ein Problem in den Wäldern Europas. Seine Attacke auf die Menschheit ist aber Fiktion, erdacht von der englischen Rockgruppe Genesis. Die brachte 1972, noch mit Peter Gabriel am Mikrofon, das achtminütige Lied "The Return of The Giant Hogweed" heraus. Wie so vieles, was die Band damals schuf, war der Song skurril und episch zugleich und wohl eine Parodie auf gewisse Horrorfilme, die immer nach der gleichen Masche ablaufen: Hochmütig überschreitet der Mensch seine Grenzen und verstößt gegen die Gesetze der Natur. Mutter Erde wird verletzt, gerät in Aufruhr - und schlägt unerbittlich zurück.


Einst rächte Gott, nun die Natur
Das Seltsame ist nur: Man findet diese Klischees nicht bloß in Filmen. Viele Menschen halten sie für die Wahrheit. Mögen Wissenschafter auch anmerken, die Natur könne nicht in Rage geraten, da sie keine menschlichen Gefühle besitze, sondern ein Ökosystem sei - der Glaube an eine zürnende Natur ist nicht auszurotten. Und er wird auch von vermeintlich seriösen Quellen gestützt. Das Mühen um einen möglichst zugkräftigen Slogan zeitigt dann etwa das Greenpeace-Plakat mit dem Satz: "Das Wetter schlägt zurück." Gewiss - es liegt nahe, dass das Handeln des Menschen nicht folgenlos für das Klima des Planeten bleibt. Wer diese Hypothese aber in einen Racheakt verklärt, sitzt einem Aberglauben auf.

Warum hält sich dieser so zäh? Vermutlich, weil er auf eine uralte Vorstellung zurückgeht - auf die von einem zürnenden Gott. Ein Allmächtiger, wie er im Alten Testament steht und der strafend zur Stelle ist, wenn der Mensch Gott spielt oder zumindest in die Nähe des Himmelsvaters klettern will. Wie beim Turmbau zu Babel: ein antikes High-Tech-Projekt, laut Überlieferung vom Allerhöchsten zu Fall gebracht.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-28 16:30:06
Letzte ńnderung am 2017-08-28 16:43:18



Star Wars

Möge die Schlacht mit uns sein

Rey (Daisy Ridley) trainiert sich unter Anleitung von Luke Skywalker auf einer einsamen Insel in Richtung Jedi-Rittertum. - © Disney Die junge Rey (Daisy Ridley) wurde in "Star Wars Episode VII" als die neue Hoffnung der gealterten Jedi präsentiert, weil man ihr zutraut... weiter




Meine schöne innere Sonne

Plattitüde mit Pendel

Juliette Binoche sehnt sich nach der großen Liebe. - © polyfilm Isabelle (Juliette Binoche) sehnt sich nach der Liebe. Die geschiedene Pariser Künstlerin ist umgeben von Menschen... weiter




Filmkritik

Vorfahre auf Rachefeldzug

Jürgen Vogel ist Ötzi, dessen Körper 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden wurde. - © Port au Prince Pictures Der Mensch hat im Allgemeinen ein enormes Einfühlungsvermögen. Dieses machen sich die Filmemacher von "Der Mann aus dem Eis" zunutze... weiter





Werbung



Kommentar

Reden ist Silber und Schweigen ist Prost

Weihnachtsfeiern sind bekanntlich ein hochgefährliches Minenfeld. Trinkt man zum Beispiel zu viel, könnte es sein... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ein ewiger Anfänger
  2. Eskalation im Pazifik
  3. Betörende Brautschau
  4. Der Familienkombi im Zeugenstand
  5. Visionen in Stein
Meistkommentiert
  1. Kleine Stimme, große Kunst
  2. Bruckner als Kraftwalze
  3. Wie gewonnen, so verschwunden?
  4. Peter Turrini mit Kulturpreis des Landes Kärnten ausgezeichnet
  5. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung