• vom 28.09.2017, 16:31 Uhr

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Update: 28.09.2017, 18:01 Uhr

Kino

"Mit Herzklopfen ins Filmmuseum"




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Von Matthias Greuling

  • Mit 1. Oktober übernimmt Michael Loebenstein von Alexander Horwath die Leitung des Filmmuseums.

Neuer Filmmuseum-Chef Loebenstein, Vorgänger Horwath (rechts): "Die Tradition des Hauses fortführen".

Neuer Filmmuseum-Chef Loebenstein, Vorgänger Horwath (rechts): "Die Tradition des Hauses fortführen".© Katharina Sartena Neuer Filmmuseum-Chef Loebenstein, Vorgänger Horwath (rechts): "Die Tradition des Hauses fortführen".© Katharina Sartena

Michael Loebenstein, 1974 in Wien geboren und zuletzt Leiter des National Film and Sound Archive of Australia, übernimmt das Filmmuseum in der Albertina am 1. Oktober von Alexander Horwath, Jahrgang 1964, der das Haus seit 2002 geleitet hat und auf Nachfrage nach seiner Zukunft meint: "Jetzt werde ich erst einmal pausieren".

"Wiener Zeitung": Herr Horwath, in den vergangenen 15 Jahren hat sich das Mediennutzungsverhalten massiv verändert. Worin liegt heute die Aufgabe der Filmvermittlung eines Filmmuseums?


Alexander Horwath: Mit veränderten Sehgewohnheiten meinen wir die Mobilisierung des Blicks auf Tablets, Smartphones und Computer, aber der Wandel der Orte des Films ist einer, den es schon seit den 1940er Jahren gibt. Ein Museum kann und soll in seiner Präsentationspolitik möglichst transparent und aufklärerisch sein, was die Medientechniken und -kontexte betrifft, denen ein Werk seine Kraft als historisches Zeugnis verdankt. Das heißt, ein digitales Werk als digitale Produktion zu zeigen und einen analogen Film in analoger Projektion. Viele Cinematheken gehen meines Erachtens in eine Falle, wenn sie DVDs und Blu-rays zeigen anstatt echter Filmkopien. Dafür brauche ich keine Cinemathek, das kann ich mir zu Hause am HD-Beamer auch geben. Für öffentlich geförderte Institutionen ist es nicht vertretbar, eine DVD oder einen Stream einzulegen. Daher war es für mich logisch, das Profil des Filmmuseums besonders in einer Zeit des rasanten digitalen Wandels zu einer Konstante zu machen, die das Medium Film ernst nimmt.

Herr Loebenstein, Sie leiteten zuletzt das nationale Filmarchiv in Australien. Welche Aspekte bringt das für Ihre Arbeit hier mit sich?

Michael Loebenstein: Mich reizt die Kontinuität dieses Hauses. Das Filmmuseum steht für eine ganz bestimmte Position, nämlich, dass es eine Sammlungsinstitution ist, deren Sammlungen den Zweck haben, präsentiert, beforscht und diskutiert zu werden. Ich kann hier meine zwei Leidenschaften, nämlich den Archäologen, den Kulturwissenschafter, und andererseits den Vermittler und Kurator zusammenbringen. Was bleibt, ist diese Idee von dem Museum, das kein Refugium für Modernisierungsverweigerer und Nostalgiker ist, auch kein defensiver Ort, keine letzte Bastion. Ich möchte, dass Menschen ins Filmmuseum mit dem gleichen Herzklopfen und der gleichen Freude hineinkommen können, wie ich als Kind schon in Museen gegangen bin. In dieser zunehmenden Reglementierung und Kommerzialisierung und Kontrolle unseres Lebens muss es tatsächlich noch Räume fürs freie Denken geben. Ich habe in Australien viel Praxis sammeln können. Das hat mir verdeutlicht, dass es in Österreich keine Einrichtung wie das National Film and Sound Archive gibt, also ein Staatsarchiv, das sich um die zentrale Bewahrung, Kopierung und Digitalisierung kümmert. Das ist eine Fragestellung, die ich jetzt hierher mitnehme.

Es ist ja Ausdruck eines politischen Willens, wenn man so eine Institution schafft. Wie ist es denn um diesen Willen bestellt?

Horwath: Es gibt Länder wie Frankreich, Australien oder Großbritannien, die das Filmerbe als staatliche Aufgabe sehen. Die Republik Österreich hat das Vereinen wie dem Filmmuseum überlassen, die sich aus eigenem Engagement der Sache angenommen haben. Mit dieser Situation lebt die Republik bis heute ganz gut - nicht nur wegen der weltweit ausstrahlenden Qualität dieses Hauses, sondern auch, weil man dem Steuerzahler viel Geld erspart hat. Im Vergleich zu den Bundesmuseen sind nur geringe Subventionen in diese Vereine geflossen.

Loebenstein: Das österreichische Filmmuseum ist weltberühmt und gilt als ein Leuchtturm in Sachen Programmpolitik und Vermittlung. Es wird hier allerdings nur ein Bruchteil des Budgets zur Verfügung stehen, das ich in Australien hatte. Auf der anderen Seite: Kann man diese Art von agiler, beweglicher, spannender, kultureller Arbeit, die eine kleine Institution wie das Filmmuseum machen kann, mit einem Beamtenapparat machen? Ich würde sagen: Nein. Ich nehme hier die größere Unsicherheit und die kleineren Strukturen in Kauf, weil sie mir ungleich mehr Kreativität ermöglichen. Als Kulturnation den Film nicht zu vergessen, ist eine der zentralen Aufgaben. Da hat mir Alexander Horwath schon sehr viel an Bewusstsein übergeben, aber da werde ich sicher noch meine Kämpfe auszufechten haben.

Herr Horwath, Sie haben sich als Person stark eingebracht in filmpolitische Debatten, Ihre Meinung zählt. Ist der Leiter eines Filmmuseums eine politische Figur?

Horwath: Ich hatte immer das Bedürfnis, als freier Mensch erkennbar zu sein. Man ist natürlich nie ganz "frei", was die üblichen Arbeits- und Zeitstrukturen betrifft, die solch eine Leitungsfunktion mit sich bringt. Aber die wichtigere Freiheit ist die, sich auf Basis von Wissen und langjähriger Erfahrung öffentliche Aussagen über den Film- und Kulturbereich zu leisten, die nicht politischer Opportunität oder einer Beamtenhierarchie geschuldet sind, sondern nur der Sache. Damit prägt man natürlich auch die Geschicke dieses Hauses - und es ist ein sehr hoher Wert für die Institution, so frei sein zu können.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-28 16:36:10
Letzte ─nderung am 2017-09-28 18:01:27



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