• vom 13.10.2017, 16:28 Uhr

Film


Missbrauchskandal

Weinsteins Fall reißt auch andere mit




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Von Christoph Irrgeher

  • Auch Leiter der Amazon-Studios muss gehen. Die Polizei in New York und London ermittelt.

Hat sich vorerst von der Öffentlichkeit verabschiedet und ein Therapiezentrum aufgesucht: Harvey Weinstein.

Hat sich vorerst von der Öffentlichkeit verabschiedet und ein Therapiezentrum aufgesucht: Harvey Weinstein.© afp Hat sich vorerst von der Öffentlichkeit verabschiedet und ein Therapiezentrum aufgesucht: Harvey Weinstein.© afp

Es gibt zwei Erklärungen, warum die mutmaßlichen Missetaten des Harvey Weinstein ans Licht gekommen sind. Die eine ist hoffnungsvoll: Die Serie an sexuellen Übergriffen, Nötigungen, ja womöglich auch Vergewaltigungen des Hollywood-Moguls musste eines Tages enden - ganz einfach darum, weil für so einen archaischen Machtmissbrauch kein Platz mehr ist in einer Welt der weiblichen Emanzipation und Gleichstellung. Es gibt allerdings noch eine zweite Lesart, und sie ist düsterer: Weinstein, so lautet sie, hätte sein scheinbar anachronistisches Verhalten noch jahrelang fortsetzen können. Das Problem sei nur gewesen, dass der ehrfurchtgebietende Filmproduzent in den Vorjahren an Macht verloren hätte - und aus diesem Grund angreifbar geworden wäre. Was Weinstein also verloren hat, ist nach dieser Lesart das Recht des Stärkeren. Etwas, das es an sich nicht geben dürfte.

Die "Dämonen" bändigen
Jodi Kantor hat diese Lesart in einem Interview mit dem Magazin "Slate" artikuliert. Kantor zählt zu den Journalisten, die den Skandal für die "New York Times" recherchiert haben. Sie stützen sich dabei nicht nur auf die Aussagen mutmaßlicher Opfer, sondern haben auch versucht, Geldflüssen nachzuspüren, die einer mutmaßlichen Wiedergutmachung galten, sowie internen Firmen-Memos.


Wie viel Schuld Weinstein tatsächlich auf sich geladen hat, steht zwar noch in Zweifel. Es hat jedoch nicht den Anschein, als wäre die Geschichte vollinhaltlich erfunden. Diese Woche ist der 65-Jährige mit seinem Privatjet in ein Sanatorium im US-Bundesstaat Arizona geflogen, das auch Sex-Sucht behandelt, berichtete das für gewöhnlich gut informierte Portal tmz.com. Er nehme sich eine "Auszeit", um seine "Dämonen" in den Griff zu bekommen, ließ Weinstein wissen.

McGowan macht Druck
Tatsächlich scheint er weniger die Konfrontation als die Flucht vor einer Welt zu suchen, die ihn vom Podest gestürzt hat und jetzt als Monster ächtet. Die Gattin hat ihn verlassen, die eigene Firma hat ihn gefeuert, die Oscar-Akademie berät in einer Dringlichkeitssitzung über Weinsteins Ausschluss.

Dabei zeiht der Skandal mittlerweile Kreise, die über Weinsteins Dunstkreis hinausreichen. So ist nun Roy Price, Leiter der Amazon-Filmstudios, suspendiert worden. Die Schauspielerin Rose McGowan, mutmaßliches Opfer und erbittertste Anklägerin Weinsteins, hatte ihn über den Kurznachrichtendienst Twitter angegriffen: Sie habe Price "wieder und wieder" gesagt, dass "HW" sie vergewaltigt habe, worauf Price nur erklärt hätte, "das sei nicht bewiesen worden". Price selbst wird zudem vorgeworfen, eine Mitarbeiterin seines Studios mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben.

Die Fülle der Vorwürfe gegen Harvey Weinstein, die vom Betatschen beim vorgeblichen "Meeting" im Hotelzimmer bis zum erzwungenen Beischlaf reicht, hat auch die Polizei auf den Plan gerufen. Sowohl in New York als auch in London ermitteln die Behörden.




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Dokument erstellt am 2017-10-13 16:34:05



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