• vom 12.01.2018, 07:30 Uhr

Film

Update: 12.01.2018, 08:07 Uhr

Django Reinhardt

Ein Leben wie ein Jazzkonzert




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Von Matthias Greuling

  • Etienne Comar über sein Jazz-Biopic "Django - Ein Leben für die Musik".

Vollblutmusiker: Django Reinhardt (Reda Kateb) ist auf der Bühne in seinem Element. - © Filmladen

Vollblutmusiker: Django Reinhardt (Reda Kateb) ist auf der Bühne in seinem Element. © Filmladen

Zum ersten Mal am Regiestuhl: Etienne Comar.

Zum ersten Mal am Regiestuhl: Etienne Comar.© Katharina Sartena Zum ersten Mal am Regiestuhl: Etienne Comar.© Katharina Sartena

"Django - Ein Leben für die Musik" erzählt vom Sinti-Musiker Django Reinhardt (Reda Kateb), der von den Nazis gleichermaßen hofiert und verfolgt wurde und dessen Verdienste für die Welt des Jazz und des Swing unbestritten sind. Django will während der Besatzungszeit in Paris in den frühen 40er Jahren eigentlich nichts wissen vom Nazi-Regime, aber ein fetter Scheck von Goebbels lockt ihn eventuell doch zu Auftritten nach Berlin. Eine sehr innige Vertraute (Cécile de France) rät ihm allerdings zur Flucht in die Schweiz, doch das wird nicht so einfach: Die Grenzen sind dicht, die Nazis stellen ihm sogar in der Provinz nach.

Regie-Debütant Etienne Colmar verbindet in seinem Film Musikalität und politische Brisanz. Hauptdarsteller Reda Kateb ist das Highlight des Films, immer gut gekleidet, immer charmant, adrett und auch schlau und stets seiner Musik verpflichtet, nur darum geht es. Ein Egoist gegen das Regime, das ist Brutalität.


"Wiener Zeitung": Was hat Sie an der Geschichte des Musikers Django Reinhardt fasziniert?

Etienne Comar: Ich finde Lebensgeschichten interessant, die sich mit den Härten des Daseins befassen. Gerade im Fall eines Musikers bietet es sich an, sein hartes Schicksal mit seiner Passion für die Musik zu kontrastieren. Ich selbst spiele in einer Rockband, und da merke ich oft, wie gut es tut, sich in der eigenen Musik zu verlieren und sozusagen von der Außenwelt abzuschotten. Das kann einem über viele Nöte und Sorgen hinweghelfen.

Wie viel Aktualitätsbezug hat Reinhardts Geschichte vor dem Hintergrund einer Gegenwart, in der Extremismen wieder salonfähig werden?

Es gibt einen großen Aktualitätsbezug, finde ich. Man kann unterschiedliche Zeiten zwar nur schwer miteinander vergleichen, aber es drängen sich schon augenfällige Parallelen auf. Das alles läuft wohl eher unterbewusst ab, denn ich lasse mich natürlich auch prägen von der Zeit, in der ich lebe. Aspekte von Künstlern, die sich ihre Förderer nicht aussuchen können und instrumentalisiert werden, beschäftigen mich ebenso wie Menschen, die auf der Flucht sind und über Grenzen gelangen möchten, um in Freiheit zu leben. All das steckt auch in meinem Film. Wer heute einen Film über ein historisches Ereignis macht, kann dies gar nicht realisieren, ohne die Zeit, in der man selbst lebt, mit hinein zu reflektieren.

Wie haben Sie es angestellt, Djangos Musik so aufzubereiten, dass sie sich für die große Kinoleinwand eignet? Dass sie auch ästhetisch entspricht?

Mir war wichtig, dass Djangos Musik im Film nicht bloß als Untermalung diente, als Illustration, sondern dass ich sie sinnvoll einsetze, wenn es die Dramaturgie erfordert. So ist sie immer auch Träger von Emotionen, von der Aktion, die gerade passiert. Es gibt daher auch fast keine Filmmusik im klassischen Sinn, denn es wäre ja seltsam, wenn man einen Film über einen Musiker dreht und ihn dann mit der Musik eines anderen unterlegt. Und damit Reda Kateb in der Rolle auch überzeugend ist, musste er ein Jahr lang Gitarre lernen. Mir war das sehr wichtig, denn er sollte glaubhaft sein. Er musste mit der Emotion seiner Musik wirklich mitgehen können. Schauspieler, die dann nur ein Playback spielen, wirken eher lächerlich, finde ich. Wir haben die gesamte Musik des Films zwar vor dem Dreh aufgenommen, aber alle Musiker und auch Reda waren in der Lage, vor der Kamera dazu zu spielen.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-11 16:33:19
Letzte ─nderung am 2018-01-12 08:07:59



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