• vom 28.02.2012, 16:15 Uhr

Film

Update: 28.02.2012, 17:34 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Alexander Horwath und Alejandro Bachmann vom Österreichischen Filmmuseum über die Zukunft des Films

"Digital ist ein anderes Medium"



Alexander Horwath.

Alexander Horwath.© APA Alexander Horwath.© APA

Alejandro Bachmann.

Alejandro Bachmann.© unknown Alejandro Bachmann.© unknown

Welchen Aufholbedarf gibt es im Bereich der Filmvermittlung und was bedeutet sie auch in Hinblick auf die sich ändernden Sehgewohnheiten bei vielen Jugendlichen, die Filme schon öfter am Handy konsumieren als im Kino?
Alejandro Bachmann: Bisher funktioniert Filmvermittlung sehr oft nur unter dem Aspekt des Inhalts. Das heißt, Filme werden im Unterricht oft als ‚thematische Zuspieler’ eingesetzt, wenn es um bestimmte gesellschaftliche Themen geht. "Brokeback Mountain" beispielsweise als idealer, nicht allzu spröder Boden, auf dem man über Homosexualität diskutieren kann. Oder anhand eines Ken-Loach-Films über die Arbeiterklasse zu sprechen. Das ist aber nur eine von vielen Möglichkeiten, Filme im Unterricht einzusetzen, und leider reduziert sich die Filmvermittlung heute fast immer darauf: also Filme als Tool zur Erläuterung eines bestimmten ‚Inhalts’ einzusetzen. Uns geht es aber um Medienkompetenz, um das Besondere der filmischen Denk- und Ausdruckweisen. Auch im Deutschunterricht geht es ja nicht nur darum, welche Geschichte "Faust" erzählt, sondern um die spezifische Sprache, um das ästhetische System, das bei diesem Stück wirksam wird.

Digitale Filmkamera - die Canon EOS C 300 kommt ohne Zelluloid aus.

Digitale Filmkamera - die Canon EOS C 300 kommt ohne Zelluloid aus. Digitale Filmkamera - die Canon EOS C 300 kommt ohne Zelluloid aus.

Man denkt dabei also auch über Sprache nach. Wenn es um Medien geht, tut man das hingegen kaum. Egal, was man im Kino sieht oder im Fernsehen oder online – diese Formen, in denen Laufbilder ‚verfasst’ sind, sind genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger für das, was wir wahrnehmen. Und diese Formen, diese ‚Sprache’, diese Eigenständigkeit des Films muss bei Filmvermittlung eigentlich im Zentrum stehen.

Das ist eine sehr grundsätzliche Herangehensweise…
A.H.: Ja. Wir stellen uns auch Fragen zur Begrifflichkeit insgesamt: Was ist Film? Ist es der Streifen? Nicht unbedingt; natürlich darf man zum Filmstreifen ‚Film’ sagen, aber für mich geschieht Film erst in dem Moment, in dem der Streifen in ein bestimmtes apparatives, räumliches, zeitliches System eingespannt ist und als Zeitereignis abläuft. Nur dann ist es ein Film. Solche Fragen versuchen wir in der Vermittlungsarbeit auch zu diskutieren.

Worin liegt nun die Herausforderung für eine Cinemathek wie das Filmmuseum in Zeiten von HD-Heimkinoanlagen, in denen digitale Bilder dominieren und den Weg ins Lichtspielhaus für viele obsolet machen?
A.B.: Es geht weniger um die Frage, was besser oder schlechter ist – analog oder digital. Das ist eine müßige Diskussion. Wichtiger ist es, zu erklären, dass es ganz unterschiedliche Medien sind und was die Unterschiede sind. Auch die Kontexte, in denen wir diese Medien wahrnehmen, sind zumeist sehr unterschiedlich: Vielleicht ist das Heimkino zuhause dank Beamer und abgedunkelter Räume kinoähnlich, aber es gibt dennoch eine fundamentale Differenz zum Kinobesuch. Mein Handy kann klingeln, ich kann den Film jederzeit anhalten, vor- oder zurückspulen. Das ist nicht unbedingt besser oder schlechter, aber es ist doch eine ganz andere Filmerfahrung als in einem Kino.

A.H.: Wir als Museum müssen in dieser Hinsicht nicht unbedingt das tun, was alle tun. Museen sind in der glücklichen Lage, dass sie Rückschau halten können auf die Geschichte und sofort erkennen, dass alle Veränderungen in der Geschichte niemals naturgegeben waren, sondern von bestimmten Interessen geprägt – sozialen, ökonomischen, kulturpolitischen Interessen. Deshalb beobachte ich den Wandel hin zum digitalen Kino recht neutral und frage mich, woher kommt das, was bedeutet dies gesellschaftlich, ästhetisch, was bedeutet es für unsere Begrifflichkeit. Die Menschen werden weiterhin "Film" sagen, obwohl Film als Material gar nicht mehr vorkommt. Für den Film ist diese Entwicklung nicht unbedingt ein Nachteil.




Schlagwörter

Digital, Film

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-28 16:20:11
Letzte Änderung am 2012-02-28 17:34:20


Beliebte Inhalte



Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

  • Formel 1, Radio-Symphonieorchester und 250 Jobs stehen zur Diskussion.
  • weiter

Wettbüros sehen Dänemarks Emmelie de Forest mit ihrem Song "Only Teardrops" in der Favoritenrolle. - APAweb / Reuters
  • Teilnehmer aus der skandinavischen Region und dem Osten haben größte Siegchancen
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Lost in War: Robert Neumann versammelt Kellerkinder, im Bild (v.l.n.r): Daniel Frantisek Kamen, Kirstin Schwab, Petra Gstrein. - B. Palffy
  • Robert Neumanns Nachkriegsroman "Die Kinder von Wien", adaptiert und inszeniert von Anna Maria Krassnigg.
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Musik-Dandy und Begründer des Glam-Rock: Marc Bolan. - Universal
  • Wie mit bekannten Namen Geld gemacht wird
  • weiter

Eine Szene aus der umstrittenen "Tannhäuser"-Inszenierung der Rheinoper (Markus Eiche, linkst, als Wolfram und  Elisabet Strid als Elisabeth). - APAweb / AP, Deutsche Oper am Rhein, Hans Jörg Michel
  • Oper wird nur mehr konzertant aufgeführt.
  • weiter

Natalia Kelly will es in Malmö "shinen" lassen. - APAweb / EPA, Janerik Henriksson Malmö/Wien. Natalia Kelly, Österreichs Vertreterin beim Song Contest 2013 in Malmö, ist ein unbeschriebenes Blatt...weiter

 Natalia Kelly sang. - EPA/Janerik Henriksson
  • Österreichs Beitrag von Natalia Kelly konnte Europa mit ihrem Song "Shine" nicht überzeugen.
  • weiter




Werbung



Bis zum letzten Blutstüpfelchen

Mia (Jane Levy) wirft die Kettensäge an. - sony (fan) In den 1970er und frühen 1980er Jahren zog das Indie-Kino auch im Horror-Genre kräftig gegen die Tabus der US- Filmindustrie zu Felde... weiter




"Der große Gatsby": buntes Literaturkonfetti in einer opulenten 3D-Party

Hoffnung ist Schampus

Früher war eindeutig mehr Lametta: Nick (T. Maguire) und Jordan Baker (Elizabeth Debicki) tanzen bei Gatsby. - Warner Es ist ein verführerischer Text. Es gibt eine Theaterfassung des "Großen Gatsby", in der ein Schauspieler in einem Büro-Setting das ganze Buch... weiter




Neu im Kino

Von Ja- und Nein-Sagern

Werbe-Guru Rene Saavedra (Gael Garcia Bernal) weiß nicht, woran er glaubt - bis er beginnt, es anderen Leuten zu verkaufen. - Filmladen "No" ist der vierte Film des 36-jährigen chilenischen Regisseurs Pablo Larraín und der dritte in seiner Reihe von Filmen über die Ära des Diktators... weiter





Wilde Irrfahrt durch eine mittelalterlich-fantastische Welt voller Intrigen, Verrat, geschickt gesponnen und spannend erzählt

Game Of Thrones, Staffel 2

20130510DVD1 - - Es gibt Serien, denen geht schon in der ersten Staffel die Luft aus. Manchen auch erst in der zweiten. Und dann gibt es solche... weiter




Trittbrettfahrer von "Twilight", "Being Human" und Co

Wolfblood, Staffel 1

20130510DVD2 - - Diesmal stehen nicht die Vampire im Mittelpunkt, sondern ihre Gegner, die Werwölfe. Hier heißen sie allerdings Wolfsblüter... weiter




Öl ist dicker als Blut, das Motto der Ewings

Dallas, Staffel 1

20130510DVD4 - - Öl ist dicker als Blut, das war das Motto der Ewings, die uns in "Dallas" jahrelang das Intrigenspinnen lehrten.Nun kommt die nächste Generation... weiter



Quiz



Werbung