Viele der wichtigsten Bands der Musikszene werden im Film vorgestellt. "Azra" (Name), "Atomsko skloniste" (Atombunker), "Bijelo dugme" (Weißer Knopf), "Elektricni orgazam" (Elektrischer Orgasmus), "Parni valjak" (Dampfwalze) hauchten Jugoslawien den "Spirit of Rock" ein. Mirkovic reiste für den Film von Zagreb nach Ljubljana, Wien, Belgrad, Budapest, Paris, Utrecht, New York, um Legenden von damals zu besuchen.
Einen großen Einfluss hatte die Gazette "Polet" (Enthusiasmus), die von der sozialistischen Partei gegründet wurde. Im Herbst 1978 änderte sich das bis dahin konservative Blatt und wurde Sprachrohr der Punkrock-Szene. Auf dem Titelblatt wurden Rocker mit den Worten "es geht etwas vor" gezeigt. Laut dem Musiker Jasenko Houra brachte das Blatt Bands aus allen Teilen Jugoslawiens "zusammen und machte sie publik". Es hat auch erstmals den Ausdruck "neue Welle" verwendet.
Ein Idol lebt zurückgezogen
Einer der wichtigsten Protagonisten des Films bleibt im Verborgenen: Branimir "Johnny" Stulic, Gründer der Band "Azra", war eine zentrale Figur der jugoslawischen Rockszene, ein Alternativer, wie er im Buche steht. Der Name der Band leitet sich aus dem Vers eines bosnischen Liebesgedichts ab und ist auch bei Heinrich Heine ("Der Asra") zu finden. Zurückgezogen lebt Johnny nun in Utrecht und will nicht mehr in die Öffentlichkeit. "Er war schon immer ein komischer Kauz", heißt es im Film. Bevor er berühmt wurde, spielte er an öffentlichen Plätzen Zagrebs. Wer ihm Geld zuwarf und sich ein Lied wünschte wurde enttäuscht: Er spielte nur, was er als spielbar betrachtete. "Ich telefoniere immer noch ab und zu mit ihm, aber er hat sich aus privaten Gründen zurückgezogen", sagt Mirkovic.
Für den in Wien lebenden bosnisch-stämmigen Fan Adis Ibrahimovic "ist und bleibt Johnny eine Legende". Der 33-Jährige hat in dem Künstler "sein Vorbild gefunden. Johnny ist durch und durch authentisch. Der Ruhm war ihm nie wichtig". In einem seiner berühmtesten Lieder "Sta da radim" (Was soll ich machen) besingt Johnny seine Lebensweise: Nichts ist mir mehr wichtig, ich habe eine gute Band gefunden. Ich will nur spielen, das ist alles.
"Platten waren die einzige wertvolle Währung in unserem Leben", sagt Mirkovic. Sobald eine LP die sogenannte "Schundetikette" der jugoslawischen Kontrollbehörde bekam, stieg ihr Wert. Sie bedeutete regimekritische Texte oder von der Regierung als Schund bezeichnete Musik. Fast alle Musiker der neuen Welle machten Schundmusik - für junge Fans wie Mirkovic "fast schon eine Auszeichnung".
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