• vom 25.09.2015, 15:21 Uhr

Film


Robert Pattinson

"Manchmal wünsche ich mir mehr Ego"




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Von Matthias Greuling

  • "Wiener Zeitung"-Interview mit Robert Pattinson (derzeit in Anton Corbijns "Life" im Kino) über James Dean und das Leben als Star.

Seitenwechsel am roten Teppich: Robert Pattinson steht in "Life" hinter der Absperrung bei den Fotografen und knipst James Dean. - © Constantin Film

Seitenwechsel am roten Teppich: Robert Pattinson steht in "Life" hinter der Absperrung bei den Fotografen und knipst James Dean. © Constantin Film

Es ist die Story des vielleicht berühmtesten Fotos der Filmgeschichte. James Dean geht im Trenchcoat und bei strömendem Regen über den New Yorker Times Square, in seinem Mundwinkel hängt lässig eine Filterlose. Der "Magnum"-Fotograf Dennis Stock hat es geschossen, wie dutzende andere Porträts des aufstrebenden Schauspielers. Anfang 1955, zu dem Zeitpunkt, als dieses Foto entstand, steckte Dean noch in einer merkwürdigen Zwischenzeit: Noch nicht berühmt und doch von einer Aura eines seltsamen Olymps umgeben, dem nicht jeder gewachsen war. Dean jedenfalls nicht. Als die Fotos im Mai 1955 in "Life" erschienen, war Dean schon überlebensgroß, denn "Jenseits von Eden" war bereits angelaufen. Am 30. September 1955 fuhr er in seinem Porsche in den Tod.

Anton Corbijn hat in "Life" (derzeit im Kino) die Geschichte von Stock und Dean mit Robert Pattinson und Dane DeHaan inszeniert und dabei auch das ewige Wechselbad von Ver- und Misstrauen eingefangen, das zwischen einem Star und seinem Macher herrscht.


Robert Pattinson ist - ähnlich wie Dean - über Nacht zum Star geworden. In der Folge hatte er große Schwierigkeiten, den Schatten des Vampirs aus "Twilight" wieder loszuwerden. Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

"Wiener Zeitung":Mr. Pattinson, hätten Sie James Dean gespielt, wenn man Ihnen das angeboten hätte?

Robert Pattinson: Ich hätte die Rolle von James Dean niemals angenommen, wirklich. Allein schon deshalb nicht, weil ich ihm doch überhaupt nicht ähnlich sehe. Dane DeHaan schon, aber ich hätte mich wohl lächerlich gemacht.

Im Film stehen Sie einmal nicht selbst im Rampenlicht, sondern als Fotograf der Schönen und Reichen auf der anderen Seite der Absperrung. Muss ungewohnt sein für Sie.

Meine Figur, Dennis Stock, ist eigentlich nicht für den roten Teppich gemacht. Es gibt eine Szene, da sieht man, wie er sich dafür schämt, diese Gossip-Fotos machen zu müssen, und doch bleibt ihm nichts anderes übrig, weil er Geld braucht. Also gehört er zu den Fotografen, die es gewohnt sind, sich gegenseitig zu schubsen und rempeln, weil jeder an sein perfektes Foto kommen möchte.

Wie gehen Sie mit Popularität um? Ich glaube, das ist eine der Kernfragen für berühmte Menschen, oder?

Es ist seltsam, denn ich wusste niemals wirklich, was Popularität bedeutet. Manche Menschen haben mich über die Jahre besser kennengelernt und wissen, dass es die Figur, der viele zujubeln, gar nicht gibt. Bei einem Popstar ist das etwas anderes, denn da steht der Name und die Person viel mehr im Vordergrund als bei einem Schauspieler, der immer wieder in andere Rollen schlüpft. Es ist komisch, wenn man für etwas umjubelt wird, das man gar nicht ist, zugleich hilft einem diese Popularität aber auch, weil man eben nicht wirklich als Person gehypt wird.

Popularität setzt ein Konzept von Bewunderung für andere voraus. Wen bewundern Sie?

James Dean gehört definitiv dazu. Ich glaube, jeder Schauspieler hat einmal seine ganz persönliche James-Dean-Phase durchgemacht, in der man bei jedem Casting den James-Dean-Eindruck hinterlässt, egal, für welchen Part man vorspricht. Ich war aber immer etwas mehr hinter dem Geheimnis von Marlon Brando her. Der sagte über sich: "Ich habe keine Ahnung, wer oder was ich eigentlich bin." Ich gehöre definitiv zu dieser Kategorie.

Der Film zeigt einen Star, bevor er zum Star wird, es geht um die Monate, bevor es so richtig losging. Ich sprach 2008 das erste Mal mit Ihnen, da war der erste "Twilight"-Film gerade fertig und niemand wusste, ob das Konzept aufgeht. Sie waren damals auch ein Star, der noch keiner war. Ein paar Wochen später war alles anders. Wie fühlten Sie sich in dem Moment, bevor der Sturm losbrach?

Eine solche Phase gab es niemals mehr in meinem Leben. Es hat alles gepasst damals: Denn ich glaube, für einen solchen Hype hatte ich das richtige Alter. Mit 21 war ich jung genug, aber nicht zu jung dafür; man konnte in dem Alter schon auf eine Art Vorleben zurückblicken, hatte eine Jugend. Das Jahr, bevor "Twilight" in die Kinos kam, hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Weil mich noch keiner kannte, hatte ich nur die guten Seiten des Ruhmes kennengelernt, aber nicht die schlechten. Ungefähr sechs Monate vor dem "Twilight"-Release ging es bei mir los mit diesen Annehmlichkeiten. Ich bekam plötzlich jedes Meeting, um das ich bat. Man hofierte mich in allen Büros von Produzenten und Regisseuren, und ich habe gar nicht realisiert, was da rundherum alles passierte. Diese allererste Berührung mit dem Ruhm ist wirklich fantastisch! Dabei geht es um wirklich lächerliche Sachen wie den Eintritt in gewisse Clubs zum Beispiel. Wo man mich bis dahin rauswarf, konnte ich plötzlich rein (lacht).

Dennoch sind Sie ziemlich geerdet geblieben. Wie schafft man das?

Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich habe mir noch vieles zu beweisen im Leben, in ganz unterschiedlichen Disziplinen. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte ein größeres Ego, wirklich. Das würde mir helfen, etwas mehr aus dieser ganzen Sache hier zu schöpfen.

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