
Es ist schwere Kost in zweierlei Hinsicht, die Regie-Meister Steven Spielberg seinem Publikum da auftischt: Denn einerseits ist "Gefährten" - im Originaltitel viel schöner "War Horse" - ein Film über den Ersten Weltkrieg, der mit technisch ausgefeilten Bildern die ganze Grausamkeit der Kriegsmaschinerie zeigt, auf der anderen Seite eine bewegende Geschichte über Freundschaft (und Tierquälerei), die sich gefährlich oft an der Grenze zum Kitsch (und darüber hinaus) bewegt.
Eines Tages bringt Alberts Vater einen jungen Hengst nach Hause, der besser als Rennpferd denn als Ackergaul taugt. Doch Albert beweist, dass Joey - so hat er das Pferd genannt - alles kann, was man von ihm will. Dann wird Joey allerdings von der britischen Armee zum Kriegsdienst eingezogen, landet auf dem Kontinent, wechselt ständig seinen Besitzer und beeinflusst das Leben jener Menschen, denen er begegnet, nachhaltig. Albert will die Trennung nicht hinnehmen und meldet sich als Freiwilliger, um seinen vierbeinigen Freund zu suchen.
Spielberg beweist einmal mehr, dass er der Meister der Emotionen ist, die er ständig mit epochalen Bildern schürt. Doch das nimmt einem 146 Minuten lang den Atem - eindeutig ein wenig zu viel. In Jeremy Irvine hat Spielberg einen vielversprechenden Jungschauspieler für die Rolle des Albert gefunden, gut wie immer David Thewlis oder Emily Watson. Der wahre Star ist aber natürlich das Pferd Joey... Über das erfährt man in den Extras übrigens gar nichts, da diskutieren Cast und Crew lediglich über den Inhalt und die Bedeutung des Films, außerdem darf ein Statist kurz etwas zu seinen Dreh-Erfahrungen sagen. Da hätte man eindeutig mehr daraus machen können ...
Touchstone, 1 Bluray, ca. 19 Euro
Artikel erschienen am 7. September 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 24
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