Wenn Channing Tatum sich in Steven Soderberghs "Magic Mike" das erste Mal die Kleider vom Leib reißt, hat das ein bisschen was von der Szene in "Terminator", als Arnold Schwarzenegger das Fleisch wegbrennt und das darunterliegende Roboter-Stahl-Skelett zum glänzenden Vorschein kommt. Beide Male wird hier Kraft in ihrer konzentrierten Form entblößt. Bei Tatum war es auch im echten Leben sein gestählter Körper, voll epiliert, kulturindustriell gestählt, überzüchtet, der ihm seine "Karriere" in Hollywood ermöglichte, er war jung und brauchte das Geld, das er als Stripper verdiente. Soderbergh inszeniert ihn als Magic Mike, der im Club von Manager Dallas (Matthew McConaughey) zu zweifelhaften Ehren gelangt und versucht, sein Leben bei Tageslicht zurückzukriegen. Doch zu sehr weist ihn das Muskelpaket nicht nur vor jedem Bankangestellten als Proletarier und Schuldner aus. Auch Brooke, die Schwester des jungen Burschen Adam, den Mike unter seine Fittiche nimmt und ihn im Strip-Business anlernt, zögert, Mikes Annäherungsversuche zu erwidern - und muss zuerst noch einen Mittelklasse-Typen mit "ordentlichem Job" überwinden, um für Mike bereit zu sein.
Hire&Fire-Realität
Es ist ein Amerika der sogenannten "lesser depression", das Soderbergh hier nebenbei einfangen will. Die Ära der anhaltenden Arbeitslosigkeit, hier speziell in der männlichen Arbeiterklasse, die mit der Rezession ab 2007 begonnen hat und bis heute andauert. Mike hat gefühlte 365 verschiedene Jobs und fällt in der Hire&Fire-Realität trotzdem durch den Rost. Irgendwann wird das Strippen zur Identität, ein Prozess, gegen den Mike sich wehrt, aber auch wieder nicht, schließlich ist er ein Star im Zirkus der Revuekörper, der Frischfleisch-Marionetten, hier hat er noch gute Karten - andere Kollegen holen sich bereits einen Hexenschuss, wenn sie eine Dame aus dem Publikum auf ihren Schoß heben.
Auf all dies gelingt Soderbergh anfangs ein distanzierter und unbestochener Blick - bevor er zu sehr daran Gefallen findet, die Auftritte der Stripper als bloße Show zu inszenieren. Bis dahin aber kombiniert er seine ökonomische Basisanalyse stimmig mit den Absurditäten des Stripper-Daseins, vor allem aber auch mit den unaufgeregten Paar-in-spe-Dialogen zwischen Brooke und Mike, die er angenehm gnadenlos schneidet und ganz New-Old-Hollywood-mäßig an den abgedroschensten Orten stattfinden lässt, weil nirgendwo sonst die Hoffnung so zuletzt stirbt wie dort. Dennoch sieht der Film an jeder Stelle dunkler und anspruchsvoller aus, als er wirklich ist. Niemals etwa geht hier wirklich etwas schief, nie entwickelt sich echtes Drama, echte Emotion oder ein wirklicher Konflikt zwischen den Figuren. Dallas, der Mike die Beteiligung am Franchise in Miami verspricht, wird zwar zwielichtig angerissen, ist am Ende aber doch der gute Typ. Vielleicht werden Märchen ja doch noch wahr in Amerika. Vielleicht aber verfällt Soderbergh hier im Endeffekt selbst nur dem Schauwert einer gut verkauften Illusion.
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